Abu Ghureib Häftlinge proben Aufstand im Skandalgefängnis

Im berüchtigten US-Gefängnis Abu Ghureib im Irak haben Dutzende Häftlinge zum Teil mit Gewalt gegen ihre Wärter aufbegehrt. Erst eine Eingreiftruppe konnte die Proteste unter Kontrolle bekommen. In anderen Teilen des Landes kam es zu neuen Anschlägen.


Abu Ghureib (Archiv): Proteste im Gefängnis
DPA

Abu Ghureib (Archiv): Proteste im Gefängnis

Bagdad - Wie das US-Militär heute mitteilte, hatte in der Nacht zunächst ein Gefangener versucht, im Schutze der Dunkelheit zu fliehen. Laut US-Armee wurde der Ausbrecher von den Wächtern gefangen. Daraufhin hätten Häftlinge in mehreren Zellen damit begonnen, Steine auf die tragbaren Licht-Generatoren und die Wächter zu werfen. Eine schnelle Eingreiftruppe habe den Aufstand unter Kontrolle gebracht. Vier Wärter und sechs Häftlinge seien leicht verletzt worden. Ein Teil der Gefangen in Abu Ghureib ist trotz des heißen irakischen Sommers in Zelten untergebracht.

In dem berüchtigten Gefängnis von Abu Ghureib hatte Ex-Präsident Saddam Hussein politische Häftlinge foltern und hinrichten lassen. Vor mehr als einem Jahr war die Haftanstalt in die Schlagzeilen geraten, nachdem Fotos die Misshandlung irakischer Häftlinge durch US-Militärs in dem nun von den Amerikanern genutzten Gefängnis belegt hatten. Mehrere Soldaten wurden inzwischen verurteilt. Die US-Armee hält in Abu Ghureib derzeit nach eigenen Angaben rund 3500 Menschen fest.

Anschläge im Minutentakt

Bei vier Selbstmordanschlägen im Nordirak sind mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Nach offiziellen Angaben wurden 39 weitere Personen verletzt. Die Bomben explodierten binnen sieben Minuten in den Städten Hawija, Bagara und Dibis. Am Morgen explodierte auch in Bagdad eine Autobombe. Nach Angaben eines Polizeisprechers gab es dabei 28 Verletzte.

In Hawija rund 240 Kilometer nördlich von Bagdad explodierte zunächst eine Bombe an einer Straße. Anschließend verübten drei Selbstmordattentäter Anschläge auf Kontrollpunkte der irakischen Streitkräfte in Bagara, Dibis und nahe Hawija. Polizeisprecher Ahmed Hamud sagte, die drei Autobombenanschläge seien koordiniert gewesen.

Der folgenschwerste Anschlag war der in Dibis. Hier wurden zehn Zivilpersonen und ein Soldat in den Tod gerissen. Unter den Toten in Bagara waren nach Angaben der Streitkräfte drei Soldaten. Außerdem wurden zwei Zivilpersonen getötet. In Hawija starben zwei Soldaten.

Zwei US-Marineinfanteristen erlagen ihren Verletzungen, die sie sich bei zwei Bombenanschlagen bei Falludscha zugezogen hatten, wie die US-Streitkräfte heute mitteilten. Hunderte amerikanische und irakische Soldaten starteten unterdessen in Tal Afar nahe der syrischen Grenze eine neue Offensive gegen Aufständische. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden in der Stadt 20 mutmaßliche Rebellen gefangen genommen. In den vergangenen Woche war es dort zu zahlreichen Anschlägen auf die irakischen Sicherheitskräfte gekommen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.