85 Tage Hungerstreik Kubanischer Dissident stirbt in Haft

Der prominente Bürgerrechtler Orlando Zapata wehrte sich gegen die Haftbedingungen in Kuba - und protestierte mit einem Hungerstreik. Mehr als zwei Monate hielt er durch. Doch nun konnten Ärzte den geschwächten Mann nicht mehr retten: Er starb im Alter von 42 Jahren.

Archivbild von Orlando Zapata: "Schlechte Nachricht für alle Menschenrechtsbewegungen"
AFP

Archivbild von Orlando Zapata: "Schlechte Nachricht für alle Menschenrechtsbewegungen"


Havanna - Nur wenige Stunden vor dem Tod des Dissidenten Orlando Zapata warnte die Kubanische Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung, sein Zustand sei "sehr ernst". Doch auch die Ärzte in einem Krankenhaus in Havanna konnten ihm nicht mehr helfen. Zapata starb am Dienstag.

85 Tage hatte der prominente Bürgerrechtler gehungert - um gegen seine Haftbedingungen in einem Gefängnis in Camaguey zu protestieren. Zapata war offenbar 2003 wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde 42 Jahre alt.

Zapatas Tod sei "eine große Tragödie für seine Familie und eine sehr schlechte Nachricht für alle Menschenrechtsbewegungen, aber auch für die Regierung, die den politischen Preis für diesen Tod zahlen muss", sagte der Vorsitzende der Menschenrechtskommission, Elizardo Sánchez, der Nachrichtenagentur AFP. Es handele sich um "vorsätzlichen Mord", weil die Behörden dem Dissidenten zu lange ärztliche Hilfe vorenthalten hätten, so die Kommission. Das Gremium ist offiziell verboten, wird aber von der kubanischen Regierung toleriert.

Zapatas Mutter machte ebenfalls die kubanischen Behörden für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. "Das war vorsätzlicher Mord", sagte Reina Tamayo in einer Erklärung, die von Exilkubanern in Miami im US-Bundesstaat Florida herausgegeben wurde.

In Kuba sitzen derzeit rund 200 politische Häftlinge im Gefängnis. Die kubanische Regierung bestreitet die Existenz von politischen Häftlingen und sieht die festgehaltenen Dissidenten als Agenten oder Söldner im Dienst der USA an.

Der Tod des Dissidenten kommt für Kuba zu einem heiklen Zeitpunkt. Gerade erst hatten die Teilnehmer des Lateinamerika-Gipfels im mexikanischen Cancún die Aufhebung des seit 1962 bestehenden US-Embargos gegen Kuba gefordert. Am Mittwoch wollte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nach Havanna reisen, um über Investitionen in dem Land zu sprechen. Auch Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hatte sich für Mittwoch in Kuba angekündigt.

"Leben in ständiger Angst"

Die Hoffnungen, dass Kubas Staatschef Raúl Castro den Menschen mehr Freiheiten gewährt, scheinen sich jedoch zerschlagen zu haben. Drei Jahre, nachdem er die Amtsgeschäfte von seinem Bruder Fidel übernommen hat, prangern Menschenrechtsorganisationen zahlreiche Verhaftungen und Misshandlungen von Oppositionellen an: Raúl habe den Unterdrückungsapparat aufrechterhalten, statt ihn aufzulösen.

Raúl gehe genauso brutal vor wie sein Bruder, sagt José Miguel Vivanco, Leiter der Lateinamerika-Abteilung von Human Rights Watch: "Kubaner, die es wagen, Kritik an der Regierung zu üben, leben in ständiger Angst."

