Mubarak in kritischer Verfassung Siechtum eines Diktators

Er verliert immer wieder das Bewusstsein, nimmt keine feste Nahrung mehr zu sich, dämmert vor sich hin: Der Gesundheitszustand des einstigen ägyptischen Diktators Husni Mubarak verschlechtert sich zusehends - besonders massiv, seit er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Mubarak (im Januar): Wie steht es um die Gesundheit des Ex-Diktators?
dapd

Mubarak (im Januar): Wie steht es um die Gesundheit des Ex-Diktators?


Kairo - Mubaraks Zustand sei kritisch, heißt es aus dem ägyptischen Sicherheitsapparat, er dämmere nurmehr vor sich hin, immer wieder verliere er das Bewusstsein. Es hatte bereits Gerüchte gegeben, der frühere Machthaber sei schon tot. Daraufhin erlaubten die Behörden seiner Frau und zwei Schwiegertöchtern, Mubarak am frühen Sonntagmorgen zu besuchen.

Ein Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden, der nicht genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AP, Mubaraks Gesundheitszustand verschlechtere sich zusehends, sei aber für den Moment stabil auf niedrigem Niveau. Nach dem Besuch seiner Frau habe Mubarak an Herzrhythmusstörungen gelitten und brauche Hilfe beim Atmen. Demnach nehme er nur Flüssignahrung und Joghurt zu sich.

Erst vor wenigen Tagen war das Urteil gegen den Ex-Diktator gesprochen worden: Er muss für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Mit dem Richterspruch ging ein Prozess zu Ende, der in der arabischen Welt bisher beispiellos war. Zum ersten Mal musste sich ein ehemaliger Führer eines Landes persönlich und vor einem regulären Gericht für seine Machenschaften verantworten. Die milden Urteile gegen Mitglieder seines Clans allerdings hatten zu heftigen Protesten geführt.

Gefängnis statt Luxus-Klinik

Seit dem Urteil, so heißt es, habe sich Mubaraks Gesundheitszustand massiv verschlechtert. Den Richterspruch selbst hatte er äußerlich gefasst aufgenommen. Danach war er in ein Gefängniskrankenhaus gebracht worden - und nicht in ein weitaus luxuriöseres Militärkrankenhaus oder in ähnliche Einrichtungen, in denen er seinen Arrest vor der Verhandlung verbrachte. Die Behörden hatten entsprechende Anträge seiner Familie abgelehnt.

Das Strafgericht hatte Mubarak und seinen früheren Innenminister Habib al-Adli wegen Beihilfe zum Tod von bis zu 850 im Zuge der Revolution getöteten Demonstranten verurteilt. Mubaraks Söhne Alaa und Gamal sowie sechs Polizeikommandeure und ein der Korruption angeklagter Geschäftsmann wurden freigesprochen. Die Frage, wer das Gros der Verantwortung für die blutigen Ereignisse während der Revolution trage, beantwortete das Gericht nicht.

Besonders die Freisprüche gegen die Chefs des Sicherheitsapparats lösten direkt nach der Urteilsverkündung tumultartige Szenen im Gericht sowie Proteste am Wochenende in den Großstädten Ägyptens aus. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, Berufung gegen den Freispruch der Polizeichefs einzulegen.

Rechtsexperten sind allerdings der Auffassung, dass das Urteil gegen Mubarak und seinen Innenminister anfechtbar sei. Mubarak werde keine 30 Tage im Gefängnis verbringen, sagte Cherif Bassiouni, Experte für ägyptisches Recht an der DePaul Universität in Chicago, der "New York Times". Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch und die Ägyptische Initiative für Bürgerrechte hatten schon vor Prozessbeginn juristische Schwachstellen beim Verfahren gegen Mubarak und seine Helfer ausgemacht. Laut Bassiouni ist das Urteil gar gegenstandslos. "Es gibt dafür keine Grundlage im ägyptischen Recht", so der Experte. Die Chancen auf ein härteres Urteil als gegen die Polizeichefs als Ergebnis der Berufung schätzte er gleich null ein.

otr/AP

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hermes75 10.06.2012
1.
Zitat von sysopdapdEr verliert immer wieder das Bewusstsein, nimmt keine feste Nahrung mehr zu sich, dämmert vor sich hin: Der Gesundheitszustand des einstigen ägyptischen Diktators Husni Mubarak verschlechtert sich zusehends - besonders massiv, seit er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838017,00.html
Der gesundheitliche Verfall von ehemaligen Diktatoren ist immer wieder bemerkenswert. Letztes Jahr wollte er nicht von der Macht lassen und ist dafür über Leichen gegangen - heute steht er mit einem Bein in der Kiste.
MoonofA 10.06.2012
2.
Zitat von sysopdapdEr verliert immer wieder das Bewusstsein, nimmt keine feste Nahrung mehr zu sich, dämmert vor sich hin: Der Gesundheitszustand des einstigen ägyptischen Diktators Husni Mubarak verschlechtert sich zusehends - besonders massiv, seit er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838017,00.html
Ist doch nur Theater damit er aus dem Knast rauskann und wieder in seiner Villa in Sharm el sheik ein langes Leben zu geniessen..
plang 10.06.2012
3.
Es ist zu wünschen, daß es den Ägyptern nie schjlechter gehen wird als während der Mubarak-Jahre.
warum_nur 10.06.2012
4. Geisteszustand verschlechtert?
Für das ein so alter Herr sein Geisteszustand sich so verschlechtert hat, wirken seine dunkelbraunen Haare doch sehr jugendhaft. Ich nehme an, das Herr Mubarak hier in solchen Angelegenheiten immer noch sehr Eitel ist, was ja auch sein recht ist. Das aber zu einem sehr schlechten Geisteszustand hier gesprochen wird, wo Haarfärbemittel schon etwas Ausdrücken könnten zu einem inneren Wohlbefinden, mag hier doch so mancher hier zu einem eigentlichen Wohlbefinden sehr anzweifeln.
warum_nur 10.06.2012
5. Geisteszustand verschlechtert?
Für das ein so alter Herr sein Geisteszustand sich so verschlechtert hat, wirken seine dunkelbraunen Haare doch sehr jugendhaft. Ich nehme an, das Herr Mubarak hier in solchen Angelegenheiten immer noch sehr Eitel ist, was ja auch sein recht ist. Das aber zu einem sehr schlechten Geisteszustand hier gesprochen wird, wo Haarfärbemittel schon etwas Ausdrücken könnten zu einem inneren Wohlbefinden, mag hier doch so mancher hier sehr anzweifeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.