Australien Brachte Accor-Hotel Aborigines absichtlich schlechter unter?

Niedrigerer Standard, dazu nicht sauber: Der Sender ABC berichtet, dass es in einem Hotel der Accor-Gruppe bestimmte Zimmer für Angehörige der australischen Ureinwohner gab. Das Unternehmen kündigt Aufklärung an.

Accor-Zentrale in Paris
REUTERS

Accor-Zentrale in Paris


Die französische Hotelgruppe Accor prüft Berichte über Diskriminierung australischer Ureinwohner in einem ihrer Hotels auf dem Kontinent. Wie der Sender ABC berichtet, soll Hotelpersonal in Zentralaustralien angehalten worden sein, Angehörige der Aborigines gezielt in schlechteren Zimmern unterzubringen.

Die Hotelgruppe habe dazu eine interne Untersuchung eingeleitet, sagte ein Accor-Sprecher. Der ABC-Bericht stützt sich auf eine interne Email: Darin seien Mitarbeiter des Ibis-Styles-Hotels in Alice Springs angewiesen worden, Aborigine-Gäste in einem von sechs eigens dafür vorgesehenen Zimmern unterzubringen. Diese hätten einen schlechteren Standard aufgewiesen als die anderen Zimmer.

ABC nahm daraufhin selbst zwei Buchungen vor: eine mit Gästen, die von den Ureinwohnern abstammen, sowie eine mit nicht-indigenen Gästen. Zwar wurde beiden Gruppen der gleiche Betrag in Rechnung gestellt, die Aborigines erhielten aber schlechtere Zimmer. Diese seien schmutziger und in einem schlechteren Zustand gewesen.

Ein Hotel-Mitarbeiter sagte dem Sender, die schlechtere Unterbringung der Ureinwohner sei seit Beginn der Anweisung im Juni 2018 Hunderte Male umgesetzt worden.

"Schwere Sanktionen"

Accor verwies auf seine "Politik der Diversität und Inklusion, welche Kulturen, Herkunft und örtliches Recht respektiert". Die Hotelgruppe, zu der auch die Ketten Pullman, Raffles, Novotel und Mercure gehören, kündigte an, in dem Fall in Australien "schnell und entschlossen zu handeln".

Der für Australiens Ureinwohner zuständige Minister Nigel Scullion bezeichnete "ein solches Vorgehen australischer Unternehmen" wie das des Hotels in Alice Springs als "vollkommen inakzeptabel". Er verwies darauf, dass das australische Anti-Diskriminierungsgesetz "schwere Sanktionen" vorsehe.

Die Ureinwohner Australiens machen rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung von 25 Millionen Menschen aus und sind die am meisten benachteiligte Gruppe. Die Arbeitslosigkeit unter den Aborigines ist drei bis vier Mal so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Die Selbstmordrate unter Aborigine-Kindern ist laut Statistikbehörde fünf Mal so hoch wie in der übrigen Bevölkerung.

mho/AFP

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