Massaker an Tutsi-Minderheit in Ruanda 71-Jähriger wegen Völkermordes zu 25 Jahren Haft verurteilt

Mindestens 800.000 Tutsi sollen 1994 in Ruanda umgebracht worden sein. Mehr als 25 Jahre später wurde in Belgien nun ein ehemaliger Regierungsvertreter zu einer Haftstrafe verurteilt.
Fabien Neretsé (links) mit seinen Verteidigern in Brüssel, er soll für den Tod von 800.000 Tutsi verantwortlich sein

Fabien Neretsé (links) mit seinen Verteidigern in Brüssel, er soll für den Tod von 800.000 Tutsi verantwortlich sein

Foto: John Thys/AFP

Ein belgisches Gericht hat einen Ruander wegen Völkermordes zu 25 Jahren Haft verurteilt. Der 71 Jahre alte Fabien Neretsé war bereits am Donnerstag schuldig gesprochen worden, verantwortlich für Völkermord und mehrere Kriegsverbrechen in dem ostafrikanischen Land zu sein. Das hatte das Schwurgericht in Brüssel entschieden. Die Staatsanwaltschaft hatte 30 Jahre Haft gefordert.

Beim Strafmaß berücksichtigte das Gericht das Alter des ehemaligen Regierungsvertreters als mildernden Umstand, wie die Richterin Sophie Leclercq sagte. Im Prozess habe der Angeklagte aber "kein Mitleid" für die Massaker gezeigt, die 1994 an der Minderheit der Tutsi in Ruanda begangen worden waren.

Neretsé ist der erste Mensch, der in Belgien wegen Völkermords verurteilt wird. Die belgische Justiz hat seit einer Gesetzesänderung von 1993 eine unbeschränkte Zuständigkeit für Fälle von Völkermord.

Neretsé war 2011 in Frankreich festgenommen worden. Die Mordtaten, für die er verantwortlich gemacht wird, sollen sich in der ruandischen Hauptstadt Kigali sowie in den Verwaltungsbezirken Gitarama und Ruhengeri zugetragen haben. Im Völkermord in Ruanda wurden in den Monaten April bis Juli 1994 nach Uno-Angaben mindestens 800.000 Menschen umgebracht.

hba/dpa/AFP
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