In einem über hundert Seiten langen Bericht mit dem Titel "New Castro, Same Cuba" dokumentierte die Organisation im November vergangenen Jahres die Menschenrechtsverletzungen. "Wir leben 24 Stunden am Tag mit dem Risiko, verhaftet zu werden", berichtete ihnen ein Rechtsanwalt im März 2009. Zehn Tage später wurde der Jurist festgenommen - er sitzt bis heute im Gefängnis.

kgp/AFP/dpa/apn



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
joboxer 24.02.2010
1. wie sagte ...
Zitat von sysopDer prominente Bürgerrechtler Orlando Zapata wehrte sich gegen die Haftbedingungen in Kuba - und protestierte mit einem Hungerstreik. Mehr als zwei Monate hielt er durch. Doch nun konnten Ärzte den geschwächten Mann nicht mehr retten: Er starb im Alter von 42 Jahren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679978,00.html
... oskar lafontaine vor noch nicht allzu langer zeit: mit blick auf kuba sollte man sich davor hüten, die "frage der menschenrechte wichtigtuerisch zu instrumentalisieren", um damit nicht "den sozialismus des 21. jahrhunderts zu diffamieren" ...
cha cha 24.02.2010
2. Menschenrechte! Freiheit!
Zitat von sysopDer prominente Bürgerrechtler Orlando Zapata wehrte sich gegen die Haftbedingungen in Kuba - und protestierte mit einem Hungerstreik. Mehr als zwei Monate hielt er durch. Doch nun konnten Ärzte den geschwächten Mann nicht mehr retten: Er starb im Alter von 42 Jahren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679978,00.html
Es gibt keinen Sozialismus ohne Achtung der Menschenrechte und ohne Freiheit des Individuums.
Evin 24.02.2010
3. kein Adrenalin für Prowestler
In diesem Forum ist es so ruhig. Wo sind denn all die Aktivisten, die so leidenschaftlich für das Wohlergehen der Insassen von Guantanamo Bay streiten? Ach richtig, Orlando Zapata muss sich den üblen Verdacht gefallen lassen, dem Westen zugeneigt zu sein. Er war womöglich ein Hassprediger für Freiheit und Demokratie. Ohnehin ist Amnesty International anderweitig beschäftigt, denn AI hat sich mit dem Taliban-Unterstützer Moazzam Begg verbündet, der keinen Hehl aus seinem Verständnis von Menschenrechten macht, insbesondere der Rechte von Frauen und Andersgläubigen. Interessant zu sehen, wie sich die Adrenalinspiegel für einen mutmasslichen Prowestler und einen überzeugten Antiwestler unterscheiden.
cha cha 24.02.2010
4. @ joboxer
Zitat von joboxer... oskar lafontaine vor noch nicht allzu langer zeit: mit blick auf kuba sollte man sich davor hüten, die "frage der menschenrechte wichtigtuerisch zu instrumentalisieren", um damit nicht "den sozialismus des 21. jahrhunderts zu diffamieren" ...
Diffamiert hat sich damit Lafontaine selbst, und zugleich auch die Partei "Die Linke". Und disqualifiziert hat er seine Partei damit auch. Es gibt keinen Sozialismus ohne Menschenrechte und ohne individuelle Freiheit. Wer das für "wichtigtuerisch" hält, der wandelt schon in den Fußstapfen Stalins.
Haio Forler 24.02.2010
5. .
Zitat von EvinIn diesem Forum ist es so ruhig. Wo sind denn all die Aktivisten, die so leidenschaftlich für das Wohlergehen der Insassen von Guantanamo Bay streiten? Ach richtig, Orlando Zapata muss sich den üblen Verdacht gefallen lassen, dem Westen zugeneigt zu sein. Er war womöglich ein Hassprediger für Freiheit und Demokratie. Ohnehin ist Amnesty International anderweitig beschäftigt, denn AI hat sich mit dem Taliban-Unterstützer Moazzam Begg verbündet, der keinen Hehl aus seinem Verständnis von Menschenrechten macht, insbesondere der Rechte von Frauen und Andersgläubigen. Interessant zu sehen, wie sich die Adrenalinspiegel für einen mutmasslichen Prowestler und einen überzeugten Antiwestler unterscheiden.
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