Abschuss Indien testet atomwaffentaugliche Rakete

Indien hat heute eine selbst gebaute atomwaffentaugliche Mittelstreckenrakete getestet. Agni-III kann mit einem Atomsprengkopf bestückt werden – und hat eine Reichweite von maximal 3000 Kilometern. Das Land feiert den Test als weiteren Schritt auf dem Weg zur Großmacht.


Hamburg/Neu-Delhi - Wie das Verteidigungsministerium in Neu-Delhi mitteilte, wurde die Rakete vom Typ Agni (Hindi für Feuer) III heute Morgen von der Insel Wheeler abgefeuert, die 180 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt des Bundesstaates Orissa, Bhubaneswar, liegt. Der indische Verteidigungsminister Pranab Mukherjee schaute sich den Test persönlich vor Ort an.

Indische Raketenparade (mit dem Vorgängermodell Agni II): Ein "großer Erfolg für das Land"
AP

Indische Raketenparade (mit dem Vorgängermodell Agni II): Ein "großer Erfolg für das Land"

Mukherjee hatte bereits im Mai mitgeteilt, die Agni-III-Rakete stehe zum Abschuss bereit. Allerdings habe sich die indische Regierung "Zurückhaltung auferlegt". Den heutigen Test bezeichnete das Verteidigungsministerium in Neu-Delhi als "Routine-Test", es handele sich nicht um eine Drohung gegenüber dem Erzfeind Pakistan. Pakistan und Indien testen regelmäßig Raketen, informieren einander aber vorher über entsprechende Aktionen. Heute war nicht klar, ob Indien die pakistanische Regierung in Islamabad über den Test in Kenntnis gesetzt hatte.

Das Verteidigungsministerium bezeichnete den Start von Agni-III als "großen Erfolg" - Details der Flugleistung würden nun analysiert. Die Rakete schlug in der Bucht von Bengalen im Meer ein, meldete die indische Nachrichtenagentur PTI.

Indische Sicherheitsexperten und Militärs erklärten, der erfolgreiche Test markiere den Beginn einer neuen Phase in der "atomaren Verteidigungsstrategie Indiens". "Indien ist in eine andere Liga von Nationen aufgestiegen, in einen neuen Club", sagte der Militärexperte Rahul Bedi, Korrespondent von "Jane's Defence Weekly". Indien könne nun Teile Nordchinas einschließlich Peking und Shanghai erreichen und habe dadurch ein größeres Abschreckungspotenzial. Wenn ein Land in der Lage sei, eine 3000-Kilometer-Rakete zu entwickeln, könne es auch eine Rakete mit 5000 Kilometern Reichweite bauen. "Nur wenige Staaten können das", sagte Bedi.

Die Beziehungen zwischen Indien und China haben sich in den vergangenen Jahren gleichwohl verbessert. Beide Staaten liegen im Wettbewerb um die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Neu-Delhi und Peking führten zuletzt 1962 Krieg wegen Grenzstreitigkeiten, die allerdings bis heute noch nicht beigelegt sind.

Auch die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan haben sich in den vergangenen Monaten deutlich entspannt. Pakistan, das aus der Teilung des indischen Subkontinents 1947 hervorging, nachdem die britischen Besatzer das Land verlassen hatten, und Indien führten bisher drei Kriege gegeneinander. 1998 zündeten beide Staaten erstmals zu Testzwecken und zur gegenseitigen Abschreckung Atombomben.

Der indische Raketentest findet mitten in der angespannten politischen Lage in Asien nach den nordkoreanischen Raketentests statt. Pjöngjang hatte am Mittwoch ohne Vorwarnung mehrere Raketen abgeschossen. Darunter war auch eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von mehr als 6000 Kilometern.

