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Machtkampf in Ägypten: Soldaten marschieren in Kairo auf

Foto: Hassan Ammar/ AP/dpa

Machtkampf in Ägypten Auf Kairos Tahrir-Platz marschieren Soldaten auf

Armeefahrzeuge fahren auf, das Militär hat Stellung bezogen: In Kairo machen die verfeindeten Lager mobil, Machthaber Sisi und die Muslimbrüder rufen die Ägypter zu ihrer Unterstützung auf die Straße. Der Haftbefehl gegen den abgesetzten Präsidenten Mursi heizt die Stimmung zusätzlich an.

Es sind Szenen, die an die Aufstände 2011 erinnern. In den Straßen rund um den Tahrir-Platz mitten in Kairo sind gepanzerte Fahrzeuge der Armee aufgefahren. Die Soldaten haben Stellung bezogen und warten nun, was der Tag bringt.

Ägypten hält den Atem an, schon wieder. Nach den Massenprotesten am 30. Juni gegen den damaligen Präsidenten Mohammed Mursi sollen an diesem Freitag schon wieder Millionen auf die Straße gehen. Dazu hatte Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi am Mittwoch aufgerufen.

Viele Ägypter befürchten, dass es zu neuen Ausschreitungen kommen könnte. Denn dieses Mal macht gleichzeitig die Gegenseite mobil. Nach der Ankündigung des Generals hat die Muslimbruderschaft ihre Anhänger ebenfalls zu Massenprotesten aufgerufen. Dieser Freitag soll die Entscheidung erzwingen.

Beide Seiten stehen sich kompromisslos gegenüber

Nach den Massendemonstrationen vor vier Wochen gegen die Muslimbruderschaft und Mohammed Mursi hatte General Sisi den Islamisten als Präsidenten ab- und einen neuen eingesetzt. