Ägypten Ex-Innenminister muss zwölf Jahre in Haft 

Ihm wurde Geldwäsche und Veruntreuung vorgeworfen - nun muss Ägyptens ehemaliger Innenminister Habib al-Adli für zwölf Jahre ins Gefängnis. Damit wurde erstmals seit dem Rücktritt von Präsident Mubarak ein ranghohes Mitglied aus dessen Regierung zu einer Haftstrafe verurteilt.

Politiker Habib al-Adli: Zwölf Jahre im Amt, zwölf Jahre ins Gefängnis
REUTERS

Politiker Habib al-Adli: Zwölf Jahre im Amt, zwölf Jahre ins Gefängnis


Kairo - Der ehemalige ägyptische Innenminister Habib al-Adli ist am Donnerstag in Kairo wegen Veruntreuung von Geldern zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Kairo verurteilte Adli wegen Geldwäsche und persönlicher Bereicherung. Er war unter dem gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak rund zwölf Jahre Innenminister.

Es war die erste Verurteilung eines ehemaligen ranghohen Mitglieds der Regierung Mubaraks zu einer Gefängnisstrafe seit dessen Rücktritt am 11. Februar. Adli hatte vor Gericht seine Unschuld beteuert. Ihm wird außerdem vorgeworfen, das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten während der Proteste gegen Mubarak angeordnet zu haben. Wegen dieser Anordnung muss er sich in einem gesonderten Prozess verantworten.

Laut der amtlichen Tageszeitung "El Ahram" hatte Adli dagegen ausgesagt, den Befehl zur gewaltsamen Auflösung der Massenproteste direkt vom Präsidenten erhalten zu haben.

Damit hatte er Mitte April die Spekulationen über einen möglichen Prozess gegen Mubarak genährt. Dabei könnte dem gestürzten Staatschef sogar die Todesstrafe drohen. Wenn die Justiz des Landes ihn der tödlichen Gewalt gegen Demonstranten zu Jahresbeginn für schuldig befinde, könne er gehängt werden, so "El Ahram" unter Berufung auf ein Gericht in der Hauptstadt.

Ermittlungen gegen Mubarak dauern noch an

Für den Fall, dass die Justiz Mubarak keinen Vorsatz nachweisen könne, sei mit einer lebenslangen Haftstrafe zu rechnen. Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen Mubarak würden mindestens sechs Monate dauern.

Bei den Massenprotesten, die am 11. Februar zum Sturz des Präsidenten führten, kamen nach offiziellen Angaben rund 800 Menschen ums Leben. Im Zuge der Ermittlungen wegen des gewaltsamen Vorgehens von Sicherheitskräften gegen Demonstranten wurden Mubarak und seine Söhne Gamal und Alaa am Mittwoch für 15 Tage in Untersuchungshaft genommen. Tags zuvor hatte Mubarak bei einem Verhör einen Herzanfall erlitten.

Der 82-Jährige hält sich seither zusammen mit seiner Frau Suzanne in einem Zivilkrankenhaus in Scharm al-Scheich auf. Gamal und Alaa wurden in ein Militärgefängnis in Kairo gebracht.

jok/Reuters/AFP



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