Abschiedsfeier in Südafrika Tausende trauern um Rassistenführer Terre Blanche

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben sich in Südafrika Tausende zur Trauerfeier für den ermordeten Rechtsextremisten Eugene Terre Blanche versammelt. Seine Anhänger fordern einen besseren Schutz für weiße Farmer - und drohen mit Gewalt als "letzter Option".

AP

Kapstadt - Tausende Anhänger nahmen am Freitag im südafrikanischen Ventersdorp Abschied von Eugene Terre Blanche, dem ermordeten Führer der "Afrikaner Weerstandsbeweging" (AWB). Der Sarg war mit der weiß-roten AWB-Flagge bedeckt.

In der überfüllten Afrikaans Protestant Church fanden nur einige hundert Menschen Platz. Deshalb verfolgten viele Anhänger von Terre Blanche den Gottesdienst vor dem Gebäude über Leinwände und Lautsprecher. An der Zeremonie nahm auch der Polizeichef Südafrikas, Bheki Cele, teil. Terre Blanche sollte nach dem Gottesdienst auf seiner Farm nahe Ventersdorp unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt werden.

AWB-Generalsekretär Andre Visagie nutzte die Gelegenheit und forderte verstärkten staatlichen Schutz der weißen Farmer in Südafrika. In den vergangenen 14 Jahren seien über 3000 von ihnen getötet worden, sagte er. Südafrikanische Sicherheitsbehörden beziffern die Zahl allerdings niedriger. "Wir wollen friedliche Verhandlungen mit der Regierung", sagte Visagie. Erst wenn diese scheiterten, sei "Gewalt die allerletzte Option", drohte er dann.

Furcht vor Rassenkonflikten

Südafrikas Polizei wollte am Freitag mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften jegliche Rassenkonflikte am Rande der Trauerfeierlichkeiten verhindern. Fahnen, öffentliche Reden und Aufmärsche waren verboten. Überraschend hatte der südafrikanische Gewerkschaftsbund zu einer "dringenden Massenversammlung" von Farmarbeitern in Tsing nahe des Begräbnisorts eingeladen.

Erst am Dienstag hatte die Polizei vor dem Gerichtsgebäude in Ventersdorp nach Rangeleien zwischen rechtsradikalen Weißen und schwarzen Demonstranten einschreiten müssen. In dem Gericht fand die erste Anhörung der mutmaßlichen Mörder von Terre Blanche statt. Ein 15- Jähriger und ein 28-Jähriger werden beschuldigt, am vergangenen Samstag den 69-Jährigen auf seiner Farm nahe Ventersdorp nach einem Lohnstreit brutal mit einer Machete und einem Schlagstock getötet zu haben.

Sowohl die Regierungspartei ANC als auch Funktionäre der Splittergruppe AWB haben die Teilnehmer der Beerdigung zu Ruhe und Mäßigung aufgerufen. Nach dem Mord hatten burische Rechtsextreme zu Racheakten aufgerufen.

Der AWB, einst 70.000 Mitglieder stark, ist in den vergangenen Jahren auf wenige hundert zusammengeschrumpft. Das Gewaltpotential der Organisation, deren Zeichen ein dreiachsiges Hakenkreuz ("Triskele") und ein stilisierter Adler sind, wird trotzdem als relativ hoch eingeschätzt. Nach dem Mord an Terre Blanche waren die Befürchtungen gewachsen, Südafrika könne wenige Wochen vor der Fußball-WM eine neue Welle von Rassenunruhen erleben.

Ein AWB-Sprecher hatte in einer ersten Erklärung nach dem Mord gesagt, er würde den Teilnehmern und Besuchern der WM raten, nicht nach Südafrika zu kommen.

Später zog der AWB Drohungen zurück, mit Gewalt Vergeltung üben zu wollen. AWB-Sprecher Pieter Steyn erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, seine Organisation schwöre in diesem Fall aller Gewalt ab.

