Video des "Islamischen Staats" Das Kalifat ist verloren, jetzt kommt der Zermürbungskrieg

In einem neuen Video, das Anführer Baghdadi zeigen soll, verkündet der "Islamische Staat" eine Kehrtwende. Die Gebiete in Syrien und im Irak sind weg, doch die Dschihadisten verfolgen einen neuen Plan.

Aufnahme, die angeblich Baghdadi zeigt: Ein Video soll seine Autorität wiederherstellen
Al-Furqan/ AFP

Aufnahme, die angeblich Baghdadi zeigt: Ein Video soll seine Autorität wiederherstellen


Vor die Kamera tritt Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri, besser bekannt unter seinem Pseudonym Abu Bakr al-Baghdadi, eher selten. Bisher war der Chef des "Islamischen Staats" (IS), soweit bekannt, erst einmal öffentlich aufgetreten: im Juli 2014, als er vom Predigerpodest der Großen Moschee des al-Nuri in Mosul sein Kalifat ausrief. Nun, fast fünf Jahre später, gibt es ein zweites Video.

Der Clip stammt vom IS, so viel ist sicher, denn die Terrororganisation hat es über ihren offiziellen Kanal verbreitet. Doch ob es tatsächlich Baghdadi zeigt, kann bisher nur vermutet werden.

Der Mann im neuen Video sieht Baghdadi zwar ähnlich, auch wenn er aufgedunsen und älter wirkt. Eine eindeutige Identifizierung wollen die Dschihadisten offenbar verhindern: Sie haben etwa darauf geachtet, dass seine Ohren immer verdeckt bleiben. Nur einmal ist das rechte Ohrläppchen zu erkennen. Es sieht aus, als habe der Mann "Blumenkohlohren" wie ein Ringer. Vor fünf Jahren, im Video aus der Großen Moschee, war dies nicht - oder noch nicht - der Fall.

Abu Bakr al-Baghdadi (2014)
REUTERS

Abu Bakr al-Baghdadi (2014)

Eine solche Veröffentlichung ist hochriskant, denn sie könnte dazu führen, dass westliche Geheimdienste dem Terror-Chef doch noch auf die Spur kommen. Die USA haben schon vor Jahren 25 Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgeschrieben. Aber obwohl das Kalifat in diesem März mit dem Verlust des syrischen Wüstendorfs Baghus sein vorläufiges Ende fand, wurde Baghdadi noch immer nicht gefunden. Mit dem Video soll auch seine Autorität wiederhergestellt werden: Zuletzt hatte es offenbar innerhalb des IS einen Putschversuch gegen ihn gegeben.

Der IS internationalisiert sich weiter

Zudem vollzieht der IS mit dem Video eine ideologische Kehrtwende. Galt bisher das Kalifat als Alleinstellungsmerkmal der Terrororganisation, erklärt nun der Mann, der vermutlich Baghdadi ist, dass dies doch nicht so wichtig sei: "Gott hat uns den Dschihad befohlen, nicht den Sieg."

Auf einmal sind der Irak und Syrien, die im Zentrum der IS-Ideologie standen, nur noch zwei Länder unter vielen: Gegen Ende des Videos lässt sich der mutmaßliche IS-Chef dünne, laminierte Broschüren reichen - vermeintliche Berichte aus seinen Provinzen. Bisher wurden Irak und Syrien vom IS als mehrere Provinzen geführt, etwa Homs, Rakka oder Bagdad. Nun sind beide Länder zusammengefasst als je eine Region. Demonstrativ stapelt Baghdadi vor sich die Hefte, auf denen "Provinz Türkei", "Provinz Libyen" und "Provinz Westafrika" steht. Manchmal tut er für die Kamera so, als würde er darin herumblättern.

Um den internationalen IS-Anhängern zu schmeicheln, betont der mutmaßliche Baghdadi, wie wichtig Ausländer für die Terrororganisation seien. Sein Publikum vor Ort besteht in dem neuen Video aus drei Männern, die seinem etwa 12-minütigen Monolog zuhören, regelmäßig nicken und so gekleidet sind, dass sie wie Golfaraber und Afrikaner aussehen.

In seinem Stammesland dagegen ist der IS bei vielen normalen Bürgern inzwischen diskreditiert: Iraker und Syrer, von denen manche die Dschihadisten einst begrüßten, klagen nun über die willkürliche, korrupte Terrorherrschaft, die sie erleiden mussten.

Terror um des Terrors Willen

Der mutmaßliche Baghdadi ruft in dem Video einen "Zermürbungskrieg" aus gegen die "Glaubensgemeinschaft des Kreuzes". Der IS scheint in Zukunft vor allem auf spektakuläre Anschläge in aller Welt setzen zu wollen: Terror um des Terrors Willen. Vor allem die Golfstaaten und Afrika scheinen dabei ins Visier genommen zu werden. Ausdrücklich werden Anschläge auf Franzosen in Burkina Faso und in Mali gewünscht.

