60 Jahre Israel Der amerikanische Freund

Es dauerte nur elf Minuten, bis die USA am 14. Mai 1948 den jüdischen Staat anerkannten. Die tiefe Partnerschaft, die Präsident Bush nun mit seinem Geburtstagsbesuch in Israel würdigt, hat sich über die Jahrzehnte nur langsam entwickelt. Auch heute ist die Beziehung nicht ohne Probleme.

Von , Washington


Washington - Israel ist ein Geburtstagskind, das niemand in den USA vergisst. Barack Obama schrieb zum 60. Jahrestag der Staatsgründung einen Gastbeitrag in einer der größten israelischen Zeitungen. Seine Parteirivalin Hillary Clinton gratulierte in einem Rundschreiben. Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain sandte artig Glückwünsche.

Die aktuelle US-Regierung macht schon seit Wochen ihre Aufwartung. Außenministerin Condoleezza Rice sprach beim Festakt des "American Jewish Committee" in Washington, Vizepräsident Dick Cheney hielt eine feierliche Rede zum Jubiläum. Und Präsident George W. Bush reist heute persönlich zur Geburtstagsfeier nach Jerusalem.

Die einzige verbliebene Weltmacht unterhält viele special relationships - doch vielleicht ist die mit Israel am speziellsten. Das Land ist nicht nur Empfänger eines der großzügigsten Pakete amerikanischer Wirtschafts- und Militärhilfe, das sogar besonderen Zugang zu US-Waffensystemen einschließt. Eng sind auch die Bande im Kulturaustausch, in der Bildungskooperation oder der Technologiezusammenarbeit. Bei Abstimmungen in den Vereinten Nationen stehen die Amerikaner zuverlässig an Israels Seite.

Selten wird im historischen Rückblick dieser Tage vergessen, dass der damalige US-Präsident Harry Truman 1948 schon elf Minuten nach der Staatsgründung Israel anerkannte. Freilich fehlt oft der Hinweis, dass Washington damals nicht gleich zum wichtigsten Partner des neuen Staates avancierte. Lange wollten die US-Machthaber die arabischen Nationen nicht durch zu enge Beziehungen mit Israel verärgern. Da der Holocaust zu dieser Zeit in der amerikanischen Öffentlichkeit noch vorwiegend als europäisches Versagen gedeutet wurde, spürte die Regierung auch wenig moralischen Druck.

Erst nach dem Sechstagekrieg von 1967 beschleunigte sich die Annäherung rapide. Die Schlagkraft des israelischen Militärs in diesem Konflikt beeindruckte Washington so nachhaltig, dass es fortan dessen Hilfe im Kalten Krieg als strategisch wichtig ansah. Nach dessen Ende wurden die US-Interessen neu umrissen: Mittlerweile preisen die Planer im amerikanischen Außenministerium das Land als einzige funktionierende Demokratie in der Region, die als Brückenkopf im Dialog mit den islamischen Ländern diene.

Die enge Beziehung blieb über die Jahrzehnte nicht ohne Probleme - auf beiden Seiten: Irritiert registrierten etwa die Israelis, dass Washington auch andere arabische Staaten wie Saudi-Arabien großzügig mit Waffen ausstattete. Die Israelis wiederum reizten das Weiße Haus mit ihrer Siedlungspolitik - und die spektakuläre Enttarnung israelischer Spione in den USA.

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