Terre Blanche kämpfte in den neunziger Jahren für das Bestehen der Apartheid in Südafrika. Zuletzt setze er sich für die Schaffung von "weißen" Enklaven in Südafrika ein, in denen Schwarze nur als Gastarbeiter zugelassen sein sollten.

hen/dpa/Reuters/AP



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ellge 09.04.2010
1. Zimbabwe als Vorbild?
Zitat von sysopUnter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben sich in Südafrika Tausende zur Trauerfeier für den ermordeten Rechtsextremisten Eugene Terre Blanche versammelt. Seine Anhänger fordern einen besseren Schutz für weiße Farmer - und drohen mit Gewalt als "letzter Option". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688093,00.html
Die Bevölkerungsgruppen müssen versuchen, einen Interessenausgleich zu finden, was bislang aufgrund der Geschichte des Landes nicht annähernd gelingen konnte und wohl auch nicht gelingen kann. Das trotz Aids rasante Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung und Geburten wird zu einer immer weiteren Absenkung des Lebensstandards aller Gruppen führen, das will niemand anerkennen, und daraus entwickelt sich Konfliktstoff. Nur die weiße Bevölkerungsgruppe, vielleicht zusammen mit der indischen und den Coloureds verfügt bislang über ausreichende Bildung, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der ANC ist da wohl eher hinderlich, das Erbe Mandelas vertan. Wohin schwarze autoritäre Herrschaft führt, ist in Zimbabwe zu besichtigen.
ManfredoRSA 09.04.2010
2. Radikale in SA
Dass die Zahl der AWB Mitglieger seit Anfang der 90-er Jahre von vielen Tausend auf etwa 300 geschrumpft ist, zeigt, dass die Radikalos unter den ehemaligen Apartheid Verfechtern nur noch eine Mini-Rolle spielen. Dass dieser Mord, der ganz offensichtlich nichts mit ET's (Eugene Terreblanche) faschistisch/rassistischen Einstellung zu tun hat, ist jedem klar, der ohne wie immer getoente Brille in SA lebt. Es war ein Konflikt ueber die Zahlung vom Wochenlohn, der ausartete. Die 300 Khaki Traeger schreien so laut wie ehemals die -zig tausend Anhaeger - das tut keinem weh! - gefaehrlicher aber wird es, wenn der ANC Youth League-Praesident Malema, eben erst aus Zimbabwe zurueck, wo er einige Tage die Taktik von Mugabe's ZANU PF und 'War Veterans' ('wovets')zur Okkupierung /Enteignung von 'weissen' Farmen studiert hat, unter der Aegide des Lehrmeisters Mugabe und noch vor ET's Beerdigung in einer Presseverlautbarung in Johannesburg sagte - that's it! Da geht's also lang. Das ist das Muster, das wir befolgen werden. Vielleicht schreien die 300 Khaki Traeger doch nicht ganz umsonst. Angst um die Farm ! Malema's Forderung nach Verstaatlichung (erst die Minen, dann die Banken..) wird zwar von Zuma offiziell nicht unterstuetzt - man braucht ja Investitionen, bzw. Anleihen wie jetzt wieder vom IMF (3,5 Milliarden fuer neue Kraftwerke weil sonst das Licht ausgeht..), aber der ANC hat ganz offensichtlich ueber den sueadfrikanischen BadBoy null Kontrolle -er singt weiter den 'Kill the Boer' song, trotz gerade verhangtem Verbot seitens des ANC, gestern warf er kurzerhand den BBC Vertreter aus seiner Pressekonferenz unter allen moeglichen Drohungen und "You bastard " und "You agent". Letzteres hat er von mad Bob Mugabe uebernommen, fuer den alle BBC Leute "Agents" waren/sind. Zu hoffen ist nur, dass besonnene Leader wie Mandela,Tutu,Ramaphosa,Sexwale,und viele weitere ehemalige Freiheitskaempfer, die fuer Freiheit, Ausgleich und Versoehnung stehen, sich durchsetzten und das Land wieder auf den Pfad bringen, den man 1994 beschritten hat.
Klo, 09.04.2010
3. Versöhnen statt Spalten
Zitat von ellgeDie Bevölkerungsgruppen müssen versuchen, einen Interessenausgleich zu finden, was bislang aufgrund der Geschichte des Landes nicht annähernd gelingen konnte und wohl auch nicht gelingen kann. Das trotz Aids rasante Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung und Geburten wird zu einer immer weiteren Absenkung des Lebensstandards aller Gruppen führen, das will niemand anerkennen, und daraus entwickelt sich Konfliktstoff. Nur die weiße Bevölkerungsgruppe, vielleicht zusammen mit der indischen und den Coloureds verfügt bislang über ausreichende Bildung, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der ANC ist da wohl eher hinderlich, das Erbe Mandelas vertan. Wohin schwarze autoritäre Herrschaft führt, ist in Zimbabwe zu besichtigen.
