Kairo Gericht verurteilt 75 Islamisten zum Tode

75 Mitgliedern der verfolgten Muslimbruderschaft droht in Ägypten der Tod: Ein Gericht in Kairo sprach die Angeklagten schuldig - der Großmufti muss das Urteil noch bestätigen.
Von Polizisten bewachte Gefangene im Gerichtssaal

Von Polizisten bewachte Gefangene im Gerichtssaal

Foto: AMR ABDALLAH DALSH/ REUTERS

Es ist ein Massenprozess mit weit über 700 Angeklagten: Die Justiz in Ägypten geht gegen jene Mitglieder der Muslimbruderschaft vor, die im Jahr 2013 an den blutigen Protesten nach dem Sturz des islamischen Präsidenten Mohamed Morsi teilgenommen hatten. Jetzt sind 75 Personen zum Tode verurteilt worden.

Das Gericht in Kairo überstellte das Urteil am Samstag zur Bestätigung an den Großmufti. Dessen Entscheidung ist zwar nicht bindend, wird jedoch in der Regel befolgt. Die Urteile bei mehr als 660 anderen Angeklagten stehen noch aus und sollen laut Medienberichten am 8. September fallen.

Im Juli 2013 wurde Morsi nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär unter dem jetzigen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi gestürzt. Wochenlange Massenproteste der Muslimbrüder führten zu dem blutigsten Tag in der jüngeren Geschichte Ägyptens: Beim gewaltsamen Sturm der Protestcamps durch die Polizei starben mindestens 600 Menschen. Die autoritäre Regierung Sisis verfolgt die Muslimbrüder als Terroristen.

44 der nun verurteilten Personen sollen laut Medienberichten bereits im Gefängnis sitzen. 31 wurden demnach in Abwesenheit schuldig gesprochen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Prozess. Unter den Angeklagten befänden sich auch Journalisten und friedliche Demonstranten. Amnesty International bezeichnete das Verfahren als unfair - den Beschuldigten sei das Recht auf eine angemessene Verteidigung verweigert worden.

kev/AP/dpa/Reuters
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