Abgefangener Brief USA berichten über Streit in Qaida-Führung

Im Terrornetzwerk al-Qaida ist nach Darstellung der USA Streit über das Vorgehen im Irak ausgebrochen. Das gehe aus einem Brief des Vizechefs der Qaida an deren Anführer im Irak hervor. Genauere Angaben zu dem Schreiben machte die US-Regierung allerdings nicht.


Washington - Der Vizechef der Terror-Organisation und Stellvertreter Osama Bin Ladens, Eiman al-Sawahiri, habe in dem Brief an den Qaida-Anführer im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, Anschläge auf Moscheen und schiitische Moslems kritisiert, erklärte die US-Regierung in Washington. Das Vorgehen könnte die meisten Moslems befremden, habe al-Sawahiri bemängelt. Er habe zudem ein Gesuch al-Sarkawis nach finanzieller Unterstützung abgelehnt. Der Inhalt des Briefes stütze Vermutungen der US-Regierung. Diese hatte die Kriegserklärung al-Sarkawis gegenüber schiitischen Muslime im September als möglichen Streitfall innerhalb al-Qaidas gedeutet. In dem Brief würden nach US-Angaben auch Pläne diskutiert, die USA zu einem Abzug ihrer Truppen zu zwingen, einen islamischen Staat im Irak zu errichten und den Krieg in die benachbarten Staaten zu tragen.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, wollte nicht sagen, von wann der Brief stammt und wie die USA in seinen Besitz gelangt sind. Der Brief sei aktuell und das Pentagon sei von dessen Echtheit überzeugt, sagte Whitman lediglich. Er weigerte sich auch, den Brief zu zeigen. Auch auf die Frage, ob der irakische Qaida-Chef reagiert habe, gab es keine Antwort. Geheimdienstinformationen zufolge kommunizieren al-Sarkawi und die Qaida-Führung über Kuriere, die oft Wochen zwischen Afghanistan und dem Irak unterwegs sind.

Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf hochrangige US-Beamte, der Brief umfasse etwa 6000 Worte und sei vermutlich in der Zeit um die Terroranschläge ein London vom 7. Juli geschrieben worden. Die Entscheidung, die Existenz des Schreibens zu bestätigen, habe das Pentagon erst getroffen, nachdem eine unvollständige und ungenaue Version an verschiedene Medien durchgesickert sei.

Nachdem die irakischen Qaida-Extremisten den Schiiten den Krieg erklärt hatten, starben im September allein innerhalb einer Woche mehr als 250 Menschen durch Anschläge. Die Furcht vor weiteren Anschlägen besonders bei religiösen Feiern ist seitdem stark gestiegen.

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