90-Tage-Plan Uno bereitet Nothilfe für 1,5 Millionen Syrer vor

Die humanitäre Situation in Syrien wird immer dramatischer. Die Vereinten Nationen stellen sich auf gewaltige Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung ein. Möglicherweise müssen 1,5 Millionen Menschen im Rahmen eines 90-Tage-Plans versorgt werden.

Syrer vor Bäckerei im Westen Syriens: Uno geht von 1,5 Millionen Hilfebedürftigen aus
REUTERS

Syrer vor Bäckerei im Westen Syriens: Uno geht von 1,5 Millionen Hilfebedürftigen aus


Genf - Seit fast einem Jahr tobt der Konflikt in Syrien - und die Situation der Zivilbevölkerung wird in manchen Gegenden immer verzweifelter. Während sich Diplomaten um eine politische Lösung bemühen, bereiten die Vereinten Nationen Hilfen für die Bevölkerung vor.

Lebensmittelnotrationen für 1,5 Millionen Menschen müssten für das arabische Land bereit gehalten werden, heißt es bei der Uno. Die Lagerbestände würden entsprechend aufgestockt, sagte John Ging vom Büro zur Koordinierung für humanitäre Hilfseinsätze am Donnerstag in Genf.

Die Maßnahme sei Teil eines auf 90 Tage angelegten Plans zur Unterstützung von Zivilisten, denen es wegen des anhaltenden Konflikts zwischen Syriens Präsident Baschar al-Assad und Regierungsgegnern inzwischen an den Dingen des täglichen Bedarfs mangele.

An diesem Donnerstag will Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos mit Vertretern der syrischen Regierung in der Hauptstadt Damaskus zusammenkommen. Amos werde Gesundheitsminister Wael al-Halki sowie Bildungsminister Salih al-Raschid treffen, sagte Uno-Sprecher Chaled al-Masri der Nachrichtenagentur dpa in Damaskus. "Sie wird auch den Leiter des syrischen Roten Halbmondes treffen", sagte er weiter.

Al-Masri berichtete, Amos habe am Vortag eine Stunde lang das zerstörte Viertel Bab Amr in der Stadt Homs besuchen können. Amanda Pitt, die Sprecherin von Amos, sagte, die Uno-Nothilfekoordinatorin habe die von den Oppositionellen kontrollierten Gebiete in Homs nicht aufsuchen können. Die Teile von Bab Amr, die Amos gesehen habe, seien völlig verwüstet gewesen, sagte die Sprecherin weiter.

Vizeminister läuft zur Opposition über

Die syrische Opposition begrüßte inzwischen das Überlaufen von Vize-Ölminister Abdo Hussameddin zu den Aufständischen. "Ich begrüße, dass sich der Vizeminister abgesetzt hat", sagte der Chef des Syrischen Nationalrates, Burhan Ghalioun, der Nachrichtenagentur AFP. "Ich bin mir sicher, dass andere Regierungsmitglieder und Politiker das gleiche tun werden", fügte der im französischen Exil lebende Oppositionelle hinzu. Ghalioun forderte alle Vertreter der syrischen Führung ausdrücklich auf, dem Beispiel Hussameddins zu folgen und sich der Revolution anzuschließen.

Der 57-jährige Hussameddin hatte seinen Rücktritt in der Nacht zu Donnerstag in einem auf YouTube veröffentlichten Video angekündigt und seinen Kollegen geraten, ebenfalls "das sinkende Schiff" zu verlassen. Damit war erstmals seit Beginn der Revolte vor einem Jahr ein ranghohes Mitglied der syrischen Regierung zu den Aufständischen übergelaufen.

Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan traf derweil in Kairo mit dem ägyptischen Außenminister Mohammed Amr zusammen. Amr sagte, in Syrien müsse ein Dialog zwischen der Regierung und verschiedenen anderen Akteuren stattfinden, um das Blutvergießen zu beenden.

Nach Angaben der Uno sind seit Beginn des syrischen Volksaufstands im März 2011 mehr als 7500 Menschen getötet worden. Aktivisten gehen von mehr als 8000 Toten aus.

jok/phw/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DerGerät 08.03.2012
1. Selber schwächen, dann 'helfen'
Erst drastische, wirtschaftliche Sanktionen , die die ganze Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zieht, verhängen und dann ankommen mit der Behauptung 'Wir müssen der notleidenden Syrischen Bevölkerung helfen'. Was läuft hier falsch? Was?
Atheist_Crusader 08.03.2012
2.
Zitat von DerGerätErst drastische, wirtschaftliche Sanktionen , die die ganze Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zieht, verhängen und dann ankommen mit der Behauptung 'Wir müssen der notleidenden Syrischen Bevölkerung helfen'. Was läuft hier falsch? Was?
Im Grunde genommen schreibt man Syrien vor, was es mit seinem Geld anstellen darf... Abgesehen davon: Syrien steht immer noch auf den Hinterbeinen (und das wird sich wohl auch nicht ändern) und kann selbst kontrollieren, wo die Nothilfe hingelangt und wo nicht.
thueringenomsker 08.03.2012
3. Dieser....
Zitat von sysopREUTERSDie humanitäre Situation in Syrien wird immer dramatischer. Die Vereinten Nationen stellen sich auf gewaltige Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung vor. Möglicherweise müssen 1,5 Millionen Menschen im Rahmen eines 90-Tage-Plans versorgt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820112,00.html
-Der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan traf derweil in Kairo mit dem ägyptischen Außenminister Mohammed Amr zusammen. Amr sagte, in Syrien müsse ein Dialog zwischen der Regierung und verschiedenen anderen Akteuren stattfinden, um das Blutvergießen zu beenden- Satz trifft den Nagel auf den Kopf! Sofortige Waffenruhe und Alle Beteiligten an einen Runden Tisch! Und nicht, wie es so einige im Westen wollen, die Rebellen mit immer mehr Waffen auszuruesten um die Regierung von Assad gewaltsam zu stuerzen! Assad hat den Rebellen schon mehrmals Gespraeche ohne Vorbedingungen angeboten, aber von deren Seite kommt nur ein NEIN!! Weil sie sich wahrscheinlich immer noch darauf verlassen, das es eine "Lybien-Loesung" in Syrien gibt! Aber an einer freidlichen Loesung ist dem Westen, SA, Katar ja nichts gelegen! Sie wollen mit ALLEN Mitteln einen Change in Syrien! Aber diesmal hat sich der Westen verrechnet! Russland und China werden eine weitere "Lybien-Loesung" nicht zulassen! Und damit verhindern sie, das wieder tausende von unschuldigen Menschen Opfer der Machtpolitik des Westens/SA/Katar werden!
freiheitsk 08.03.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSDie humanitäre Situation in Syrien wird immer dramatischer. Die Vereinten Nationen stellen sich auf gewaltige Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung vor. Möglicherweise müssen 1,5 Millionen Menschen im Rahmen eines 90-Tage-Plans versorgt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820112,00.html
Da weiß die UN anscheinend mehr als die syrische Bevölkerung selbst.
leser_81 08.03.2012
5. Genau so
Zitat von DerGerätErst drastische, wirtschaftliche Sanktionen , die die ganze Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zieht, verhängen und dann ankommen mit der Behauptung 'Wir müssen der notleidenden Syrischen Bevölkerung helfen'. Was läuft hier falsch? Was?
Genauso ist es ! Das war auch damals das Problem im IRAK. Hier wurden viele Sanktionen verhängt und zum Schluss hat es immer das normale Volk getroffen. Auch dort sind durch Saktionen tausende Kinder, kranke und schwache Menschen gestorben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.