Ertrunkener Flüchtlingsjunge Vater von Alan Kurdi will sich bei Sea-Eye engagieren

Mit drei Jahren ertrank Alan Kurdi im Mittelmeer. Das Foto des Leichnams am Strand ging 2015 um die Welt. Jetzt kündigt Alans Vater Abdullah an, eine deutsche Hilfsorganisation unterstützen zu wollen.

Abdullah Kurdi: Der Syrer will Sea-Eye bei der Seenotrettung unterstützen
Jaime Reina/ AFP

Abdullah Kurdi: Der Syrer will Sea-Eye bei der Seenotrettung unterstützen


Der Vater des 2015 ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi will die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye unterstützen. Er wolle mit der nach seinem Sohn benannten "Alan Kurdi" in See stechen, sagte Abdullah Kurdi (45) der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" in einem Interview.

Abdullah Kurdi habe sich tatsächlich für ein Engagement bei den Seenotrettern beworben, bestätigte ein Sprecher von Sea-Eye, man stehe mit ihm in Kontakt. Das Foto vom Leichnam des damals dreijährigen Alan an einem türkischen Strand hatte weltweit für Erschütterung gesorgt und war zum Symbol für die Flüchtlingskrise geworden.

Türkischer Polizist mit der Leiche von Alan Kurdi, 2015: Weltweite Anteilnahme
DHA/ AP

Türkischer Polizist mit der Leiche von Alan Kurdi, 2015: Weltweite Anteilnahme

Es sei "sehr interessant" und eine "hervorragende Idee", wenn sich Menschen für die Rettungsaktionen interessierten, sagte der Sea-Eye-Sprecher. Ob Abdullah Kurdi tatsächlich auf der "Alan Kurdi" eingesetzt wird, hänge indessen von mehreren Faktoren wie Visa-Fragen und der Ausbildung ab.

Zwei Söhne und die Frau verloren

Abdullah Kurdi hatte 2015 Schlepper bezahlt, damit sie ihn und seine Familie aus der Türkei nach Griechenland bringen. Zuvor hatten die türkischen Behörden der Familie Ausreise-Visa für Kanada verwehrt, wo sie Verwandtschaft hatte. Das Schlauchboot der Familie Kurdi sank bei rauer See. Bei dem Unglück waren auch Alans Bruder Ghalib und Abdullah Kurdis Ehefrau Rehanna ums Leben gekommen.

Er freue sich über das nach seinem Sohn benannte Schiff, sagte Abdullah Kurdi nun. Kurdi hat nach dem Bootsunglück vor vier Jahren wieder geheiratet und erwartet nun mit seiner neuen Frau ein weiteres Kind. "Sobald mein Sohn geboren ist, werde ich auf das Schiff gehen, um Migranten zu retten. Ich will ihnen die Hilfe geben, die ich nicht bekommen habe", sagte er "La Repubblica". Kurdi lebt nach eigenen Angaben inzwischen in Erbil im kurdischen Teil Iraks und leitet dort eine Hilfsorganisation für Kinder in Flüchtlingslagern.

Die "Alan Kurdi" von Sea-Eye hatte ihre Rettungsmission vor Malta am 10. September beendet. Derzeit liegt das Schiff im Hafen von Burriana in Spanien. Die Hilfsorganisation will ihre Mission am 12. Oktober fortsetzen, wartet aber noch auf die nötigen finanziellen Mittel.

mbö/dpa/AFP



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