In Guatanamo Prozess gegen 9/11-Angeklagte soll offenbar 2021 beginnen

Im US-Haftlager in Guantanamo soll 2021 der Prozess gegen fünf mutmaßliche Verschwörer der Terroranschläge vom 11. September 2001 beginnen. Das berichtet die "New York Times". Ihnen droht die Todesstrafe.

Archivaufnahme von Chalid Scheich Mohammed
AP

Archivaufnahme von Chalid Scheich Mohammed


Fast 20 Jahre nach dem Anschlag vom 11. September 2001 steht ein Termin für die Prozesseröffnung gegen mutmaßliche Drahtzieher des Anschlags fest.

Der Prozess gegen Chalid Scheich Mohammed, auch genannt KSM, und vier weitere Angeklagte soll am 11. Januar 2021 beginnen, meldet die "New York Times". Die Männer sollen demnach vor ein Militärgericht in Guanatamo Bay gestellt werden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Das Datum werde in einem zehnseitigen Dokument genannt, schreibt die "NYT". Darin sei auch aufgeführt, welche Unterlagen die Staatsanwaltschaft an die Verteidigung bis zum 1. Oktober übergeben muss.

Mohammed und seine vier Mitverschwörer sollen Ende der Neunzigerjahre die verheerenden Flugzeugattacken gegen die USA vorbereitet haben - Chalid Scheich Mohammed hat sich selbst damit gebrüstet.

Zu den Angeklagten gehört auch Ramsi Binalshibh. Er hatte in der sogenannten Hamburger Terrorzelle mit Mohammed Atta zusammengewohnt, dem Anführer der Todespiloten vom 11. September.

Osama Bin Laden soll von Mohammed von dem Plan erfahren und grünes Licht gegeben haben. Bereits 2008 wurde gegen die fünf Männer Anklage erhoben. Die Anklage schloss damals mit 2936 Namen, den Opfern der 9/11-Anschläge.

Den Prozess belasten Foltervorwürfe. Mohammed kam nach seiner Festnahme im März 2003 in die berüchtigte "Detention Site Cobalt" in Afghanistan. Die Folter begann "wenige Minuten" nach Mohammeds Ankunft im Lager. Das geht aus einem Bericht des US-Senats über die CIA-Foltermethoden von 2014 hervor. Demnach wurde er 183-mal dem Waterboarding unterzogen.

2006 wurde Mohammed nach Guantanamo Bay überführt. Erst dort gestand er seine Beteiligung an den 9/11-Anschlägen.

Der Prozess soll vor einer Militärkommissionen stattfinden, die unter dem früheren Präsidenten George W. Bush eigens dafür eingesetzt worden waren, um im Rahmen des "Kriegs gegen den Terror" Beschuldigte abzuurteilen. Es wäre der bislang erste Prozess vor einem dieser Sondertribunale.

Auch wenn die Militärkommissionen unter Präsident Barack Obama reformiert wurden, sind sie weiterhin stark umstritten. Denn die Rechte des Angeklagten sind im Vergleich zu ordentlichen Gerichten eingeschränkt.

Bei den Anschlägen am 11. September hatten die Terroristen Passagiermaschinen entführt und in das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington gelenkt. Eine weitere Maschine stürzte im US-Bundesstaat Pennsylvania ab.

vks

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