Fall A$AP Rocky Trump attackiert Schweden wegen inhaftierten Rappers

"Wir machen so viel für Schweden, aber umgekehrt scheint das nicht zu funktionieren": Donald Trump hat die Regierung in Stockholm angegriffen. Diese weigert sich, den angeklagten Musiker A$AP Rocky einfach freizulassen.

Donald Trump: Harte Worte in Richtung Schweden
Alex Brandon/ AP

Donald Trump: Harte Worte in Richtung Schweden


Der Fall des in Schweden inhaftierten US-Rappers A$AP Rocky sorgt für diplomatische Spannungen zwischen Stockholm und Washington. Präsident Donald Trump hat nun die Regierung des skandinavischen Landes kritisiert. Er sei "sehr enttäuscht" von Ministerpräsident Stefan Löfven wegen dessen Handlungsunfähigkeit, schrieb Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter. "Schweden hat unsere afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen", fügte er hinzu.

Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Anklage wegen Körperverletzung gegen A$AP Rocky, bürgerlich Rakim Athelaston Mayers, sowie zwei seiner Begleiter erhoben. Die Gerichtsverhandlung soll bereits am kommenden Dienstag beginnen.

Trump hatte wegen der Personalie am Wochenende mit Löfven telefoniert. Dieser wies ihn dabei auf die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz hin. Kritiker wittern hinter Trumps Einsatz in dem Fall den Versuch, sich bei afroamerikanischen Wählern beliebter zu machen.

Der 30 Jahre alte Musiker war nach einem Auftritt auf dem Stockholmer "Smash"-Festival festgenommen worden, weil er einige Tage zuvor auf offener Straße einen Mann zusammengeschlagen haben soll. Die Schlägerei wurde in einem Video festgehalten, das Mayers belastet. Seinem Entschluss zur Anklage liege aber auch weiteres Material zugrunde, erklärte Staatsanwalt Daniel Suneson.

In dem zuerst vom Promi-Portal TMZ.com veröffentlichten Video ist zu sehen, wie der Rapper einen jungen Mann zu Boden wirft und anschließend zusammen mit seinen Begleitern auf ihn einprügelt. Der Musiker selbst gab an, von zwei Männern verfolgt worden zu sein und sich lediglich selbst verteidigt zu haben. Um das zu untermauern, stellte er selbst Aufnahmen auf Instagram, die zeigen sollen, wie sein Team von den Männern provoziert wurde.

Rakim Athelaston Mayers, alias A$AP Rocky: Ärger in Schweden
REUTERS/Andrew Burton

Rakim Athelaston Mayers, alias A$AP Rocky: Ärger in Schweden

Trump schrieb am Donnerstag auf Twitter, er habe Aufnahmen gesehen, die zeigten, dass Mayers von "Unruhestiftern" verfolgt und bedrängt worden sei. "Behandelt Amerikaner fair!", forderte der US-Präsident. Der Rapper müsse seine Freiheit zurückbekommen. "Wir machen so viel für Schweden, aber umgekehrt scheint das nicht zu funktionieren. Schweden sollte sich auf sein echtes Kriminalitätsproblem konzentrieren!", erklärte er.

Rechtsvertreter spricht von Provokation

Mayers Anwalt Slobodan Jovicic sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm, der Musiker räume ein, den Mann bei der Auseinandersetzung zu Boden geworfen zu haben, auf dessen Arm getreten zu sein und ihn geschubst zu haben. Er habe dabei aber auf die Provokationen des Kontrahenten reagiert. Dieser und ein weiterer Mann hätten seinen Klienten verfolgt, sich aggressiv verhalten und seinen Bodyguard angegriffen.

Der Fall des Rappers hat in den vergangenen Wochen international für Aufregung gesorgt. Stars wie Reality-TV-Persönlichkeit Kim Kardashian und Popsänger Justin Bieber waren A$AP Rocky zur Seite gesprungen und hatten seine Freilassung gefordert. Kardashian hatte sich bei Trump im vergangenen Jahr auch für die Verkürzung einer lebenslangen Haftstrafe einer Frau eingesetzt, die in den Neunzigerjahren im Zusammenhang mit Drogendelikten verurteilt worden war. Der Präsident gab der Haftverkürzung statt, die Frau wurde freigelassen.

jok/dpa

insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sibbi78 26.07.2019
1. Anstatt sich ernsthaft mit Weltpolitik zu beschäftigen...
Zu dem Typ fällt mir nichts mehr ein. Wahlkampfgesudele der aller untersten Schublade. Eines Reality-Moderators unwürdig - von der Hauptrolle als POTUS wollen wir gar nicht erst reden. Nur noch peinich, peinlich, peinlich...
tommirf 26.07.2019
2. Aber den Assange
den will er unbedingt sofort haben...
HanzWachner 26.07.2019
3. Dass Trump sich ...
in diese Sache einmischt zeigt wieder einmal, wie irre dieser Mensch ist. Er nutzt sein Amt dazu, sich über alle juristischen, politischen und diplomatischen Grundsätze hinweg zu setzen. Jetzt hat er Schweden auf dem Kieker wegen einem Rapper, das ist nur noch merkwürdig, um nicht zu sagen pathologisch.
LapOfGods 26.07.2019
4.
Hat er schon Sanktionen und Strafzölle gegen Schweden angedroht? Oder erfolgen die unangekündigt?
urmedanwalt 26.07.2019
5. Von einer unabhängigen Justiz
hat der Rambo im Weißen Haus noch nichts gehört. Was ein arroganter De**!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.