Fall A$AP Rocky Schweden reagiert zurückhaltend auf Trump-Kritik

Wegen des Vorwurfs der Körperverletzung hat die schwedische Justiz den US-amerikanischen Musiker A$AP Rocky inhaftiert. Donald Trump fordert vehement dessen Freilassung - in Stockholm zeigt das wenig Wirkung.

Schwedens Regierungschef Stefan Löfven
Anders Wiklund / dpa

Schwedens Regierungschef Stefan Löfven


"Wir machen so viel für Schweden, aber umgekehrt scheint das nicht zu funktionieren": Mit diesen Worten meldete sich US-Präsident Donald Trump im Fall des in Schweden inhaftieren US-Rappers A$AP Rocky persönlich zu Wort - offenbar um den Druck für dessen Freilassung zu erhöhen. Die schwedische Regierung lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Ein Sprecher von Regierungschef Stefan Löfven verwies auf vorherige Aussagen des Ministerpräsidenten in dem Fall. Dieser habe sehr deutlich gemacht, "dass in Schweden alle vor dem Gesetz gleich sind und sich die Regierung nicht in ein laufendes Rechtsverfahren einmischen kann", sagte der Sprecher dem Fernsehsender SVT.

Schwedens US-Botschafterin Karin Olofsdotter wies ebenfalls auf die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz hin. "In Schweden ist jeder vor dem Gesetz gleich. Die Regierung ist nicht befugt und wird nicht versuchen, sich in Gerichtsverfahren einzumischen", schrieb sie auf Twitter.

Der frühere schwedische Ministerpräsident und Ex-Außenminister Carl Bildt schlug in dieselbe Kerbe. Das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gelte für jeden und liege einer unabhängigen Justiz eben zugrunde, twitterte Bildt. "So ist es in den USA, und so ist es gewiss in Schweden. Politische Einmischung in den Prozess ist eindeutig verboten! Klar?"

A$AP Rocky
REUTERS/Andrew Burton

A$AP Rocky

A$AP Rocky war vor rund vier Wochen in Stockholm in eine gewalttätige Auseinandersetzung verwickelt gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Anklage wegen Körperverletzung gegen den 30 Jahre alten US-Musiker und zwei Begleiter erhoben. Die Gerichtsverhandlung soll bereits am kommenden Dienstag beginnen.

Trump hatte wegen der Personalie am Wochenende mit Löfven telefoniert. Dieser wies ihn dabei auf die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz hin. Kritiker wittern hinter Trumps Einsatz in dem Fall den Versuch, sich bei afroamerikanischen Wählern beliebter zu machen.

Nach Erhebung der Anklage kritisierte Trump die schwedische Regierung. Er sei "sehr enttäuscht" von Löfven wegen dessen Handlungsunfähigkeit, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter. "Schweden hat unsere afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen", fügte er an.

mho/dpa



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