Kämpfe in Nordsyrien Tote und Verletzte bei Autobomben-Explosion

Bei der Explosion einer Autobombe in der syrischen Stadt Tall Abjad wurden mindestens 15 Menschen getötet, viele erlitten Verletzungen. Die Türkei will unterdessen gefangene IS-Kämpfer zurück in ihre Heimatländer schicken.

Ein Syrer birgt sein Motorrad nach der Explosion in Tall Abjad: Mindestens 15 Menschen kamen ums Leben
Bakr AlkasemAFP

Ein Syrer birgt sein Motorrad nach der Explosion in Tall Abjad: Mindestens 15 Menschen kamen ums Leben


Die Explosion habe sich laut übereinstimmenden Agenturberichten am Samstag im Zentrum der Stadt vor einer Tankstelle ereignet. Tall Abjad liegt im Norden Syriens, unmittelbar an der Grenze zur Türkei. Mindestens 15 Menschen kamen ums Leben, mehr als 30 wurden verletzt, berichtet dpa unter Berufung auf medizinische Kräfte. Die Verletzten seien in nahe gelegene türkische Krankenhäuser gebracht worden, weil die Kapazitäten vor Ort nicht ausreichten, sie zu behandeln.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind pro-türkische Kämpfer und Zivilisten unter den Opfern. Die Bombe soll in einem Auto explodiert sein. Tall Abjad war zuletzt Schauplatz heftiger Kämpfe nach dem Einmarsch der türkischen Truppen in Nordsyrien. In der vergangenen Woche hatte es bereits mehrere Explosionen von Autobomben in Orten in der Umgebung gegeben.

Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar. Die Türkei machte am Samstag die Kurdenmiliz YPG und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für die Tat verantwortlich. Das türkische Militär war Anfang Oktober zusammen mit verbündeten Rebellen in Tall Abjad und anderen Städten in der Region einmarschiert und hatte die Kurdenmiliz aus der Gegend zurückgedrängt.

Dabei nahmen die türkischen Truppen auch Angehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fest. Die gefangen genommenen Kämpfer, die offenbar zum großen Teil aus europäischen Ländern rekrutiert wurden, will Ankara nun in ihre Heimatländer zurückschicken. "Wir sind für niemandes IS-Mitglieder ein Hotel", sagte Innenminister Süleyman Soylu am Samstag.

Soylu kritisierte, dass mehrere europäische Staaten IS-Verdächtigen die Staatsangehörigkeit entzogen hätten. Das sei "inakzeptabel und unverantwortlich", so der türkische Politiker. Einige der Gefangenen aus der Nordsyrien-Offensive stammten aus Großbritannien und den Niederlanden. Diese Länder machten es sich auf diese Weise zu einfach, so Soylu.

Konkrete Zahlen, um wie viele IS-Kämpfer es handele, nannte er nicht. Die Islamisten waren im Zuge der Kämpfe im Grenzgebiet zur Türkei offenbar aus syrischen Gefängnislagern geflohen und von türkischen Militärs gefasst worden. Die Lager waren zuvor von dem von der YPG geführten Rebellenallianz SDF bewacht worden.

bor/dpa/Reuters

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