Frankreich wählt Volksabstimmung gegen
Rassist Le Pen

Als klarer Favorit bei den heutigen Präsidentschaftswahlen in Frankreich gilt Amtsinhaber Jacques Chirac. Doch auch wenn dem rechtsextremistischen Herausforderer Jean-Marie Le Pen nur geringe Chancen zugestanden werden, könnte er aus der Entscheidung deutlich gestärkt hervorgehen.


Paris - 41 Millionen Franzosen sind am Sonntag aufgerufen, ihren neuen Präsidenten zu wählen. Dabei wird der Neogaullist Chirac in der Stichwahl von einem bisher nie da gewesenen Bündnis unter Einschluss von Kommunisten, Sozialisten und Grünen gestützt. Nach Umfrage kann er mit bis zu drei Viertel der Stimmen rechnen. Doch Analysten warnen, sollte Le Pen mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen bekommen, ginge er gestärkt in die im Juni anstehenden Wahl zur Nationalversammlung.

Von maßgeblicher Bedeutung für das Ergebnis wird voraussichtlich die Wahlbeteiligung sein, die vor zwei Wochen so niedrig wie noch nie war. Im ersten Urnengang hatten 28 Prozent nicht abgestimmt, jeder dritte Franzose wählte Extremisten des linken und rechten Parteienspektrums.

Mit einem Ergebnis von 16,9 Prozent hatte Le Pen im ersten Wahlgang vor zwei Wochen den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin aus dem Rennen geworfen. Chirac erzielte 19,9 Prozent. Nach dem überraschenden Erfolg Le Pens kam es überall in Land zu Massendemonstrationen. Die größte Kundgebung gegen den Rechstpopulisten fand am 1. Mai mit 1,3 Millionen Menschen in Paris statt.

Der neue Präsident wird erstmals nur für fünf Jahre statt wie bisher für sieben Jahre gewählt. Er dürfte bereits am Montag einen neuen Regierungschef ernennen.

Die Wahllokale schließen am Sonntag in den großen Städten um 20 Uhr. SPIEGEL ONLINE wird über die Ergebnisse direkt im Anschluss berichten.



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