Ägypten Anschlag auf Gas-Pipeline nach Israel

Zum dritten Mal seit dem politischen Umbruch in Ägypten haben Saboteure einen Anschlag auf eine Gas-Pipeline verübt. Die Lieferungen nach Jordanien und Israel mussten eingestellt werden. Viele Ägypter lehnen die Gas-Lieferungen wegen der israelischen Besatzungspolitik ab.

Explosion an Gaspipeline: Lieferungen nach Israel unterbrochen
DPA

Explosion an Gaspipeline: Lieferungen nach Israel unterbrochen


Ismailia - Bewaffnete maskierte Männer hätten am Montagmorgen im ägyptischen Bezirk Bir al-Abed eine Explosion an der Pipeline ausgelöst, berichteten Augenzeugen. Die Angreifer seien mit Maschinengewehren bewaffnet gewesen und hätten die Arbeiter des staatlichen Energiekonzerns Gasco gezwungen, eine Pumpstation etwa 60 Kilometer östlich des Suez-Kanals zu verlassen. Über dem Ort sei eine hohe Rauchsäule aufgestiegen. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht.

Der Gouverneur der Provinz Nord-Sinai, Abdulwahab Mabruk, sagte, die Saboteure hätten einen Zeitzünder benutzt. Der Anschlag sei ein Verbrechen, da dadurch nicht nur die Exporte beeinträchtigt würden, sondern auch die Stromversorgung auf dem Sinai und die Produktion in einer nahe gelegenen Zementfabrik. In Folge des Überfalls seien die Gas-Lieferungen nach Israel und Jordanien eingestellt worden, sagten Vertreter der ägyptischen Sicherheitsbehörden am Montag.

Der Außenminister der ägyptischen Übergangsregierung, Mohammed al-Orabi, hatte kurz vor dem Anschlag in einem Interview erklärt, sein Amt werde demnächst über die Frage der Gas-Exporte nach Israel beraten. Zunächst müssten allerdings die internen Reformen im Ministerium abgeschlossen werden.

Viele Ägypter lehnen die Gas-Lieferungen an den jüdischen Staat wegen der israelischen Besatzungspolitik ab. Es ist bereits das dritte Mal binnen weniger Monate, dass Unbekannte die Gas-Pipeline sabotieren. Nach zwei ähnlichen Anschlägen Anfang Februar und Ende April fielen die Lieferungen nach Israel und Jordanien für mehrere Wochen aus.

An dem umstrittenen Gas-Geschäft ist der ägyptische Geschäftsmann Hussein Salim beteiligt, der auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Im Juni war er in Spanien unter Korruptionsverdacht festgenommen und anschließend gegen eine hohe Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Salim, der einst als Vertauter von Ex-Präsident Husni Mubarak galt, wird von der ägyptischen Justiz per Haftbefehl gesucht. Er soll sich kurz vor der Entmachtung Mubaraks im vergangenen Februar aus Ägypten abgesetzt haben.

ler/Reuters/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Oshogun, 04.07.2011
1. .
Die Luft für Israel wird zunehmend dünner. Mit dem Sturz Mubaraks wird sich auch die Politik Ägyptens gegenüber Israel merklich verändern. Ich befürchte das ich noch zu meinen Lebzeiten das Ende des israelischen Staates erleben werde, zumal auch die USA als Schutzmacht immer zurückhaltender wird
Abraksara 04.07.2011
2. Nach-Mubarak-Ägypten
Zitat von sysopZum dritten Mal seit dem politischen Umbruch in Ägypten haben Saboteure einen Anschlag auf eine Gaspipeline verübt. Die Lieferungen nach Jordanien und Israel mussten eingestellt werden. Viele Ägypter lehnen die Gas-Lieferungen an den jüdischen Staat wegen der israelischen Besatzungspolitik ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,772334,00.html
Die herrschende von Mubarak ins Amt gehobene Militär-Clique ist trotz riesengroßer Armee schlichtweg überfordert wie mit allen Aufgaben im Nach-Mubarak-Ägypten und nicht im Stande, die Gas-Leitung zu schützen trotz unzähliger Militär-Camps und Check-Points im Sinai. Die alten Militärs feiern sich derweil selbst in Alexandria und Kairo mit aufwendigen Paraden und Manövern wie ihr einstiges Vorbild Mubarak, als hätte man in Ägypten keine weiteren Sorgen. Das Land stagniert, kein Progress seit der Revolution und das Volk ist sauer und bedient von den jetzigen alten Militär-Köpfen. Das Land versinkt und verkommt weiterhin in seiner maroden Infra-Struktur, während die Militärs sich stolz selbst auf die Schulter klopfen.
Frank.W, 04.07.2011
3. Leider...
...ist viel zu viel Zeit mit Hochmut und Eitelkeiten verschenkt worden um pragmatische Lösungen zu finden! Ob das im jetzigen Wandel noch gelingt muß ich leider bezweifeln, dafür haben zuviele von den politischen Grabenkämpfen profitiert... Wollen wir hoffen, dass es doch besser kommt wie von manchen Apokalyptikern prophezeit....
atherom 04.07.2011
4. Totgeglaubte leben länger. Hoffentlich.
Zitat von OshogunDie Luft für Israel wird zunehmend dünner. Mit dem Sturz Mubaraks wird sich auch die Politik Ägyptens gegenüber Israel merklich verändern. Ich befürchte das ich noch zu meinen Lebzeiten das Ende des israelischen Staates erleben werde, zumal auch die USA als Schutzmacht immer zurückhaltender wird
Das werden wir noch alles sehen. Was und wo sich ändern wird, kann man noch gar nicht absehen (oder konnten Sie mal ahnen, dass in den Universitätskantinen Deutschlands halal serviert wird?), die Welt dreht sich unaufhaltsam - nicht nur der Nahe Osten. Was das "umstrittene Geschäft" anbetrifft, so sollte man bedenken, dass Israel mal Sinai besetzt hielt und zurückgab. Trotz Öl, trotz Gas - Israelis haben auch die Quellen dort erschlossen. Wenn das kein Beweis für Friedenswillen ist? Im Übrigen gibt es gewaltige Gasvorkommen vor Israels Küste... Vielleicht sind USA zurückhaltender, aber Sie werden mir zustimmen, dass es USA immer besser werden als Schutzmacht, als Deutschland, oder? Zu Ihren Lebzeiten werden Sie mit Sicherheit Libanisierung Europas, Deutschlands, Berlins erleben. Für Israel müssten Sie sehr, sehr alt werden. Wenn überhaupt.
crycrycry 04.07.2011
5. nanana, nicht so skeptisch!
Zitat von OshogunDie Luft für Israel wird zunehmend dünner. Mit dem Sturz Mubaraks wird sich auch die Politik Ägyptens gegenüber Israel merklich verändern. Ich befürchte das ich noch zu meinen Lebzeiten das Ende des israelischen Staates erleben werde, zumal auch die USA als Schutzmacht immer zurückhaltender wird
zuerst einmal wünsche ich ihnen noch ein langes Leben. Darüberhinaus ist Israel immer noch ein starker und vor allem demokratisch legitimierter Staat. Im Industrie- und Wirtschaftssektor sind sie in Sachen IT und Computer ganz weit vorne mit dabei. Die USA konzentrieren sich vielleicht mehr auf ihre eigenen Belange, aber sie werden nicht zusehen wie die einzige Demokratie im Nahen Osten wie auch immer beschädigt wird.
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