Die Rassisten um Terreblanche gehören jedenfalls nicht zu den "Gebildeten". Würden Sie wirklich diesen Leuten irgendeine Macht in einem Vielvölkerstaat geben: http://www.spiegel.de/images/image-76359-galleryV9-fnej.jpg http://www.spiegel.de/images/image-76362-galleryV9-fxre.jpg Und das auch noch nachdem sie erklärt haben, die Apartheit wieder einführen zu wollen?
Ragnarrök 09.04.2010
4. Rassenkonflikte
Zitat von ManfredoRSADass die Zahl der AWB Mitglieger seit Anfang der 90-er Jahre von vielen Tausend auf etwa 300 geschrumpft ist, zeigt, dass die Radikalos unter den ehemaligen Apartheid Verfechtern nur noch eine Mini-Rolle spielen. Dass dieser Mord, der ganz offensichtlich nichts mit ET's (Eugene Terreblanche) faschistisch/rassistischen Einstellung zu tun hat, ist jedem klar, der ohne wie immer getoente Brille in SA lebt. Es war ein Konflikt ueber die Zahlung vom Wochenlohn, der ausartete. Die 300 Khaki Traeger schreien so laut wie ehemals die -zig tausend Anhaeger - das tut keinem weh! - gefaehrlicher aber wird es, wenn der ANC Youth League-Praesident Malema, eben erst aus Zimbabwe zurueck, wo er einige Tage die Taktik von Mugabe's ZANU PF und 'War Veterans' ('wovets')zur Okkupierung /Enteignung von 'weissen' Farmen studiert hat, unter der Aegide des Lehrmeisters Mugabe und noch vor ET's Beerdigung in einer Presseverlautbarung in Johannesburg sagte - that's it! Da geht's also lang. Das ist das Muster, das wir befolgen werden. Vielleicht schreien die 300 Khaki Traeger doch nicht ganz umsonst. Angst um die Farm ! Malema's Forderung nach Verstaatlichung (erst die Minen, dann die Banken..) wird zwar von Zuma offiziell nicht unterstuetzt - man braucht ja Investitionen, bzw. Anleihen wie jetzt wieder vom IMF (3,5 Milliarden fuer neue Kraftwerke weil sonst das Licht ausgeht..), aber der ANC hat ganz offensichtlich ueber den sueadfrikanischen BadBoy null Kontrolle -er singt weiter den 'Kill the Boer' song, trotz gerade verhangtem Verbot seitens des ANC, gestern warf er kurzerhand den BBC Vertreter aus seiner Pressekonferenz unter allen moeglichen Drohungen und "You bastard " und "You agent". Letzteres hat er von mad Bob Mugabe uebernommen, fuer den alle BBC Leute "Agents" waren/sind. Zu hoffen ist nur, dass besonnene Leader wie Mandela,Tutu,Ramaphosa,Sexwale,und viele weitere ehemalige Freiheitskaempfer, die fuer Freiheit, Ausgleich und Versoehnung stehen, sich durchsetzten und das Land wieder auf den Pfad bringen, den man 1994 beschritten hat.
Könnte man glauben. Vllt. aber auch eine Schutzbehauptung um keine Rassenkonflikte aufflammen zu lassen. Ein Toter zahlt meist nicht. R.
mavoe 09.04.2010
5. Autoritäre Herrschaft...
Zitat von ellgeDie Bevölkerungsgruppen müssen versuchen, einen Interessenausgleich zu finden, was bislang aufgrund der Geschichte des Landes nicht annähernd gelingen konnte und wohl auch nicht gelingen kann. Das trotz Aids rasante Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung und Geburten wird zu einer immer weiteren Absenkung des Lebensstandards aller Gruppen führen, das will niemand anerkennen, und daraus entwickelt sich Konfliktstoff. Nur die weiße Bevölkerungsgruppe, vielleicht zusammen mit der indischen und den Coloureds verfügt bislang über ausreichende Bildung, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der ANC ist da wohl eher hinderlich, das Erbe Mandelas vertan. Wohin schwarze autoritäre Herrschaft führt, ist in Zimbabwe zu besichtigen.
Und wohin weiße autoritäre Herrschaft führen kann hat man im 20ten Jahrhundert "gut" sehen können. z.B. in Deutschland und in der damaligen Sowjetunion. Aber das mit Zimbabwe ist wirklich ein Trauerspiel, und ich hoffe dass sowas in Südafrika sich nicht wiederholt.
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