Aufruhr in Moskaus Protektorat Demonstranten stürmen Präsidentenpalast in Abchasien

Unruhe an Russlands Südgrenze: Nach Massendemonstrationen haben Regierungsgegner den Palast des Präsidenten in der Hauptstadt Suchum gestürmt. Die Opposition in Abchasien will die Macht übernehmen.
Demonstranten in Suchum: Die Opposition fordert den Rücktritt der Regierung

Demonstranten in Suchum: Die Opposition fordert den Rücktritt der Regierung

Foto: IBRAGIM CHKADUA/ AFP

Moskau/Suchum - Zwischen 5000 und 10.000 Demonstranten - je nach Schätzung - zogen am Dienstag vor den Palast von Präsident Alexander Ankwab in Suchum. Sie forderten den Rücktritt der als korrupt verschrienen Führung von Abchasien, dann stürmten sie das Gebäude.

Einer der Oppositionsführer, Raul Chadschimba, erklärte, man werde die Regierungsgeschäfte übernehmen, zumindest "zeitweilig". Ankwab ist seit 2011 Präsident von Abchasien, einem winzigen Landstrich am Schwarzen Meer, der heute nur noch rund 240.000 Einwohner zählt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte sich das Gebiet für unabhängig von Georgien erklärt. Die Folge war ein von beiden Seiten brutal geführter Krieg zwischen Abchasien und der georgischen Zentralregierung in Tiflis. Rund 8000 Menschen starben, 250.000 wurden vertrieben.

Abchasien steht unter dem Schutz russischer Truppen. Nach dem Fünf-Tage-Krieg im August 2008 hat Moskau die "Republik Abchasien" anerkannt, allerdings als einziger Staat mit internationalem Gewicht.

Internationale Isolation schadet Wirtschaft

Die Unzufriedenheit war in Abchasien über Jahre gewachsen. Die Schwarzmeerküste und die Berglandschaften machten Abchasien zu Sowjetzeiten zu einem Urlauberparadies, außer russischen Touristen meiden internationale Besucher das Gebiet heute aber.

Die internationale Isolation schadet der Wirtschaft, zwei Drittel des Staatsbudgets stammen aus russischen Mitteln. Die Korruption grassiert, Präsident Ankwab werden Verbindungen zu russischen Mafia nachgesagt. "Unser Präsident führt sich auf wie ein Zar", klagt etwa Witali Gabnia, Chef des abchasischen Veteranen-Verbands. Ankwab treibe das Land in den Bankrott.

Der Zorn der Abchasen auf ihren Präsidenten hat nationalistische Untertöne. Ankwab pflegte gute Beziehungen zu ethnischen Georgiern, die in Gali leben, einer von Abchasen kontrollierten Stadt. Ankwab hatte abchasische Pässe an Gali-Georgier ausgegeben, Oppositionsgruppen verdammten das als Gefährdung der "abchasischen Souveränität".

Nach Oppositionsangaben soll Ankwab die Hauptstadt Suchum verlassen haben. Der Präsident selbst bestreitet das, er spricht vom Versuch eines "bewaffneten Umsturzes". Die Chefs der Sicherheitsbehörden erklärten, sie stünden loyal zum "gewählten Präsidenten des Landes".

beb
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