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Mohammed Mursi: Sturz und Fall des Muslimbruders

Foto: AFP/ Muslim Brotherhood Office

Ägyptens Ex-Präsident Mursi Stundenlange Verhöre im Geheimgefängnis

Der Streit um das Schicksal des ägyptischen Ex-Präsidenten treibt Millionen Menschen auf die Straßen. Das Militär hat Mohammed Mursi an einem geheimen Ort festgesetzt. Laut Nachrichtenagentur AP wird der Gefangene mehrere Stunden am Tag verhört und hat keinen Zugang zu Nachrichten.

Kairo - Etwa ein Jahr regierte Mohammed Mursi als ägyptischer Präsident. Seit seinem Sturz am 3. Juli wurde er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, er wird an einem unbekannten Ort festgehalten. Seine Anhänger begehren gegen die Entmachtung auf, der Konflikt zwischen Islamisten und Säkularen im Land spitzt sich zu. Für Dienstag ist ein "Millionenmarsch" in der Hauptstadt Kairo geplant.

Doch was passiert mit dem umstrittenen Ex-Staatsoberhaupt? Seit Freitag befindet sich Mursi, 61, formell in Untersuchungshaft, er wurde wegen Mordes und Verbindungen zur Hamas formell festgenommen.

In den vergangenen drei Wochen wurde er bereits ausgiebig verhört. Die Nachrichtenagentur AP hat nach Gesprächen mit sechs "gut informierten Quellen" im Militär und Sicherheitsapparat Details zu Haftbedingungen und Verhören erfahren .

Nur der militärische Geheimdienst hat demnach Zugang zu Mursi und befrage ihn mindestens einmal am Tag, manchmal bis zu fünf Stunden. Er werde isoliert: Mursi darf demnach weder Zeitungen lesen noch Fernsehen schauen. Wenn er nicht verhört wird, betet der Inhaftierte und liest den Koran. Der Ex-Präsident habe sich am Anfang geweigert, Fragen zu beantworten, kooperiere nun allerdings vorsichtig.

Die Behörden scheinen entschlossen, Mursi anzuklagen. Sie wollen unter anderem beweisen, dass er Staatsgeheimnisse an islamistische Gruppen verraten hat. Befragt wird Mursi dem Bericht zufolge daher nicht nur zu seinen Verbindungen zur Hamas, sondern auch zu seinen Auslandsreisen und Beziehungen zu Islamisten im Ausland.

"Wir haben zugelassen, dass mit Husni Mubarak einer der unseren vor Gericht kommt, also wird uns nichts davon abhalten, das (auch mit Mursi) zu tun", gab ein Vertreter des Militärs gegenüber AP offen zu. Mubarak stammte selbst aus dem Militär und stützte sich während seiner knapp 30 Jahre als Regierungschef auf die Armee. 2011 wurde er aus dem Amt gejagt, seither gibt es mehrere Prozesse.

Streng bewacht, mehrmals verlegt

Mursi wurde 2012 Präsident. Zunächst als "Ersatzrad" verspottet, weil er nur die zweite Wahl der Muslimbruderschaft für den Posten war, wandelte er sich zum gewieften Politiker. Er baute den Einfluss der Islamisten in der Gesellschaft aus.

Nun ist er dem Militär ausgeliefert. Mindestens dreimal sei er seit seinem Sturz in gepanzerten Fahrzeugen streng bewacht zwischen verschiedenen Einrichtungen des Verteidigungsministerium verlegt worden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des AP-Berichtes - vergangenen Freitag - sei er nahe Kairo festgehalten worden. Demnächst solle er in ein nicht-militärisches Hochsicherheitsgefängnis südlich der Hauptstadt verlegt werden.

Mursi beharrt in den Verhören darauf, dass er Ägyptens legitimer Präsident sei - man habe ihn daher mit Respekt zu behandeln. Den Angaben zufolge werden ihm Tonaufnahmen vorgespielt werden und Dokumente gezeigt, um ihn unter Druck zu setzen. Einmal habe der Ex-Präsident sarkastisch gefragt, warum ihm das Material vorgelegt werde - es gebe doch Video- und Tonaufnahmen von allem, was er während seiner Amtszeit getan habe.

Hunderte Muslimbrüder in Haft

Mursis Aussagen könnten allerdings noch politische Brisanz entfalten. Zum einen könnten sie in Prozessen gegen andere führende Politiker der Muslimbruderschaft verwendet werden. Mehrere Mitglieder der Führungsriege und rund 600 weitere Funktionäre wurden in den vergangenen Wochen verhaftet, Sonntagabend gab es zwei neue Festnahmen.

Zum anderen gibt es innerhalb der Regierung offenbar Überlegungen, die Muslimbruderschaft erneut zu verbieten. Die islamistische Gruppe wurde 1928 in Ägypten gegründet, sie verbreitete sich rasch in der islamischen Welt. 1954 wurde sie in Ägypten verboten, erst nach dem Sturz Mubaraks wurde das Verbot aufgehoben.

Der Einfluss der Muslimbrüder auf Mursi galt als extrem weitreichend während Mursis kurzer Präsidentschaft. Sollte die Gruppe tatsächlich wieder illegal werden, würde das den Konflikt in Ägypten deutlich verschärfen - und vermutlich neue Gewaltexzesse auf Kairos Straßen bringen. Ein Führungsmitglied der Muslimbruderschaft drohte bei AP bereits, dann werde eine neue "tragische Ära" in Ägypten beginnen.

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Tunesien und Ägypten: Kampf zwischen Islamisten und Säkularen

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kgp/AP/dpa
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