Ägypten Bombenanschlag auf Polizeigebäude in Kairo

Bei einem Attentat auf ein Polizeigebäude in Kairo sind sechs Polizisten verletzt worden. Diese Zahl nennt die Regierung. Ägyptens Medien müssen diese Angaben widerspruchslos übernehmen, andernfalls drohen ihnen hohe Geldstrafen.

Tatort in Kairo: "Es war wie ein Erdbeben"
DPA

Tatort in Kairo: "Es war wie ein Erdbeben"


Die Explosion war fast überall in Kairo zu hören: Vor einem Polizeigebäude im Norden der Stadt ist in der Nacht eine Autobombe detoniert. Der Sprengsatz hinterließ vor dem Eingang einen Krater mit etwa einem Meter Durchmesser. "Es war wie ein Erdbeben", beschrieb ein Anwohner die Wucht der Explosion.

Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums wurden sechs Polizeibeamte verletzt. Die Medien müssen diese offiziellen Zahlen übernehmen, andernfalls drohen Journalisten empfindliche Geldstrafen. So sieht es das Anti-Terror-Gesetz vor, das Staatschef Abdel Fattah el-Sisi Anfang der Woche in Kraft gesetzt hat. Eigene Recherchen der Reporter sind damit potenziell strafbar.

Die Version des Innenministeriums geht so: Ein Unbekannter habe in der Nacht ein Auto vor dem Gebäude der Staatssicherheitspolizei im Stadtbezirk Schubra abgestellt und sei dann auf einem Motorrad geflüchtet, teilte das Ministerium mit. Kurz darauf sei das Auto explodiert.

Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichtete, stürzte die Außenwand des vierstöckigen Gebäudes ein, und die Fensterscheiben des Gebäudes und der benachbarten Häuser gingen zu Bruch.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. In Kairo hatte zuletzt die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) einen Autobombenanschlag auf das italienische Konsulat im Zentrum der Stadt verübt. Bei dem Attentat am 11. Juli wurde ein Passant getötet.

syd/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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Bernhard.R 20.08.2015
1. Bürgerkrieg in Ägypten
Es war vorherzusehen. Auch Ägypten wird im Bürgerkrieg versinken. Statt den Militärputsch zu verurteilen und die Putschisten international zu ächten, hat Merkel den roten Teppich ausgerollt. Damit wurde das grausige Regime gestärkt. Die deutsche Unterstützung des Schlächters vom Nil birgt nicht nur die Gefahr von Anschlägen in Deutschland, sondern auch von einer weiteren Welle von Bürgerkriegsflüchtlingen, die über das Mittelmeer kommen.
poco4 20.08.2015
2. Eskalation
Wenn die Eskalationen zwischen staatlicher Unterdrückung einerseits und Terrorismus andererseits so weitergehen, bekommen wir bald auch aus Ägypten Flüchtlingsboote. Lange dauert es nicht mehr.
Nubari 20.08.2015
3. Fahrplan in den Krieg
Ich kann nicht schreiben, was ich möchte, denn ich lebe in Ägypten. Jedes freie Wort kann als Unterstützung des Terrorismus gewertet und mit wirklich extremen Strafen belegt werden. Militärisches Denken hilft nicht bei der Bewältigung politischer Probleme. Obendrein ist der militärisch geführte Kampf gegen den IS im Nordsinai ist ziemlich erfolglos. So wird die Polarisierung in gut und böse (entweder absolut hinter der Regierung oder böse) die Spirale der Gewalt wohl weiter in Bewegung halten, weil es keine politischen Ebenen und Medien mehr gibt, auf denen eine Auseinandersetzung oder Diskussion stattfinden könnte.
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