"Freitag der Wut" Ägypten fürchtet Zorn der Muslimbrüder

In Ägypten drohen neue Zusammenstöße: Islamisten und Muslimbrüder haben zu Großdemonstrationen und einem "Freitag der Wut" aufgerufen - ihre Gegner wollen Bürgerwehren bilden. In der Nacht kam es zu Angriffen auf Behörden und Polizeikasernen.
"Freitag der Wut": Ägypten fürchtet Zorn der Muslimbrüder

"Freitag der Wut": Ägypten fürchtet Zorn der Muslimbrüder

Foto: AMR ABDALLAH DALSH/ REUTERS

Kairo - Die Attacken von Islamisten auf Behörden in Ägypten gehen weiter. In der Nacht zum Freitag mussten Anwohner Ordnungspolizisten in der Provinz al-Minia helfen, ihre Kaserne zu verteidigen. Eine Gruppe von Islamisten wollte das Gebäude im Bezirk Abu Karkas stürmen. Augenzeugen berichteten dem Nachrichtenportal "youm7", die Polizeistation sei auch angezündet worden.

In der Stadt al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel wurde das Gebäude der Steuerbehörde in Brand gesetzt. Örtliche Medien berichteten außerdem, in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo seien am Freitagmorgen vor Ende der Ausgangssperre Schüsse zu hören gewesen.

Die Muslimbrüder und Parteien aus dem radikal-islamischen Spektrum haben für Freitagnachmittag zu neuen Protesten gegen das Militär und die Übergangsregierung aufgerufen. Einige radikale Islamisten forderten die Demonstranten über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, sich zu bewaffnen. Somit droht Ägypten zwei Tage nach der blutigen Räumung der Protestlager der Islamisten neue Gewalt.

"Tamarud" will mit Bürgerwehren Moscheen und Kirchen schützen

Von den Islamisten hieß es, man plane unter dem Motto "Freitag der Wut" friedliche Kundgebungen. Niemand könne jedoch garantieren, dass es nicht auch zu Gewalt und Brandanschlägen komme, sagte der Generalsekretär der Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung "al-Masri al-Jaum". Gerade junge Menschen seien sehr erzürnt. Die Demonstrationen sollen an allen Moscheen Kairos beginnen und Richtung Ramses-Platz führen, erklärt der Sprecher der Bruderschaft, Gehad al-Haddad, auf Twitter.

Auch die Protestbewegung Tamarud, die Ende Juni die Massenproteste gegen Präsident Mohammed Mursi organisiert hatte, rief die Bürger auf, am Freitag in ihren Wohnvierteln Bürgerwehren zu bilden, um ihre Häuser sowie die lokalen Moscheen und Kirchen vor möglichen Attacken der Islamisten zu schützen. Das ägyptische Staatsfernsehen strahlte am Abend den Aufruf von Mahmud Badr, dem Koordinator der Tamarud-Bewegung, aus. Er sagte, auch einfache Bürger seien in der Lage, zwischen friedlichen und bewaffneten Protesten zu unterscheiden.

Ägypten kritisiert Äußerungen Obamas

Zwischen den Verbündeten USA und Ägypten wird der Ton unterdessen rauer. Kairo kritisierte Äußerungen von US-Präsident Barack Obama scharf und warf ihm falsche Angaben vor. In der Erklärung des Büros von Übergangspräsident Adli Mansur hieß es in der Nacht zum Freitag weiter: "Die Präsidentschaft fürchtet, dass Erklärungen, die nicht auf korrekten Fakten basieren, gewalttätige bewaffnete Gruppen stärken und sie in ihrem Widerstand gegen Stabilität und den demokratischen Übergang bestärken könnten."

Obama hatte erklärt, die USA verurteilten die Maßnahmen der Übergangsregierung und der Sicherheitskräfte scharf. Er bedauerte die Gewalt gegen Zivilisten und sprach sich gegen den verhängten Notstand aus. Die USA sagten eine traditionelle gemeinsame Trainingseinheit beider Streitkräfte ab. Angesichts der Geschehnisse könnten die Vereinigten Staaten ihre Beziehung mit dem Land derzeit nicht wie gewohnt weiterführen, sagte Obama am Donnerstag von seinem Ferienort auf der Insel Martha's Vineyard im US-Staat Massachusetts aus. Weiter ging seine Kritik jedoch nicht.

Die USA riefen ihre Bürger wegen der Unruhen zum Verlassen des Landes auf. Alle dort lebenden Amerikaner seien angehalten, aus dem nordafrikanischen Staat auszureisen, teilte das Außenministerium in Washington am Donnerstag mit.

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte am Donnerstag die Gewalt. Zugleich wurden alle Parteien aufgerufen, die "Aggressionen" einzustellen, wie Argentiniens Vertreterin Maria Cristina Perceval als Ratspräsidentin nach einer Dringlichkeitssitzung des Gremiums mitteilte.

Kairo auf einen Blick: Die wichtigsten Schauplätze der vergangenen Tage

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Foto: SPIEGEL ONLINE
fab/AFP/dpa
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