Unruhen im Irak Hunderttausende fliehen vor Gewalt in Anbar

In der Unruheregion Anbar im Irak sind islamistische Aufständische auf dem Vormarsch. Die Rebellen hatten teilweise die Kontrolle über die Städte Ramadi und Falludscha übernommen. 300.000 Menschen sind nun auf der Flucht.

Unruhen in Anbar (Archivbild): 50.000 Familien sind auf der Flucht
AP

Unruhen in Anbar (Archivbild): 50.000 Familien sind auf der Flucht


Anbar - Zum ersten Mal seit 2008 übernehmen Aufständische im Irak die Kontrolle über ganze Städte. Rund 300.000 Menschen sind inzwischen vor der Gewalt in Anbar geflohen. Aufgrund der unsicheren Lage in der Provinz westlich von Bagdad und rund um die Städte Falludscha und Ramadi haben etwa 50.000 Familien ihre Heimat verlassen. Das teilte das Flüchtlingswerk UNHCR mit. Demnach seien die meisten von ihnen in abgelegene Orte der Provinz geflohen; weitere 60.000 hätten sich in anderen Provinzen in Sicherheit gebracht.

Nach der Frist des Gouverneurs von Anbar, Ahmed al-Dulaimi, bleibt den Kämpfern noch bis zum Wochenende Zeit, ihre Waffen niederzulegen. Bislang ist die Armee noch nicht vorgerückt, um die Stadt zurückzuerobern.

Nach Angaben des UNHCR schätzt das Ministerium für Vertreibung und Migration, dass die Regierung 35 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 26 Millionen Euro, benötigen wird, um die Notwendigkeiten zu bezahlen, die durch die Krise in Anbar ausgelöst worden sind. So etwa geeignete Unterkünfte, Essen und andere menschliche Bedürfnisse.

Auslöser der Kämpfe war Ende Dezember die gewaltsame Räumung eines sunnitischen Protestlagers bei Ramadi. Die sunnitische Minderheit fühlt sich von der schiitisch dominierten Regierung Nuri al-Malikis benachteiligt. Unter anderem sunnitische Aufständische der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) hatten in Anbar eine Offensive gestartet. Seitdem halten sie Falludscha und teilweise auch Ramadi unter ihrer Kontrolle.

jka/AFP

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