Nulands Fluch-Telefonat Ukraine weist Verantwortung für Mitschnitt zurück

Die Diplomatin Victoria Nuland wetterte am Telefon gegen die Ukraine-Politik der EU. Ihr "Fuck the EU" sorgt international für Wirbel. Wer aber schnitt das Telefonat der Amerikanerin mit? Die Ukraine will nichts mit der Abhör-Aktion zu tun haben.
Nuland mit ukrainischen Oppositionspolitikern: Frage der Schuld

Nuland mit ukrainischen Oppositionspolitikern: Frage der Schuld

Foto: ANDREW KRAVCHENKO/ AFP

Kiew - Die Empörung ist groß, in Europa und den USA - allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Während man sich in Europa über die offensichtliche Geringschätzung der US-Diplomatin Victoria Nuland echauffiert, ist man in den USA entsetzt über die mangelnde Verschlüsselungssicherheit - und die Nachlässigkeit, die Nuland, für Europafragen zuständige Abteilungsleiterin im Außenministerium, walten ließ.

Neben der sicherheitspolitischen Nabelschau der Amerikaner und dem Beleidigtsein der Europäer gibt es noch eine dritte Frage, die das Telefonat, in dem der Satz "Fuck the EU" fiel, aufwirft: Wer ist für den Mitschnitt des Gesprächs und seine Veröffentlichung verantwortlich? Wer hat den USA die Misere eingebrockt?

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nun eine Beteiligung am Lauschangriff zurückgewiesen. Man habe "in keiner Weise an der Veröffentlichung des Materials mitgewirkt", sagte Behördensprecherin Lada Safonowa. "Die Ermittler des Sicherheitsdienstes der Ukraine führen keine Untersuchungen zu dem Vorfall durch", fügte Abteilungsleiter Maxim Lenko hinzu.

"Der Ton war sehr klar"

Nuland hatte in dem Telefongespräch auch gesagt, dass der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko für ein Regierungsamt ungeeignet sei. Das Telefonat war im Internet veröffentlicht worden. Die USA beschuldigen Russland, hinter der Veröffentlichung zu stehen. Eine Sprecherin von Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Äußerung von Nuland als "absolut unakzeptabel".

Nuland selbst sagte vor Journalisten in Kiew: "Es war ziemlich eindrucksvolle Spionagearbeit. Der Ton war sehr klar." Die Aufnahme könnte zusammengeschnitten sein, um einer bestimmten Agenda Vorschub zu leisten. Dass eine Agenda dahintersteckt, legt ein zweiter, in diesem Zusammenhang ebenfalls auf YouTube publizierter Mitschnitt nahe. In dem beklagt sich die stellvertretende EU-Außenbeauftragte Helga Schmid beim EU-Botschafter in der Ukraine, Jan Tombinski, wiederum über die Amerikaner. Russischer Untertitel: "Wie sie die Ukraine spalten."

Der prorussische ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch traf sich unterdessen in der Olympia-Stadt Sotschi mit Kreml-Chef Wladimir Putin. Die Staatschefs hätten am Rande der Eröffnungsfeier der Winterspiele miteinander gesprochen, teilte der Kreml mit. Details waren zunächst nicht bekannt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte zuvor von möglichen "Hilfestellungen" Russlands für die Ukraine gesprochen.

Andauernde Massenproteste

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hatte gewarnt, dass Janukowitsch die Proteste in der Ukraine mit Gewalt - und möglicherweise mit Hilfe Russlands - auflösen lassen könnte. Der amtierende ukrainische Innenminister Witali Sachartschenko wies dies als "Propaganda" der Regierungsgegner zurück.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow bekräftigte, dass Moskau weitere Milliardenhilfen an das finanziell angeschlagene Nachbarland vorerst weiter auf Eis lege. Nach dem Rücktritt der ukrainischen Regierung müsse erst die Entwicklung des Machtkampfs klar sein, sagte Siluanow. Die prorussische ukrainische Regierung war unlängst auf Druck prowestlicher Regierungsgegner zurückgetreten.

Anlass der seit November andauernden Massenproteste in der Ukraine war die Abkehr von Präsident Janukowitsch von einem bereits ausgehandelten EU-Assoziierungsabkommen. Doch richtete sich der Widerstand rasch allgemein gegen seine Regierung. In der Zwischenzeit erhielt Janukowitsch die Zusage für Milliardenkredite von Russland.

Die Abhörer der Welt - plötzlich selbst abgehört: Das scheint die

han/dpa
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