Abu Ghureib General soll Verhörtaktiken gebilligt haben

Neue Dokumente belasten die US-Armeeführung. Laut „Washington Post“ hat der Oberkommandierende der Streitkräfte im Irak einen Katalog verschärfter Verhörmethoden selbst gebilligt.

Washington - Vor wenigen Wochen wurde der erste amerikanische Folterknecht, der US-Soldat Jeremy C. Sivits, 24, in Bagdad verurteilt. Doch sein General amtiert noch immer unbehelligt.

Das könnte sich bald ändern. Immer deutlicher werden die Indizien, dass die Misshandlungen im Gefängnis von Abu Ghureib nicht von einigen durch geknallten Soldaten im Alleingang begangen wurden, wie die US-Armeeführung wiederholt darzulegen versuchte.

Laut einem Bericht der "Washington Post", die sich auf interne Armee-Dokumente beruft, hat der Oberkommandierende der US-Streitkräfte im Irak, General Ricardo Sanchez, die Anwendung intensiver Verhörmethoden im Folterknast selbst genehmigt. Der General habe dem Personal im Gefängnis von Abu Ghoreib Dafür freie Hand gegeben. Insgesamt habe Sanchez im September vergangenen Jahres 32 verschiedene Methoden aus einer Liste von Taktiken ausgewählt, die bereits zuvor im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba angewendet worden seien.

Einige noch extremere Mittel habe der Befehlshaber dann aber im Oktober wieder gestrichen, nachdem sie von Offizieren im insgesamt für die Golfregion zuständigen US-Zentralkommando abgelehnt worden seien.

Dem Blatt zufolge hatte das Personal unter anderem freie Bahn für eine mehr als 30-tägige Isolation von Gefangenen und die Versorgung lediglich mit Wasser und Brot. Wie es weiter hieß, durften Militärhunde zur Einschüchterung verwendet, die Gefangenen extremen Temperaturen ausgesetzt und bis zu 45 Minuten lang in äußerst unbequemen Positionen gehalten werden. Sanchez habe diese Methoden erst untersagt, als die Schreckensbilder von Gefangenenmisshandlungen durch US-Soldaten im Mai rund um die Welt gegangen seien.

Zu den Taktiken, auf die der General wegen Einspruchs des Zentralkommandos verzichtete, gehörten nach Angaben der Zeitung der Entzug religiöser Gegenstände und Maßnahmen zur Erniedrigung der Gefangenen. US-Armee-Offizielle haben bisher lediglich eingeräumt, dass Sanchez Isolationshaft angeordnet habe. Die Misshandlungen dagegen, die weltweit für Empörung gesorgt hatten, seien dagegen von einzelnen Soldaten jenseits der Vorschriften begangen worden.

Ende Mai war bekannt geworden, dass die US- Regierung offenbar die Ablösung Sanchez' erwägt. In US-Kreisen hieß es jedoch, dies stehe nicht mit den Vorfällen in Abu Ghraib in Verbindung.