Abschied in Prag Lange Schlangen am Sarg Václav Havels

Tschechien trauert um Václav Havel. Schon Stunden bevor der aufgebahrte Sarg öffentlich zugänglich war, warteten Hunderte Menschen auf Einlass. Die Regierung erwägt ein eigenes Gesetz zu Havels Ehren.   

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Prag - Der Sarg von Ex-Präsident Václav Havel wurde am Montag in der Prager Sankt-Anna-Kirche aufgebahrt. Mehrere hundert Menschen warteten schon Stunden in winterlicher Kälte, um still von dem Freiheitskämpfer Abschied zu nehmen. Viele hatten Tränen in den Augen, wie das tschechische Fernsehen meldete.

Die frühere Kirche in der Prager Altstadt war von Havels Stiftung Vision 97 zu einem Begegnungszentrum umgebaut worden. Die Trauernden legten Blumen an dem Holzsarg nieder, den ein großer Strauß roter Rosen von Havels zweiter Ehefrau Dagmar Havlová schmückte. Am Dienstagnachmittag soll der Sarg in die Prager Burg, den Sitz der Präsidentschaft, überführt werden.

Die tschechische Botschaft in Berlin legte am Montag ein Kondolenzbuch aus. Bis Freitag können Berliner und Gäste ihm in dem Haus in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte ihre letzte Ehre erweisen.

Havel amtierte von 1989 bis 2003, erst als tschechoslowakischer, ab 1993 als tschechischer Präsident.

Er war am Sonntag im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben.Am Prager Präsidentenpalast, am Nationaltheater und an vielen anderen Orten des Landes wehten am Montag schwarze Flaggen. Soldaten der Garde der Prager Burg hielten eine Ehrenwache neben einem Porträt Havels. Sein Nachfolger im Amt, Václav Klaus, Erzbischof Dominik Duka und weitere Würdenträger trugen sich in das Kondolenzbuch ein. Klaus will sich im Laufe des Tages mit Havels Witwe treffen, um den weiteren Ablauf der Trauerfeierlichkeiten zu besprechen.

Am Nachmittag soll die Regierung in einer Sondersitzung über die erwartete Ausrufung der Staatstrauer entscheiden. Nach Informationen tschechischer Medien erwägt das Kabinett zudem ein Gesetz, das den früheren Dissidenten und Präsidenten ehren soll. Die "Lex Havel" könnte nach Aussage von Außenminister Karel Schwarzenberg erklären, dass Václav Havel sich um die Freiheit verdient gemacht habe. Das Gesetz würde an eine alte Tradition anknüpfen. Auch die früheren tschechoslowakischen Präsidenten Tomas Garrigue Masaryk und Edvard Benes wurden auf diese Weise geehrt.

ler/AFP/dpa



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