Ägypten 20.000 Polizisten sichern Prozess gegen Mursi

Kairo ist im Ausnahmezustand, das Verfahren gegen den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi hat begonnen. Ihm wird Aufruf zum Mord vorgeworfen. Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um neue Gewalt zu verhindern.

Sicherheitskräfte vor dem Prozessgebäude: Angst vor gewaltsamen Protesten
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Sicherheitskräfte vor dem Prozessgebäude: Angst vor gewaltsamen Protesten


Kairo - Vier Monate ist sein Sturz her, jetzt muss sich Mohammed Mursi einem Strafprozess stellen. Am Montag hat sein Verfahren in einer Polizeiakademie am östlichen Stadtrand von Kairo begonnen. Das berichten staatliche Medien.

Der ehemalige Staatschef Ägyptens wurde zuvor in einem Hubschrauber zum Prozessort gebracht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Präsidenten und 14 anderen Funktionären der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft vor, sie hätten ihre Anhänger zur Tötung von oppositionellen Demonstranten im Dezember 2012 angestiftet. Konkret lautet die Anklage gegen Mursi "Aufruf zum Mord".

Hunderte Anhänger der entmachteten Islamisten protestierten am Morgen vor der Polizeiakademie. Sie riefen: "Islamisch, islamisch, Ägypten bleibt islamisch." Ein Demonstrant trug ein Transparent mit der Aufschrift "Vergewaltigung des Willens des Volkes".

Der Prozess droht, die Spannungen im Land wieder anzuheizen. Vorsorglich mobilisierte das Innenministerium 20.000 Polizisten, um den Behelfs-Gerichtssaal im Kairoer Stadtteil Tora zu sichern.

Es ist der erste öffentliche Auftritt des Ex-Präsidenten, seit er am 3. Juli nach Massenprotesten vom Militär entmachtet worden war. Seitdem wird der 62-Jährige an einem geheimen Ort abgeschottet von der Umwelt festgehalten. Mursi war der erste frei und demokratisch gewählte Staatschef Ägyptens. Die Islamisten weigern sich, den Sturz Mursis anzuerkennen.

Die ägyptische Website "youm7" berichtete, die Verteidiger hätten "Überraschungen" angekündigt. Mursi selbst werde ohne Anwalt vor Gericht stehen, hatten seine Anhänger erklärt. Damit wolle er deutlich machen, dass dieser Prozess illegitim sei.

Am Sonntag hatte US-Außenminister John Kerry Ägypten besucht - es war der erste Besuch eines hohen US-Regierungsvertreters seit dem Sturz von Mursi. Kerry sagte Ägyptens Interimskabinett Unterstützung zu, mahnte aber faire und freie Wahlen an.

heb/dpa/AFP/AP

insgesamt 5 Beiträge
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Meckerliese 04.11.2013
1. so kanns gehen
Erst den grossartigen Präsidenten spielen und morden lassen und nun steht er vor der Todesstrafe. So kann es auch gehen. Hoffentlich kapieren dort mal einige etwas. Aber ich glaube das Mittelalterdenken ist nicht auszurotten solange er noch so viele Anhänger hat.
hubertrudnick1 04.11.2013
2. Abrechnung
Zitat von sysopREUTERSKairo ist im Ausnahmezustand, es beginnt das Verfahren gegen den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Ihm wird Aufruf zum Mord vorgeworfen. Tausende Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um neue Gewalt zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-20-000-polizisten-sichern-prozess-gegen-mursi-a-931562.html
Das alles gibt eine schlechte Sicht auf die Entwicklung von Ägypten her, es ist nur eine Abrechnung, so wie es diktatorischen Staaten tun, die Freiheit und Demokratie in Ägypten haben verloren. Eine Revolution anzetteln und sie mit aller Macht umsetzen ist das eine, aber eine gesellschatliche Entwicklung danach zu vollziehen, dass schaffen nur die wenigsten.
biggigensler 04.11.2013
3. Ägyptenfan
Ich bin nicht für Mursi,aber es gibt noch keinen Präsidenten und das Militär,daß will richtigen? Ausgerechnet das. ... Mubarak wurde nicht hart bestraft.
cairo55 04.11.2013
4. Mursis Abenteuer
Kann es sein, dass ein Plan dahintersteckt: Öl ins Feuer gießen, bis die Islamisten kochen und dann kann man nur noch mit dem Polizei- bzw Militärstaat kommen? Mit der Mehrheit der Ägypter hat man es dabei leicht, denn da finden sich fast ausschließlich politische (oder religiöse) Ultras: Fanatiker, die nur eine Seite, diese aber bedingungslos unterstützen. Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft sucht man vergeblich. Die Minderheit der Vernünftigen und Gemäßigten egal welcher politischen Couleur kann nur fassungslos zusehen, wie nach dem unheilvollen islamistischen Abenteuer mit Mursi und den Muslimbrüdern die Roadmap in Richtung Demokratie immer unrealistischer wird.
berlinnews 04.11.2013
5. Herr Obama, Herr Alexander, absetzen und vor Gericht?
Wer sind wir das wir mithelfen? Suchen wir Lösungen? Wollen wir die Verstehen? Vielleicht sind sie Täter und nicht Macher. Aber leben wir der Welt eine bessere Welt vor? Auch bei uns in Europa und USA ist das Volk zum Dreck verkommen. Frau Merkel benimmt sich wie etwas gekauftes, anderweitig auch Hure benannt. Druck erzeugt Gegendruck. Wenn wir beim wegducken nicht schnell genug sind bluten auch wir. Wozu dieser Irrsinn auf diesem verlassenen Planeten, nichts um uns herum nichts!!
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