Ausbildungsmission im Irak Raketen auf Bundeswehr-Camp bei Bagdad abgefeuert

Die Sicherheitslage im Irak wird immer bedrohlicher. In der Nacht zum Sonntag schlugen drei Raketen im Camp Taji ein, dort sind auch rund 60 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Ein deutscher Soldat bei der Sicherung des Camp Taji (Archivbild)
Kay Nietfeld/ DPA

Ein deutscher Soldat bei der Sicherung des Camp Taji (Archivbild)

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Im Irak ist nahe Bagdad erneut ein Militärcamp attackiert worden, in dem neben amerikanischen Ausbildern auch die Bundeswehr stationiert ist. Nach SPIEGEL-Informationen aus Militärkreisen waren in der Nacht zum Sonntag gegen zwei Uhr morgens insgesamt sechs Mörsergeschosse auf das weitläufige Camp Taji nördlich von Bagdad abgefeuert worden, drei davon schlugen im Lager ein. Laut einer ersten internen Lagemeldung entstand nur Sachschaden, die deutschen Soldaten hingegen seien wohlauf.

Der Angriff illustriert erneut die fragile Sicherheitslage im Irak, wo die Bundeswehr mit einem Kontingent von gut 60 Soldatinnen und Soldaten die lokale Armee ausbildet. So war das Lager in Taji, etwa eine Autostunde nördlich von Bagdad, bereits im Juni mit Raketen beschossen worden. In dem weitläufigen Lager sind mehrere irakische Militäreinheiten stationiert. Die Trainer aus verschiedenen anderen Nationen sitzen in einem abgetrennten Bereich, der von einer privaten Firma kontrolliert abgesichert wird.

Grundsätzlich gilt die Situation rund um Bagdad zwar als kontrollierbar, die deutschen Soldaten verlassen Camp Taji trotzdem nur selten. Selbst im Feldlager, über dem Tag und Nacht ein Überwachungs-Zeppelin mit einer Wärmebildkamera schwebt, bewegen sie sich nur in schwer gepanzerten Jeeps. Jeder Ausbilder hat zudem eine schwer bewaffnete Schutzeinheit bei sich, die sogenannte Force Protection macht letztlich den größten Anteil des deutschen Kontingents aus.

Mützenich zeigt sich wieder gesprächsbereit

Der Bundeswehreinsatz im Irak steht in der Diskussion. Ende Oktober läuft das Mandat für die Trainingsmission bei Bagdad und im Norden des Landes aus, das gilt auch für die in Jordanien stationierten "Tornado"-Jets der Luftwaffe. Zwar würde die Regierung das Mandat für das deutsche Engagement gerne verlängern. Die SPD indes pochte bisher auf das Versprechen der früheren Verteidigungsministerin von der Leyen, dass ab 2019 andere Nationen die deutschen Aufgaben übernähmen.

Die Zeit für ein neues Mandat wird knapp, schon in den kommenden Wochen muss die Regierung einen Entwurf vorlegen. Ziemlich überraschend zeigte sich der kommissarische Fraktionschef Rolf Mützenich aktuell wieder gesprächsbereit. Mützenich hatte zuletzt in einem SPIEGEL-Interview sehr klar gemacht, dass es mit der SPD eine Verlängerung der Bundeswehr-Mission nicht geben werde. Nun sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er sei offen für eine Diskussion und werde sich alle Argumente anhören.

Am Samstag war das Bundeswehr-Lager im nordafghanischen Kundus beschossen worden. Das zunächst nicht näher identifizierte Geschoss schlug am Morgen auf dem Gelände nahe dem Stadtgebiet ein, ohne jemanden zu treffen oder zu verletzen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mitteilte.



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