kaz/AFP/AP/dpa



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hans hoch, 26.05.2006
1. kleine läden
auf dem lebensmittelsektor wäre das auch für deutschland gut gewesen-so wie es früher war. mehr arbeitsplätze, keine verödeten dörfer und städte keine manipulation des verbraucherverhaltens kleine wege. das indien sich wehrt ist verständlich. die inder sind hochintelligent ,selbstbewusste und freundliche leute.dort gab es schon immer eine hochkultur auf die man auch stolz ist.in den augen der gebildeten inder belächelt man uns eher.
carranza 26.05.2006
2. Erstaunliches Marktmodell
Sobald die Konzerne auf dem Markt sind, werden viele kleinere Läden das Nachsehen haben, denn sie können preislich nicht mithalten. Einerseits gut für den Verbraucher, andererseits werden im Handel viele Arbeitsplätze vernichtet, denn der Verbraucher wird dadurch das es mehr Anbieter gibt nicht mehr kaufen. Die einzige Chance des Einzelhandels könnte sich dann aus dem Verkehrsstau zur grünen Wiese ergeben. Bemerkenswert, dass in Indien wenigstens 18% der Bevölkerung zum Mittelstand zählt. Der tendiert doch in den meißten Schwellenländern seit langer Zeit eher gegen 0%.
JanSouth 26.05.2006
3.
---Zitat von hans hoch--- in den augen der gebildeten inder belächelt man uns eher. ---Zitatende--- Das zeugt nicht gerade von Bildung ;-)
Triakel 26.05.2006
4.
Alle Welt spricht von China. Da ist es kein Wunder, dass Indien unterschätzt wird. Mit 300 000 neuen Ingenieuren pro Jahr macht sich Inden auf den (noch langen) Weg in eine Zukunft, in der Wissen, Information und Technologie eine wichtige Rolle spielen. Zur Mitte des Jahrhunderts wird Indien etwa 1,6 Milliarden Einwohner haben. Mit über 500 EW pro Quadratkilometer ist die Bevölkerungsdichte dann deutlich mehr als doppelt so hoch, wie jetzt in Deutschland. Allerdings mit dem Unterschied, dass das indische Territorium auch Wüstengebiete, Hochgebirge, Überschwemmungsgebiete und andere weniger besiedelbare und wirtschaftlich nutzbare Gebiete umfasst. Der Anteil der Stadtbewohner liegt jetzt bei ca. 32%, in 45 Jahren dürfte er bei mindestens 50% liegen. Also dürfte die Stadtbevölkerung von 350 Millionen auf dann gigantische 800 Millionen ansteigen. Zusammen mit der Urbanisierung in China ist es das bei Weitem größte Städtebauprogramm der Menschheitsgeschichte. Stadtbewohner verbrauchen im Durchschnitt in den Entwicklungsländern deutlich mehr Energie, Rohstoffe, Wasser etc. als die Landbevölkerung. Die Motorisierungsrate ist gegnwärtig eine der Geringsten weltweit. Auch hier wird es zu einer gewaltigen Ausweitung des Fahrzeugbestandes kommen. Mittelfristig dürften sich die Wachstumsraten des BIP zwischen 7 und 10 % bewegen und der indische Binnenmarkt immer bedeutsamer werden. Auch die Exportkraft des Landes wird zunehmen, insbesondere von industriellen Gütern. Im Softwarebereich ist Indien ja schon jetzt sehr stark aufgestellt. Trotz der hervorragenden mittelfristigen Aussichten sind die Risiken für die weitere Zukunft sehr hoch. Überbevölkerung, zunehmende Abhängigkeit von immer größeren Nahrungsmittelimporten, Rohstoff- und Energieknappheit, ökologische Probleme, Wassermangel, Verkehrsinfarkte mit zunehmender Motorisierung und Anderes düften den Indern zur Mitte des Jahrhunderts zunehmend das Leben erschweren. Weniger als 3,3 Millionen Quadratkilometer Oberfläche sind sehr wenig für ein Volk von später 1,6 Mrd. Menschen, die (gerechtfertigterweise) immer größere materielle Bedüfnisse haben werden.
JanSouth 26.05.2006
5.
---Zitat von Triakel--- Trotz der hervorragenden mittelfristigen Aussichten sind die Risiken für die weitere Zukunft sehr hoch. ---Zitatende--- Naja, die Inder (und auch die Chinesen mit ähnlichen Problemen) werden das schon überstehen. Ist ja nicht so, daß beide Länder kurz vor dem Kollaps stünden.
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