Abschlussbericht US-Inspektor fand keine Massenvernichtungswaffen

Für eine groß angelegte irakische Waffenproduktion vor Beginn des Irak-Kriegs fehlen weiter die Beweise. US-Inspektoren haben ihrem Abschlussbericht zufolge keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Die amerikanische Regierung beharrt dennoch auf der Rechtmäßigkeit ihres miliätrischen Einsatzes.


Waffeninspektor Charles Duelfer (Archiv): Beweise für verbotene Waffenprogramme
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Waffeninspektor Charles Duelfer (Archiv): Beweise für verbotene Waffenprogramme

Washington - Wie aus einem 1500 Seiten starken Bericht des Chefs der so genannten Iraq Survey Group, Charles Duelfer, hervorgeht, soll es jedoch Anzeichen dafür gegeben haben, dass der gestürzte Präsident Saddam Hussein über Pläne für den Bau von ABC-Waffen verfügt habe. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, das Regime von Saddam Hussein habe die klare Absicht gehabt, solche Waffen nach einer möglichen Aufhebung oder Lockerung der Uno-Sanktionen zu produzieren.

Die meisten Beweise für verbotene Waffenprogramme seien in Geheimlaboren des irakischen Nachrichtendienstes gefunden worden. Dort hätten kleine Mengen tödlicher chemischer und biologischer Stoffe produziert werden können, die aber eher für Attentate als für Massenvernichtungswaffen geeignet gewesen wären.

Der Entwurf des Berichts bestätigt damit weitgehend Erkenntnisse des Reports des damaligen US-Chefwaffeninspekteurs, David Kay, vom Oktober vergangenen Jahres. Die neuen Erkenntnisse basieren nicht nur auf der Inspektion geheimer Labore, sondern auch auf Dokumenten von Spitzenfunktionären sowie Angaben irakischer Wissenschaftler und anderer Quellen.

Der Bericht des derzeitigen US-Chefwaffeninspekteurs Duelfer soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden, berichtete die "New York Times" weiter. Der US-Präsident George W. Bush hatte die Invasion des Iraks im März 2003 vor allem mit der Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen begründet.

"Irak-Krieg vom Völkerrecht gedeckt"

Unterdessen hät die Regierung Bush wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl an der Rechtmäßigkeit des Irak-Krieges fest. Nach der umstrittenen Äußerung von Uno-Generalsekretär Kofi Annan, der Feldzug sei illegal gewesen, hat das US-Außenministerium die amerikanische Gegenposition bekräftigt. Die Regierung sei nach wie vor der Auffassung, der Krieg sei vom Völkerrecht ebenso wie von einschlägigen Uno-Resolutionen solide abgedeckt gewesen, erklärte Außenamtssprecher Richard Boucher gestern Abend in Washington.

Bush äußerte sich nicht direkt zu der Aussage Annans. Während eines Wahlkampfauftritts im US-Staat Minnesota erklärte er lediglich, er habe damals lange Zeit gehofft, der Konflikt könne mit diplomatischen Mitteln gelöst werden. Er würde sich aber mit Rückblick auf die inzwischen erfolgten Entwicklungen jederzeit wieder für einen Krieg gegen Bagdad entscheiden, da Amerika und die ganze Welt mit der Gefangennahme des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein sicherer geworden seien. Die Tatsache, dass bislang keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden worden seien, würde an dieser Entscheidung nichts ändern, sagte Bush.

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