Gedenken an 9/11 Ein Land in Trauer

Beinahe 3000 Menschen sind bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gestorben. In bewegenden Veranstaltungen hat Amerika der Opfer gedacht.

Klassische Musik, eine Liste mit 2983 langsam nacheinander vorgelesenen Namen, sechs Pausen und läutende Kirchenglocken. Wo einst die Zwillingstürme des World Trade Center in Lower Manhattan standen, ist am Sonntag der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gedacht worden. Auch bei Washington und im Bundesstaat Pennsylvania gab es Gedenkveranstaltungen.

Vor genau 15 Jahren hatten Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida Passagierflugzeuge entführt und in die Zwillingstürme des World Trade Center sowie in das Verteidigungsministerium bei Washington gesteuert. Eine vierte entführte Maschine stürzte im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld, nachdem Passagiere sich gegen die Entführer gestellt hatten.

In New York markieren heute zwei Löcher im Boden den Ort, an dem die Türme des World Trade Centers einst standen. Hier, am Ground Zero, hatte es die meisten Opfer gegeben. Bei der Gedenkfeier wurden die Namen aller Toten vorgelesen. Das National September 11 Museum war am Vormittag nur für die Familien der Opfer geöffnet.

Fotostrecke

9/11 Gedenken in den USA: "Einen Teil des Herzens verloren"

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Die Veranstaltung ist seit mehreren Jahren traditionsgemäß weitgehend unpolitisch. Allerdings nahmen die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr republikanischer Konkurrent Donald Trump teil. Clinton musste die Veranstaltung dabei vorzeitig verlassen, weil sie, so ihre Wahlkampfmitarbeiter, "überhitzt" gewesen sei.

Um 8.46 Uhr Ortszeit (14.46 Uhr MESZ) gab es die erste Gedenkminute. Weitere folgten jeweils zu den Zeitpunkten, zu denen vor genau 15 Jahren ein Flugzeug entweder in ein Gebäude einschlug oder, im Fall der Maschine in Pennsylvania, abstürzte. Auch zum Zeitpunkt des Einsturzes der Türme des World Trade Centers gab es Schweigeminuten:

  • 8.46 Uhr Ortszeit (14.46 Uhr MESZ)
    American Airlines 11 trifft WTC-Nordturm

9.03 Uhr Ortszeit (15.03 Uhr MESZ)
United Airlines 175 trifft WTC-Südturm

9.37 Uhr Ortszeit (15.37 Uhr MESZ)
American Airlines 77 trifft das Pentagon

9.59 Uhr Ortszeit (15.59 Uhr MESZ)
WTC-Südturm stürzt ein

10.03 Uhr Ortszeit (16.03 Uhr MESZ)
United Airlines 93 stürzt ab bei Shanksville, Pennsylvania

10.28 Uhr Ortszeit (16.28 Uhr MESZ)
WTC-Nordturm stürzt ein

Fotostrecke

11. September 2001: Der Tag des Schreckens

Foto: AP

Im Weißen Haus in Washington gab es ebenfalls eine Schweigeminute, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Danach besuchte US-Präsident Barack Obama zusammen mit US-Verteidigungsminister Ashton Carter eine Gedenkfeier im Pentagon und hielt dort eine Rede.

Am Flight 93 National Memorial in Shanksville gab es ebenfalls eine Gedenkveranstaltung, bei der die Namen der 40 beim Absturz getöteten Passagiere und Besatzungsmitglieder verlesen wurden.

"Fünfzehn Jahre können wie eine lange Zeit scheinen", sagte Obama bei seiner Rede am Pentagon. "Aber für die Familien, die an diesem Tag einen Teil des Herzens verloren haben, kann ich mir vorstellen, dass es wie gestern scheinen kann." Extremisten wie der "Islamische Staat" oder al-Qaida wüssten, dass sie Amerika niemals besiegen könnten - also bemühten sie sich, Angst zu verbreiten. "Als Amerikaner geben wir der Angst aber nicht nach."

Bereits am Samstag hatte Präsident Obama seine wöchentliche Radioansprache dem 15. Jahrestag der Anschläge gewidmet. Darin bezeichnete er den Tag als einen der schwärzesten in der Geschichte der USA. Die US-Gesellschaft dürfe keine Reaktionen auf solche Taten zulassen, "die das Gefüge unserer Gesellschaft erodieren lassen würden", sagte er.

Es seien "unsere Vielfalt, unser Willkommen für alle Talente, unser fairer Umgang mit jedem - ungeachtet seiner Rasse, seines Geschlechts oder Glaubens", die die USA so "großartig" und "unverwüstlich" machten.

Zur Saisoneröffnung der Nationalen Football-Liga NFL werden am Sonntag Videobotschaften von Obama und von George W. Bush ausgestrahlt, der zum Zeitpunkt der Anschläge Präsident war. Bereits am Freitag hatten die Musikkapellen der New Yorker Polizei mit Kollegen aus anderen US-Metropolen eine Parade in Manhattan veranstaltet.

Beim Einsturz der beiden Türme am World Trade Center waren 340 Feuerwehrleute und 60 Polizisten getötet worden, die nach den Einschlägen der Flugzeuge hatten helfen wollen.

Noch heute leiden etwa 75.000 Menschen körperlich und psychisch an den Folgen der Anschläge. Unter ihnen sind zahlreiche Rettungskräfte, die vor Ort krebserregenden Staub eingeatmet hatten.

chs/AFP/AP