Abbas trifft Scharon "Jeder Tag ohne eine Vereinbarung ist ein verlorener Tag"

Selten gaben sich Ariel Scharon und Mahmud Abbas so optimistisch. Die Chance für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern sei groß, betonten beide Ministerpräsidenten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Jerusalem. Scharon sagte, er sei bereit einen "schmerzlichen Preis" für den Frieden zu bezahlen.


Abbas und Scharon: Einmütig für den Frieden?
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Abbas und Scharon: Einmütig für den Frieden?

Jerusalem - Der israelische Premier sagte, Israel wolle die Palästinenser nicht regieren oder ihre Zukunft bestimmen, machte jedoch gleichzeitig deutlich, dass es keinen Frieden geben könne, solange der palästinensische Terror weitergehe. Die Möglichkeit für eine bessere Zukunft beider Völker "ist heute größer als in der Vergangenheit", sagte Scharon.

Israels erste Priorität sei weiterhin die Sicherheit, unterstrich Scharon. Bei der Sicherheit würde er keine Kompromisse eingehen. Israel werde den Terrorismus weiterhin entschieden bekämpfen.

Abbas unterstrich seinerseits, dass die Palästinenser den Konflikt mit Israel beenden wollten. Der einzige Weg dahin seien Dialog und Verhandlungen. Tötungen und Zerstörungen brächten nur Hass und Feindschaft.

Der einzige Weg zur Beendigung des Konflikts seien Dialog und Verhandlungen, sagte Abbas. Jeder Tag ohne eine Vereinbarung mit Israel sei ein verlorener Tag. Abbas nannte den israelischen Rückzug aus autonomen Palästinensergebieten im nördlichen Gazastreifen am Sonntag "einen wichtigen Schritt". Darauf müssten Abzüge aus anderen besetzten palästinensischen Orten und Städten folgen.

Es war das erste Treffen der beiden seit dem Nahostgipfel im jordanischen Badeort Akaba mit US-Präsident George W. Bush am 4. Juni. An dem Treffen nahmen auch der palästinensische Sicherheitschef Mohammed Dachlan und der israelische Verteidigungsminister Mofas teil.

Bei dem Gespräch ging es um die weitere Umsetzung des von den USA, Russland, der EU und den Vereinten Nationen vorgelegten internationalen Nahost-Friedensplans gehen. Der von den Vereinten Nationen, der Europäischen Union, den USA und Russland ausgearbeitete Friedensplan sieht ein Ende der Gewalt beider Seiten vor und stellt den Palästinensern einen eigenen Staat bis 2005 in Aussicht.

Mehrere israelfeindliche Gruppen, darunter die Hamas und der Islamische Dschihad, hatten am Sonntag einem dreimonatigen Gewaltverzicht zugestimmt, der als eine Voraussetzung für die Umsetzung des Friedensplans gilt. Eine Untergruppe der al-Aksa-Brigaden, die der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nahe steht, brachte ihre Ablehnung des Waffenstillstands jedoch schon gestern mit einem Anschlag zum Ausdruck, bei dem im Westjordanland ein bulgarischer Straßenarbeiter getötet wurde. Die Attentäter sind nach den Worten von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat aber bereits festgenommen worden.

Nur wenige Stunden vor dem Treffen zwischen Abbas und Scharon griff ein Palästinenser israelische Soldaten im Westjordanland an. Er habe mit einer Pistole das Feuer auf die Soldaten eröffnet und sei von ihnen erschossen worden, sagte ein Armeesprecher. Weitere Opfer habe es nicht gegeben.



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