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09. April 2010, 13:42 Uhr

Abschiedsfeier in Südafrika

Tausende trauern um Rassistenführer Terre Blanche

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben sich in Südafrika Tausende zur Trauerfeier für den ermordeten Rechtsextremisten Eugene Terre Blanche versammelt. Seine Anhänger fordern einen besseren Schutz für weiße Farmer - und drohen mit Gewalt als "letzter Option".

Kapstadt - Tausende Anhänger nahmen am Freitag im südafrikanischen Ventersdorp Abschied von Eugene Terre Blanche, dem ermordeten Führer der "Afrikaner Weerstandsbeweging" (AWB). Der Sarg war mit der weiß-roten AWB-Flagge bedeckt.

In der überfüllten Afrikaans Protestant Church fanden nur einige hundert Menschen Platz. Deshalb verfolgten viele Anhänger von Terre Blanche den Gottesdienst vor dem Gebäude über Leinwände und Lautsprecher. An der Zeremonie nahm auch der Polizeichef Südafrikas, Bheki Cele, teil. Terre Blanche sollte nach dem Gottesdienst auf seiner Farm nahe Ventersdorp unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt werden.

AWB-Generalsekretär Andre Visagie nutzte die Gelegenheit und forderte verstärkten staatlichen Schutz der weißen Farmer in Südafrika. In den vergangenen 14 Jahren seien über 3000 von ihnen getötet worden, sagte er. Südafrikanische Sicherheitsbehörden beziffern die Zahl allerdings niedriger. "Wir wollen friedliche Verhandlungen mit der Regierung", sagte Visagie. Erst wenn diese scheiterten, sei "Gewalt die allerletzte Option", drohte er dann.

Furcht vor Rassenkonflikten

Südafrikas Polizei wollte am Freitag mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften jegliche Rassenkonflikte am Rande der Trauerfeierlichkeiten verhindern. Fahnen, öffentliche Reden und Aufmärsche waren verboten. Überraschend hatte der südafrikanische Gewerkschaftsbund zu einer "dringenden Massenversammlung" von Farmarbeitern in Tsing nahe des Begräbnisorts eingeladen.

Erst am Dienstag hatte die Polizei vor dem Gerichtsgebäude in Ventersdorp nach Rangeleien zwischen rechtsradikalen Weißen und schwarzen Demonstranten einschreiten müssen. In dem Gericht fand die erste Anhörung der mutmaßlichen Mörder von Terre Blanche statt. Ein 15- Jähriger und ein 28-Jähriger werden beschuldigt, am vergangenen Samstag den 69-Jährigen auf seiner Farm nahe Ventersdorp nach einem Lohnstreit brutal mit einer Machete und einem Schlagstock getötet zu haben.

Sowohl die Regierungspartei ANC als auch Funktionäre der Splittergruppe AWB haben die Teilnehmer der Beerdigung zu Ruhe und Mäßigung aufgerufen. Nach dem Mord hatten burische Rechtsextreme zu Racheakten aufgerufen.

Der AWB, einst 70.000 Mitglieder stark, ist in den vergangenen Jahren auf wenige hundert zusammengeschrumpft. Das Gewaltpotential der Organisation, deren Zeichen ein dreiachsiges Hakenkreuz ("Triskele") und ein stilisierter Adler sind, wird trotzdem als relativ hoch eingeschätzt. Nach dem Mord an Terre Blanche waren die Befürchtungen gewachsen, Südafrika könne wenige Wochen vor der Fußball-WM eine neue Welle von Rassenunruhen erleben.

Ein AWB-Sprecher hatte in einer ersten Erklärung nach dem Mord gesagt, er würde den Teilnehmern und Besuchern der WM raten, nicht nach Südafrika zu kommen.

Später zog der AWB Drohungen zurück, mit Gewalt Vergeltung üben zu wollen. AWB-Sprecher Pieter Steyn erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, seine Organisation schwöre in diesem Fall aller Gewalt ab.

Terre Blanche kämpfte in den neunziger Jahren für das Bestehen der Apartheid in Südafrika. Zuletzt setze er sich für die Schaffung von "weißen" Enklaven in Südafrika ein, in denen Schwarze nur als Gastarbeiter zugelassen sein sollten.

hen/dpa/Reuters/AP

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