39 Tote in Lkw gefunden Britische Polizei vermutet, dass alle Opfer aus Vietnam stammen

Bei den 39 Menschen, die tot in einem Lastwagen in Essex entdeckt wurden, handelt es sich laut neuesten Erkenntnissen der Polizei um vietnamesische Staatsbürger. Die Ermittler suchen in dem Fall zudem nach zwei Brüdern.

Polizeieinsatz in Essex am 24. Oktober: "Eine Reise, die in einer Tragödie an unseren Ufern endete"
Simon Dawson/ REUTERS

Polizeieinsatz in Essex am 24. Oktober: "Eine Reise, die in einer Tragödie an unseren Ufern endete"


Nach dem Fund von 39 Leichen in einem Lastwagen nahe London geht die Polizei nach neuesten Erkenntnissen davon aus, dass alle Opfer aus Vietnam stammen. Das teilte der stellvertretende Polizeichef von Essex, Tim Smith, am Freitagabend mit. "In diesem Moment nehmen wir an, dass alle Opfer vietnamesische Bürger sind, wir stehen deswegen in Kontakt mit der vietnamesischen Regierung."

Die Polizei hatte nach der Entdeckung der Leichen in einem Kühllaster zunächst spekuliert, dass die Toten aus China stammten. Nun erklärte Smith: "Wir stehen in direktem Kontakt mit mehreren Familien in Vietnam und Großbritannien, und wir glauben, einige Familien den Opfern zugeordnet zu haben, deren Reise in einer Tragödie an unseren Ufern endete." Nach örtlichen vietnamesischen Medienberichten haben bis zu 28 Familien in den zentralen Provinzen Ha Tinh und Nghe An Angehörige als vermisst gemeldet.

Weitere Festnahmen in Vietnam und Irland

In Vietnam waren am Freitag im Zusammenhang mit dem Fall zwei Personen festgenommen worden. Nähere Angaben machten die Behörden zunächst nicht. Zudem wurde in Irland ein weiterer Verdächtiger festgenommen: Sicherheitskräfte vollstreckten am Freitag einen europäischen Haftbefehl gegen einen 23-Jährigen, wie die britische Polizei mitteilte. Die Behörde kündigte an, die Auslieferung des Verdächtigen zu beantragen, der aus Nordirland stammt. Ihm werden Totschlag in 39 Fällen sowie Menschenhandel und Einwanderungsvergehen vorgeworfen.

Zudem forderte die Polizei zwei verdächtige und ebenfalls aus Nordirland stammende Brüder auf, sich den Behörden zu stellen. "Wir brauchen Sie, um diese Untersuchung zu unterstützen", sagte Chefinspektor Daniel Stoten von der Polizei der Grafschaft Essex in der nordirischen Hauptstadt Belfast an die Männer gerichtet.

Die Polizei habe mit dem älteren Bruder bereits telefoniert. Nähere Angaben zu dem Gespräch machte Stoten nicht. Es sei aber unerlässlich, die 40 und 34 Jahre alten Männer persönlich zu verhören. "Je schneller das passiert, desto schneller können wir in unserer Untersuchung vorankommen", sagte Stoten.

Die Brüder betreiben ein Transportunternehmen in der nordirischen Stadt Armagh. Sie werden wegen Totschlags und Menschenhandels gesucht.

Am 23. Oktober waren die Leichen von 31 Männern und 8 Frauen in einem Kühllaster entdeckt worden. Die offizielle Todesursache wurde bislang nicht mitgeteilt. Der Fahrer des Wagens, ein 25-jähriger Nordire, wurde bereits wegen Totschlags in 39 Fällen, Beteiligung an Menschenhandel, Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie Geldwäsche angeklagt. Drei weitere Verdächtige kamen gegen Kaution frei.

Bei den Toten handelt es sich vermutlich um ins Land geschleuste Migranten. Die Zugmaschine des Lastwagens, in dem die Leichen gefunden wurden, war aus Irland gekommen. Der Auflieger wurde per Schiff über den belgischen Hafen Zeebrugge in den englischen Hafen Purfleet gebracht.

aar/dpa/AFP



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