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24. Juli 2013, 11:17 Uhr

Ägypten

Ein Toter nach Bombenanschlag auf Polizeistation

Der Sprengsatz wurde aus einem Auto geworfen - in der ägyptischen Provinz Dachalia im Nildelta ist eine Bombe vor einer Polizeistation explodiert. Ein Mensch starb bei dem Anschlag, 28 erlitten Verletzungen.

Mansura - Bei einem Attentat auf eine Polizeiwache in der ägyptischen Provinz Dachalia ist ein Mensch getötet worden. 28 weitere seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die Explosion habe sich im Zentralkommissariat von Mansura, der Hauptstadt der Provinz im Nildelta, ereignet.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Bei dem Todesopfer handelte es sich Staatsmedien zufolge um einen Polizisten.

Unbekannte hätten den Sprengsatz von einem fahrenden Auto aus auf die Wache in der Provinzhauptstadt Mansura geworfen, hieß es. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von zwei Bomben. Ein Berater von Präsident Adli Mansur sprach von einem "Terroranschlag".

Mursi-Anhänger attackiert

In der Hauptstadt wurden am frühen Mittwochmorgen bei Krawallen offenbar zwei Menschen getötet. Das teilten die Muslimbruderschaften auf ihrer Internetseite mit. Auch in Sicherheitskreisen war von zwei Toten die Rede. Anhänger des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi hatten sich erneut versammelt und seine Freilassung gefordert.

Wie eine Korrespondentin des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira berichtete, marschierten Mursi-Anhänger durch den Kairoer Stadtteil Heliopolis, als sie attackiert wurden. Die Demonstranten hätten gesagt, sie seien von unbekannten Bewaffneten beschossen worden. Dutzende seien verletzt worden.

Eine offizielle Bestätigung des Gesundheitsministeriums gebe es jedoch nicht, schrieb "al-Ahram". Gehad al-Haddad, der Sprecher der Muslimbruderschaft, beschuldigte im Kurznachrichtendienst Twitter Polizisten in Zivil als Täter.

Muslimbruderschaft bleibt bei Verweigerungshaltung

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis waren am Dienstag in Kairo mehrere Menschen getötet worden. 85 weitere Menschen hätten in der Nähe der Kairoer Universität Verletzungen erlitten, berichtete "al-Ahram" auf ihrer Webseite unter Berufung auf das ägyptische Gesundheitsministerium.

Die Muslimbruderschaft weigert sich weiter, an einem von Präsident Mansur angeregten Versöhnungstreffen teilzunehmen. Das erklärte ein Sprecher der Islamisten am Dienstagabend, wie die Zeitung "al-Ahram" berichtete. Auch die mit den Muslimbrüdern verbündeten Gruppen würden sich dem Dialog verweigern. Der Sprecher begründete die Haltung damit, dass sie die Übergangsregierung nicht anerkennen würden. Mansur hatte angesichts der tiefen Spaltung der ägyptischen Gesellschaft in einer Fernsehansprache am Dienstag erneut zu einer nationalen Aussöhnung aufgerufen.

Mursi, der erste frei gewählte Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes, war am 3. Juli vom Militär nach anhaltenden Massenprotesten abgesetzt worden. Er befindet sich seitdem an einem unbekannten Ort in Haft. Mursis Sohn Osama kündigte an, die Familie werde deswegen rechtliche Schritte gegen die Militärführung vor heimischen und internationalen Gerichten einleiten. Es gebe keine juristische Grundlage für die Festsetzung seines Vaters.

heb/Reuters/dpa

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