New York Geistliche kritisieren Islam-Film in 9/11-Museum

Vor der Eröffnung des New Yorker Museums zum 11. September gibt es Streit. Religionsvertreter kritisieren einen Film, der den Islam in die Nähe des Terrorismus rücke. Und dann unterlief dem Museum auch noch eine E-Mail-Panne.

9/11-Museumsgebäude in New York: "Film beleidigt Muslime"
AP

9/11-Museumsgebäude in New York: "Film beleidigt Muslime"


New York - Das Gedenken an den 11. September 2001 sorgt für neue Auseinandersetzungen in New York. Einen Monat vor der Eröffnung des offiziellen Museums beschweren sich Vertreter der Religionsgemeinschaften über einen Film, der im Museum gezeigt werden soll.

Sie sehen den Islam zu sehr in die Nähe des Terrorismus gerückt. Unter anderem stören sich die Geistlichen an der wiederholten Verwendung der Begriffe "Islamist" und "Dschihad" in Verbindung mit dem 11. September, berichtet die "New York Times". Dabei würde nicht darauf hingewiesen, dass die Mehrzahl der Muslime friedlich sei. Es würden zu starke Parallelen zwischen den Terroristen und dem Islam gezogen.

"Die Vorführung dieses Films in seinem jetzigen Zustand würde sowohl Muslime vor Ort als auch jeden muslimischen Museumsbesucher beleidigen", sagte der Iman einer Moschee in Manhattan, Scheich Mustafa Elazabawi, der "Times". Auch Vertreter der Kirche kritisierten, dass der Film nicht deutlicher zwischen Muslimen und al-Qaida unterscheide.

Konkret geht es um einen siebenminütigen Film über den "Aufstieg von al-Qaida", der vom NBC-Newsanchor Brian Williams gesprochen wird. Der Film ist bislang nur wenigen Gruppen gezeigt worden. Selbst bei der "New York Times", die ausführlich über den Fall berichtet, hat noch niemand das Werk gesehen.

Zuletzt wurde der Film einer "interreligiösen Beratergruppe" von Vertretern der verschiedenen Religionen gezeigt. Die verlangte daraufhin Änderungen, doch das Museum sträubt sich: Man wolle an dem Film festhalten, er sei durch Forscher zu Islam und Terror abgenommen worden.

Museum streicht Begriff "islamischer Terrorismus" von Website

Am Montag bat die "interreligiöse Beratergruppe" die Museumsdirektoren in einem formellen Schreiben per E-Mail erneut um Änderungen. Das Museum antwortete umgehend, wenn auch unabsichtlich: Eine E-Mail eines Museumsdirektors, die an seine Kollegen bestimmt war, landete auch bei den Absendern. "Eine Antwort fällt nicht schwer, falls eine Antwort überhaupt nötig ist", heißt es zum Protest der Gruppe.

Zu den wenigen, die den Film tatsächlich gesehen haben, gehören auch Angehörige der 9/11-Opfer und der Strafverfolgungsbehörden. Auch diese hätten Bedenken geäußert, berichtet die "Times". Aus diesem Grund sei der Film nun der Gruppe der Religionsvertreter überhaupt gezeigt worden.

Es ist nicht die erste Kontroverse rund um die Darstellung des Islam im 9/11-Museum, das am 21. Mai eröffnet wird. Vor kurzem erst strich das Museum den Begriff "islamischer Terrorismus" von seiner Website. Rund hundert Wissenschaftler hatten das gefordert - auch sie sahen eine unzulässige Verknüpfung der Religion und des Terrors.

fab

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