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Zeichnungen eines Gefolterten: Der CIA ausgeliefert

Foto: Anonymous/ AP/dpa

"Erweiterte Verhörtechniken" Ein Opfer der CIA-Folter zeichnet sein Leiden

"Wir haben Leute gefoltert", so lapidar hat es Ex-US-Präsident Obama einst zusammengefasst. Der Häftling Subaida wurde von der CIA gefoltert und hat das in Zeichnungen festgehalten, die "New York Times" hat sie veröffentlicht.

Der Gefangene ist nackt, sein Kopf geschoren, die Augen sind vor Schmerzen zusammengekniffen. Seine Hände sind an eine Stange über seinem Kopf gekettet, so hoch, dass er nur auf Zehenspitzen stehen kann. Der Mund öffnet sich zu einem Schrei.

Die bedrückende Zeichnung zeigt das sogenannte "Wall Standing", eine der Foltermethoden, von denen der US-Geheimdienst CIA beim Kampf gegen Al-Qaida nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Gebrauch machte. Angefertigt wurde sie vom Guantanamo-Insassen Zain al-Abidin Mohammed Hussein, besser bekannt als Abu Subaida.

Sein Anwalt Mark P. Denbeaux, Professor an der Seton-Hall-Universität im Bundesstaat New Jersey, hat sie nun in einem Bericht  veröffentlicht. Der Titel des 94-seitigen Reports: "Wie Amerika foltert". Der Jurist dokumentiert und analysiert darin das Entführungs- und Verhörprogramm der CIA während der Regierung von Präsident George W. Bush.

In dem Programm entführte die CIA zwischen 2002 und 2008 mindestens 119 Terrorverdächtige. Mit Flugzeugen wurden die Männer an sogenannte "Black Sites" verschleppt: Geheimgefängnisse unter anderem in Afghanistan, Litauen, Polen und Thailand.

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats kam 2014 in einem Bericht  zum Schluss, dass dort systematisch gefoltert wurde. Am Ende des mehr als 500 Seiten langen Dokuments findet sich eine Liste aller Personen, die der Geheimdienst in diesen Jahren festhielt. Der erste Name darauf: Abu Subaida.

Der Palästinenser, heute 48 Jahre alt, wurde im März 2002 in Pakistan gefasst. Die CIA verdächtigte ihn, ein wichtiger Al-Qaida-Leutnant mit Verbindungen zu Osama Bin Laden zu sein und im Voraus von den Anschlägen vom 11. September gewusst zu haben. Er war der Erste, den die CIA den "erweiterten Verhörtechniken" - so die verharmlosende Bezeichnung der Bush-Regierung - unterzog. 2002 waren die Methoden von der Administration des damaligen Präsidenten genehmigt worden, zunächst eigens für den Fall Subaida.

Subaidas Zeichnungen, in den vergangenen Monaten für die Studie seines Anwalts angefertigt, zeigen mehrere dieser Foltermethoden. Nach eigenen Angaben erlitt er die Qualen im August 2002 in einem Geheimgefängnis in Thailand. Die Illustrationen geben einen verstörend detaillierten Einblick in den Krieg gegen den Terror: Folter, dargestellt aus der Sicht des Gefolterten.

Die Zeichnungen gehen in ihren Details teilweise über das hinaus, was die meisten bisher bekannten Darstellungen zeigen. Das gilt etwa für das sogenannte Waterboarding, die wohl berüchtigtste der "erweiterten" Verhörmethoden.

Subaida war der Erste, der ihr unterzogen wurde. Ganze 83 Mal kam die Foltertechnik bei ihm zum Einsatz. Seine Darstellung zeigt einen nackten Gefangenen auf einer Liege, die Kopfstütze ist mit einem Scharnier befestigt. Demnach wäre es möglich gewesen, den Kopf des Gefangenen nach hinten zu kippen.

Das Waterboarding habe zu "Krämpfen und Erbrechen" geführt, heißt es im Senatsbericht aus dem Jahr 2014. Es habe Subaida "teilnahmslos" gemacht; "Bläschen stiegen empor in seinem offenen, vollen Mund". Der Geheimdienstausschuss konstatierte, das Waterboarding sei "brutal und weit schlimmer als von der CIA dargestellt" gewesen.

Abu Subaida (Archivfoto): Der Erste, der dem Folterprogramm unterzogen wurde

Abu Subaida (Archivfoto): Der Erste, der dem Folterprogramm unterzogen wurde

Foto: AP

Andere Zeichnungen zeigen "Stresspositionen" und Schlafentzug. So wurde Subaida nach eigener Darstellung in einer schmerzhaften Position auf dem Boden gefesselt. Dies habe dazu geführt, dass er "vielleicht zwei oder drei Wochen oder sogar länger" nicht geschlafen habe, wird der Palästinenser in Denbeaux' Bericht zitiert.

Auf einer anderen Illustration ist zu sehen, wie er in eine Kiste gezwängt wird, so klein, dass er nur zusammengekauert und bewegungsunfähig darin verharren konnte. Er habe "unzählige Stunden" in dieser "Hunde-Box" verbracht, sagte Subaida seinem Anwalt.

Schließlich enthält der Bericht eine Darstellung des sogenannten "Wallings": Der Gefangene steht nackt und gefesselt an einer Wand. Ein Wärter hat ein Handtuch um seinen Hals gebunden und schlägt den Kopf des Gefangenen gegen die Wand.

2015 wurde Folter bei Verhören verboten

Der US-Kongress zog im Juni 2015 Konsequenzen aus dem Bericht des Geheimdienstausschusses: Er verabschiedete mit großer Mehrheit ein Gesetz, das die "verschärften Verhörmethoden" verbietet. Eine treibende Kraft hinter der Initiative war der inzwischen verstorbene Senator John McCain. Er selbst war in Vietnam als Kriegsgefangener gefoltert worden.

Subaida verbrachte mehr als vier Jahre in "Black Sites". Seit Herbst 2006 sitzt der heute 48-Jährige im Gefangenenlager auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo im Osten Kubas. Das US-Verteidigungsministerium hält ihn weiterhin für einen Dschihadisten, der sich "wahrscheinlich eine extremistische Geisteshaltung bewahrt hat".

Allerdings räumte die Regierung schon vor Jahren ein, dass Subaida nicht das hochrangige Al-Qaida-Mitglied ist, für das man ihn bei seiner Ergreifung hielt. Laut der "New York Times" war er nicht einmal Mitglied der Terrorgruppe. Auch hatte er vor dem 11. September 2001 keine Kenntnis von den geplanten Anschlägen. Er wurde bis heute nicht angeklagt. Gerichtsakten zeigen, dass die Militärstaatsanwälte auch für die Zukunft keine Anklage planen.