SPIEGEL ONLINE

US-Kommando in Syrien Donald Trump bestätigt Tod des IS-Führers Abu Bakr al-Baghdadi

Abu Bakr al-Baghdadi, Gründer und Führer der Terrormiliz "Islamischer Staat", ist tot. US-Präsident Donald Trump berichtete, der Extremistenchef sei bei einem Zugriff des US-Militärs gestorben.

Zuerst war es ein Gerücht, nun bestätigt das Weiße Haus: Abu Bakr al-Baghdadi , Chef der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), ist tot. Spezialkräfte haben den Islamistenführer demnach in einer nächtlichen Operation getötet. Trump sagte, er habe die Attacke live verfolgt.

Über den Zugriff sagte Trump, Baghdadi sei von US-Spezialkräften verfolgt worden und habe sich in einen Tunnel geflüchtet. Dort habe der IS-Führer eine Sprengstoffweste gezündet und damit sich und drei seiner Kinder getötet. US-Soldaten seien bei der zweistündigen Operation nicht verletzt worden.

Die Attacke gegen Baghdadi sei "fehlerlos" gewesen. Über den IS-Führer sagte Trump, Baghdadi sei ein "kranker", "brutaler Mörder" gewesen. Er sei "auf der Flucht und weinend gestorben", er sei "wie ein Hund gestorben, als Feigling". Direkt am Ort des versuchten Zugriffs auf den IS-Gründer und Führer der Terrormiliz hätten die Spezialkräfte DNA des Toten mit Vergleichsmaterial abgeglichen und damit Baghdadi zweifelsfrei identifiziert.

Ort eines Hubschrauberangriffs in Barischa in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens, an dem sich Baghdadi aufgehalten habe soll

Ort eines Hubschrauberangriffs in Barischa in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens, an dem sich Baghdadi aufgehalten habe soll

Foto: Haj Kadour/ AFP

Erste Informationen über den Aufenthaltsort Baghdadis in der Provinz Idlib hätten die USA seit etwa einem Monat gehabt. Vor dem Zugriff sei jedoch immer wieder unklar gewesen, wo genau sich Baghdadi befinde. Bei der Durchführung seien die Spezialkräfte dann mit einem Hubschrauber gelandet und hätten ein Loch in die Wand des Hauses gesprengt, in dem sich Baghdadi befand, erklärte Trump.

US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte CNN: "Wir versuchten, Baghdadi heraus zu rufen und zur Aufgabe zu bewegen. Er weigerte sich und begab sich in ein unterirdisches Bauwerk, und als wir versuchten, ihn heraus zu bekommen, vermuten wir, dass er seine Sprengstoffweste zündete und sich selbst tötete." Anders als Trump sagte Esper, zwei US-Soldaten seien leicht verletzt worden, befänden sich aber bereits wieder im Dienst.

Die Terrormiliz IS hatte weite Teile Syriens und den Norden des Irak über Jahre dominiert. Internationales Entsetzen hatte der IS vor allem mit Entführungen und öffentlichen Morden ausgelöst. Schockierend war unter anderem die aufgezeichnete und im Internet veröffentlichte Enthauptung des US-Journalisten James Foley im August 2014.

Donald Trump im Situation Room, zusammen mit (v.l.) Robert O'Brien, nationaler Sicherheitsberater, Mike Pence, Vize-Präsident, Mark Esper, Verteidigungsminister, Mark Milley, Vorsitzender der Joint Chiefs und Marcus Evans, stellvertretender Leiter für Sondereinsätze

Donald Trump im Situation Room, zusammen mit (v.l.) Robert O'Brien, nationaler Sicherheitsberater, Mike Pence, Vize-Präsident, Mark Esper, Verteidigungsminister, Mark Milley, Vorsitzender der Joint Chiefs und Marcus Evans, stellvertretender Leiter für Sondereinsätze

Foto: Shealah Craighead/ The White House/ AP/ dpa

Die Propagandaabteilung der Terrormiliz hatte davor und danach mit besonders grausamen Hinrichtungen auf sich aufmerksam gemacht und entsprechende Videos im Internet verbreitet.

Durch den Einsatz einer internationalen Anti-IS-Koalition, die 2014 von US-Präsident Barack Obama ins Leben gerufen wurde, gelang es bis 2017, den Norden Iraks und bis 2019 die meisten Städte Syriens vom IS zu befreien.

Ehe der US-Präsident auf Fragen von Journalisten antwortete, dankte er Russland, der Türkei, Iran und Irak für Hilfe, die sie gegeben hätten. Russland habe den USA Überflugrechte für die Operation gewährt. An die Kurden gerichtet sagte Trump, auch von ihnen habe es "einige Unterstützung" gegeben.

cht
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.