Abtreibung im Härtefall Irische Bischöfe verurteilen Regierungsplan

Irlands Regierung will Schwangerschaftsabbrüche in Extremfällen erlauben - sehr zum Unmut der vier katholischen Erzbischöfe. Sie protestieren gegen die geplante Gesetzesänderung. Die Tötung ungeborener Kinder könne niemals moralisch gerechtfertigt werden.
Anti-Abtreibungs-Demonstranten in Belfast: Die katholische Kirche ist auf ihrer Seite

Anti-Abtreibungs-Demonstranten in Belfast: Die katholische Kirche ist auf ihrer Seite

Foto: Peter Morrison/ AP

Dublin - Die irische Regierung arbeitet an einem Gesetz, das Abtreibungen bei einer Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt. Dazu sollen auch Fälle gehören, in denen Schwangere mit Selbstmord drohen. Das Kabinett kündigte seine Pläne sieben Wochen nach dem Tod der Inderin Savita Halappanawar an. Der Fall hatte für Empörung gesorgt.

Die 31-Jährige war im University Hospital Galway an einer Blutvergiftung gestorben. Zuvor war ihr Fötus entfernt worden - viel zu spät, wie ihre Familie sagt. Die junge Frau habe mehrmals eine Abtreibung verlangt, weil sie Schmerzen hatte. Dies sei aber immer wieder abgelehnt worden mit dem Verweis: Irland sei ein katholisches Land. Der Fall wird derzeit von den Gesundheitsbehörden untersucht.

Protest der Kirche

Grundsätzlich sind Schwangerschaftsabbrüche im katholischen Irland untersagt. Der Oberste Gerichtshof hatte 1992 geurteilt, bei Lebensgefahr für die Mutter müsse eine Abtreibung aber erlaubt sein. Die Entscheidung wurde bisher allerdings noch nicht vom Gesetzgeber umgesetzt, so dass Ärzte keine rechtliche Sicherheit haben, unter welchen Umständen sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen dürfen und unter welchen nicht.

Die vier katholischen Erzbischöfe Irlands, darunter Kardinal Sean Brady, kritisierten die Regierungspläne. Sollten die Änderungen Gesetz werden, würde die sorgfältige Balance zwischen dem Recht auf Leben einer Mutter und ihres ungeborenen Kindes "grundlegend geändert", heißt es in ihrer Stellungnahme, aus der der Sender BBC zitierte. "Es würde den Weg für die direkte und absichtliche Tötung von ungeborenen Kindern ebnen. Dies kann moralisch unter keinen Umständen gerechtfertigt werden."

Die Vertreter der Kirche lehnen vor allem ab, dass Abtreibungen dann erlaubt sein sollen, wenn Schwangere damit drohen, sich das Leben zu nehmen.

"Der Empfindlichkeiten sehr bewusst"

Irlands Regierung kündigte an, einen neuen Rechtsrahmen schaffen zu wollen, der eine Kombination von Gesetzen und Vorschriften in Fällen werden soll, in denen das Leben einer Mutter in Gefahr ist. Diese Regelung soll den Verpflichtungen aus der Europäischen Menschenrechtskonvention entsprechen.

Gesundheitsminister James Reilly sagte, er sei sich "der Empfindlichkeiten sehr bewusst". Die Regierung setze sich aber dafür ein, dass die Sicherheit der schwangeren Frauen gestärkt werde. Dies werde unter der Maßgabe getan, dass das gleiche Recht auf Leben des ungeborenen Kindes voll berücksichtigt werde.

Bisher hatte Reilly gefordert, nichts zu überstürzen. In seiner konservativen Fine Gael gibt es großen Widerstand gegen ein Abtreibungsgesetz. Anders sieht es in der Labour-Partei aus, dem Juniorpartner in der Großen Koalition von Premierminister Enda Kenny. Die Labour fordert eine rechtliche Regelung für Schwangerschaftsabbrüche.

Die Republik Irland hat über das Thema Abtreibung bereits in mehreren Referenden abgestimmt. Im Jahr 1983 sprachen sich die Iren dafür aus, dass das Recht auf Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes gleich zu bewerten seien. Seit 1992 haben die Frauen das Recht, sich außerhalb Irlands über eine Abtreibung zu informieren und einen Abbruch vorzunehmen. Zehn Jahre später lehnten es die irischen Wähler ab, dass ein angedrohter Selbstmord Grund für einen legalen Abbruch sein darf.

heb/dapd/Reuters