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27. Oktober 2003, 12:47 Uhr

33 Tote in Bagdad

Attentäter kam mit Rettungswagen voller Sprengstoff

Eine Serie von Explosionen hat das Zentrum Bagdads erschüttert. Der blutigste Anschlag traf das Rote Kreuz. Eine Bombe riss ein zwölf Meter großes Loch in das dreigeschossige Gebäude. Bei Angriffen auf zwei Polizeistationen starben mindestens 15 Menschen.

Rettungskräfte bringen einen Verwundeten aus dem bombardierten Rot-Kreuz-Gebäude
REUTERS

Rettungskräfte bringen einen Verwundeten aus dem bombardierten Rot-Kreuz-Gebäude

Bagdad - Das Verderben kam mit einem Krankenwagen. Ein Selbstmordattentäter steuerte das Auto mit Sprengstoff beladen vor den Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im Zentrum Bagdads und brachte seine Ladung zur Explosion. Nach Angaben des US-Offiziers Mark Hertling kamen dabei bis zu zehn Iraker ums Leben, weitere zehn wurden verletzt.

In der Fassade des dreigeschossigen IKRK-Gebäudes klafft ein zwölf Meter breites Loch. Die gewaltige Detonation zerriss auch ein Wasserrohr, umliegende Straßen waren überflutet.

Hertling sagte in Bagdad, am Morgen seien im Gebiet der irakischen Hauptstadt vier weitere Fahrzeuge vor Polizeiwachen explodiert. Die irakische Polizei sprach von 27 Todesopfern, darunter vermutlich auch ein US-Soldat.

Nach Einschätzung der amerikanischen Militärs sollen die Anschläge zu Beginn des Fastenmonats Ramadan Unruhe in die Bevölkerung bringen. Sicherheitsbarrieren hätten verhindert, dass die Attentäter noch mehr Schaden anrichteten.

Der Bombenanschlag hinteließ einen tiefen Krater
REUTERS

Der Bombenanschlag hinteließ einen tiefen Krater

Seitens des IKRK hieß es, auch unter den Mitarbeitern der Organisation habe es Opfer gegeben. Zwei irakische Mitarbeiter seien getötet worden. IKRK-Sprecherin Nada Doumani erklärte, in dem Gebäude arbeiteten normalerweise rund hundert Menschen, überwiegend Iraker. Wie viele sich zum Zeitpunkt des Anschlags um 8.30 Uhr in ihren Büros befanden, war zunächst nicht bekannt. "Wir können nicht verstehen, warum jemand das Rote Kreuz angreifen sollte", sagte sie. Das IKRK arbeite seit 1980 in Irak und habe sich niemals in die Politik eingemischt.

Die Uno-Hilfsorganisationen zeigten sich schockiert von dem Anschlag auf das Rote Kreuz. Sie erklärten jedoch gleichzeitig, sie seien nicht überrascht. Der Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, Damien Personnaz, sagte, angesichts des Anschlags auf das Bagdader Uno-Hauptquartier im August sei mit weiteren Angriffen zu rechnen gewesen. Möglicherweise wird die Arbeit der Uno im Irak weiter eingeschränkt.

Bagdad: Rauchwolke über dem Gebäude des Roten Kreuzes
REUTERS

Bagdad: Rauchwolke über dem Gebäude des Roten Kreuzes

International stieß die jüngste Anschlagserie auf Ablehnung. Der außenpolitische Beauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, sagte, die Lage in Irak sei nicht gut, werde aber nicht außer Kontrolle geraten. Der britische Außenminister Jack Straw verurteilte den Anschlag. Die Tatsache, dass die Täter eine internationale Organisation ins Visier genommen hätten, zeige das Ausmaß ihrer Verderbtheit, sagte Straw vor der EU-Außenministerkonferenz in Brüssel.

Bei zwei weiteren Anschlägen in Bagdad wurden nach US-Militärangaben vom Montag drei amerikanische Soldaten getötet. Zusätzlich kamen zwei Soldaten ums Leben, als ihre Patrouille am Sonntag von einer am Straßenrand deponierten Bombe getroffen wurde. Ein dritter Soldat wurde am Sonntag bei einem Anschlag auf eine Einheit der Militärpolizei in Abu Ghraib getötet. In Falludscha, rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt, eröffneten amerikanische Truppen nach Berichten von Augenzeugen das Feuer und töteten mindestens vier irakische Zivilisten.

Erst am Sonntag war das Hotel al-Raschid in Bagdad von Raketen getroffen worden. Dabei waren ein US-Soldat getötet und 18 weitere Menschen verletzt worden. Der ebenfalls im Hotel untergebrachte stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz blieb unverletzt.

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