Ägäis Türkische Fregatten überwachen deutsches Forschungsschiff

Ein deutsches Forschungsschiff ist in der Ägäis tagelang von türkischen Kriegsschiffen überwacht worden, weil Ankara seine Hoheitsrechte verletzt glaubte. Die Deutschen sehen sich im Recht, wollen in dem umstrittenen Meeresabschnitt aber künftig vorsichtiger agieren.


"Wir sind mehrere Tage lang von türkischen Fregatten beobachtet und begleitet worden", bestätigte Kapitän Michael Schneider heute gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die drei Schiffe hätten sich der "Poseidon" bis auf etwa 400 Meter genähert, auch ein Boot der griechischen Küstenwache sei aufgetaucht. Inzwischen seien alle Kriegsschiffe wieder verschwunden. Die Arbeit der 15-köpfigen Besatzung, die nördlich von Kreta geologische und seismologische Untersuchungen durchführt, sei nicht behindert worden.

"Solche Kontrollen sind durchaus üblich", sagte Thomas Müller, der die Forschungsfahrt der "Poseidon" von Kiel aus koordiniert. So werde das 60 Meter lange Schiff auch bei Arbeiten vor der spanischen Küste gelegentlich von Hubschraubern überwacht. Man habe erst über eine Schiffsagentur auf Kreta erfahren, dass die Anwesenheit der "Poseidon" in griechischen Medien für Schlagzeilen sorgte. Das Schiff habe sich wegen des Vorfalls aber nicht, wie gestern gemeldet, in die griechische Sechs-Meilen-Zone zurückgezogen. Es forsche weiterhin sowohl in griechischen als auch internationalen Gewässern.

Weil die Grenzen der internationalen Gewässer in der Ägäis nach Ansicht der Türkei nicht definiert sind, hatte Ankara vergangene Woche in Berlin protestiert. Die Forschungsfahrt hätte nach türkischer Meinung in beiden Ländern genehmigt werden müssen. "Unsere Rechtsauffassung ist eine andere", kommentierte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Man sei aber jetzt für die Empfindlichkeiten in der seit Jahren zwischen Griechenland und der Türkei umstrittenen Ägäis "sensibilisiert". Für die nächste Fahrt der "Poseidon", die Ende des Monats in Athen einlaufen wird, soll der Form halber auch in Ankara eine Genehmigung eingeholt werden.

dbg/dpa



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