Auch die Attentate in Sri Lanka reklamiert der mutmaßliche Baghdadi für den IS - aus Rache für die brutale Schlacht um Baghus. Sie werden allerdings nicht in dem Video erwähnt, sondern in einer anschließenden Audiobotschaft. Dies legt nahe, dass das Video vor dem 21. April gedreht wurde, aber nach dem 11. April, da der Sturz des sudanesischen Dauerregenten Omar al-Bashir darin erwähnt wird.

Welche Unterstützung der IS seinen internationalen Sympathisanten bietet, ist unklar. Sie könnte allerdings durchaus beträchtlich sein: Einst war der IS die reichste Terrorgruppe der Welt. Und noch immer sollen die Dschihadisten Zugang zu mehreren Hundert Millionen Dollar haben. Experten glauben, dass der IS in Immobilien investierte und in erfolgreiche Unternehmen von Mittelsmännern. Zudem sollen die Dschihadisten dank der weitverbreiteten Korruption im Irak und in Syrien weiterhin Öl abzweigen können.

Demonstratives Unterstatement in der Aufnahme

Doch der vermeintliche IS-Chef tut so, als wäre es vorbei mit dem Luxusleben. Während Baghdadi 2014 in einer eleganten, schwarzen Kalifen-Robe und mit teurer Uhr am Handgelenk predigte, sitzt der mutmaßliche Baghdadi im neuen Video auf einem billigen Sitzkissen am Boden. Hinter ihm lehnt ein altes, automatisches Gewehr an der Wand. Er trägt ein bescheidenes, traditionelles Gewand und eine beige Weste, als wolle er gleich in die Schlacht ziehen. Dabei ist es sehr unwahrscheinlich, dass Baghdadi jemals kämpfte.

Das Sterben überlässt die IS-Führung lieber ihren Anhängern.

Im Video: Krieg im Namen Allahs - Inside IS

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insgesamt 49 Beiträge
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sabinehh512 30.04.2019
1. Einfach nur abstossend....
es bleibt zu hoffen, dass es sich bei dem Video um einen ungebildeten Doppelgänger handelt und dieser abartige Spuck bald ein Ende hat. Diese Leute sind dumm und feige, das Gleiche gilt für ihre Anhänger. Diese Art von Nichtmenschen gehören eingesperrt wenn nicht gar eliminiert, und ich frage mich womit sich die Navy Seals die ganze Zeit beschäftigen. Bei Osama bin Laden hat es doch auch geklappt. Arme kranke Welt!
frankfurtbeat 30.04.2019
2. bei ...
bei dem Anblick stellt sich mir die Frage in welchem Jahrhundert diese Menschen leben? Wohlgenährte fanatische Prediger schicken "einfache" Menschen in den Tod um ihre kranken Phantasien auszuleben. Wären die unterbreiteten Versprechen von 30 Jungfrauen etc. nur annähernd real, müssten die Anführer der Terrorgruppen längst dort sein. Problem an der ganzen Angelegenheit ist das wir noch immer Politiker haben welche die Meinung vertreten, das Multikulti die Lösung der Probleme ist und somit die religiöse Unterwanderung letztendlich legitimieren, weitere Parallelgesellschaften zulassen. Persönlich bin ich der Meinung das jegliche Religion letztendlich lediglich dazu dient die Massen zu steuern um die eigenen Ziele zu erreichen. Das war im Mittelalter so und ist auch heute noch in diversen Religionen gegeben. Alles ein Problem von Bildung und Armut ...
Hupert 30.04.2019
3. Na also! Hier ist der Beweis.
"Ausdrücklich werden Anschläge auf Franzosen in Burkina Faso und in Mali gewünscht." Auch wenn unsere zahlarmen Russlandfreunde zwecks Auslandseinsätzen wie den in Mali in kollektives Permanentlamento verfallen, scheinen die Franzosen und auch die Bundeswehr dort eine Menge richtig gemacht zu haben und zu machen. Das freut mich zu hören.
unixv 30.04.2019
4. Tja?!?
Werden jetzt mittlerweile eigentlich unsere " EU? Deutschland?!" Grenzen geschützt? Kommt man ohne Papiere noch immer bei uns rein? Man hört und liest darüber nichts mehr, warum? Es geht jetzt ganz klar dem Westen an den Kragen, wie hat unsere Elite vor, uns zu schützen? auch darüber hört und liest man nichts!?!? Oder geht das jetzt alles in Richtung de Maizièrer : Frei Zitiert : alles was ich ihnen sagen könnte, würde sie nur noch mehr beunruhigen? Wie ist der Plan?
Andreas P. 30.04.2019
5. Warum so eine Headline?
Warum verwendet der Spiegel so eine Headline und wird damit ungewollt zum Multiplikator dieser kranken Messages. "Jetzt kommt der Zermürbungskrieg". Das ist unqualifizierte Angstmache und copy/paste aus dem IS-Vokabular. Machen Sie sich mal Gedanken über eine neutralere oder sachlichere Überschrift. Das gleiche gilt (für alle Medien) wiederholt die Namen von Terroristen zu wiederholen (wie der vom Breitscheidplatz). Das macht Sie zu medialen Märtyrern und posthum berühmt. "Der Terrorist vom..." reicht. Diesen Verhaltenskodex solltet ihr mal intern und mit den Kollegen der anderen Medien besprechen. Danke!
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