39 Tote in Lkw Britische Polizei geht von Vietnam als Herkunftsland aus

Woher stammen die 39 Toten aus einem Lkw? Ging die britische Polizei anfangs von China aus, setzt sie nun eher auf Vietnam. Die Aufklärung fällt auch schwer, weil Menschen aus Angst Informationen zurückhalten könnten.

Martin Pasmore von der Polizei Essex: "Fokus liegt auf vietnamesischer Gemeinschaft"
Peter Nicholls / REUTERS

Martin Pasmore von der Polizei Essex: "Fokus liegt auf vietnamesischer Gemeinschaft"


Bei der Aufklärung des Todes von 39 Menschen in einem Lastwagenanhänger konzentriert sich die britische Polizei inzwischen auf das Herkunftsland Vietnam. "Wir kennen die Herkunft der Toten noch nicht, aber ich lege den Fokus im Moment auf die vietnamesische Gemeinschaft", sagte Martin Pasmore, bei der Essex Police zuständig für die Identifizierung der Opfer.

Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, es handele sich bei den Toten um Chinesen. Ausgeschlossen ist dies noch nicht. Neben Vietnam kommen Pasmore zufolge weiterhin auch andere Herkunftsländer in Frage. Die Polizei stößt bei der Aufklärung des Falls auf verschiedene Schwierigkeiten.

Es sei ein Problem, dass möglicherweise Verwandte der Opfer selbst illegal in Großbritannien lebten und Angst hätten, sich bei der Polizei zu melden. Pasmore sicherte deshalb zu, seine Behörde werde niemanden verfolgen, der sich in der Sache an die Polizei wende. In den vergangenen Tagen hatten sich potenzielle Angehörige mit teils schockierenden Schilderungen an britische Medien gewandt.

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Leichenfund in Essex: Abfahrt aus dem Industriegebiet

Familien in Sorge um vermisste Angehörige

Am Freitag hatten sich mehrere vietnamesische Familien bei der BBC gemeldet, die Angehörige unter den Toten befürchten. Am Samstag sagte ein 57-jähriger Vietnamese der Deutschen Presse-Agentur, sein Sohn sei 2017 nach Frankreich ausgewandert und habe ihn informiert, dass er als Teil einer Gruppe nach Großbritannien geschmuggelt werden solle.

Der Vater sagte, er habe einen Anruf bekommen und sei über die Todesfälle informiert worden. Er sei aber nicht sicher gewesen, wer der Anrufer überhaupt war und ob es sich um einen Schleuser gehandelt habe. Er habe nun kaum noch Hoffnung, dass sein Sohn am Leben sei. "Ich bin sicher, dass er tot ist, aber ich versuche, das eine Prozent an Hoffnung zu behalten, dass er noch lebt."

Die Identität der Toten ist nach Angaben der britischen Polizei nicht geklärt. Man habe nur "sehr, sehr wenige Ausweisdokumente" bei ihnen gefunden, sagte Pasmore. Man hoffe, die Leichen etwa anhand von Fingerabdrücken und DNA-Spuren zu identifizieren sowie mithilfe von Fotos von Verwandten und Freunden.

Botschaft richtet Hotline für mögliche Angehörige ein

Inzwischen seien alle Leichen aus dem Lastwagen in die Gerichtsmedizin gebracht worden, sagte Pasmore. Anschließend sollen Besonderheiten, die an den Toten gefunden wurden, mit weiteren Informationen abgeglichen werden. Er habe sich auch mit dem vietnamesischen Botschafter getroffen, um die Zusammenarbeit mit den Behörden in dessen Land zu vertiefen.

Die vietnamesische Botschaft in London hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich Menschen melden können, um Informationen über potenziell betroffene Angehörige einzuholen. Pasmore sagte: "Wir alle wollen vor allem das eine: Dass die Toten identifiziert und zu ihren Angehörigen gebracht werden."

Im Video: Reaktionen auf den grausigen Fund

Hollie Adams/PA Wire/DPA

Fünfter Verdächtiger festgenommen

Wegen der 39 Toten hat die irische Polizei in Dublin am Samstag einen fünften Verdächtigen festgenommen. Gegen den Mann habe es einen Haftbefehl wegen einer mutmaßlichen Straftat in Irland gegeben, die Polizei in Essex habe jedoch Interesse bekundet, den Mann zu befragen, heißt es in einer Mitteilung.

Die britische Polizei hatte zuvor bereits vier Verdächtige festgenommen, darunter den Fahrer des Lastwagens, in dem die Leichen gefunden worden waren. Ihnen wird Menschenhandel und Totschlag beziehungsweise Mord vorgeworfen. Die Zugmaschine war aus Irland gekommen, der Auflieger kam über den belgischen Hafen Zeebrugge nach England - per Schiff wurde er von Belgien in den Hafen Purfleet gebracht.

Auch Tage nach dem grausigen Fund in der Nacht zum Mittwoch ist unklar, wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten. Es handelt sich um 31 Männer und acht Frauen (Lesen Sie hier eine Reportage vom Fundort). Die Umstände deuten stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt. Möglicherweise sind die Menschen im Laderaum erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet war. Offiziell bestätigt ist die Todesursache nicht.

fok/AP/dpa



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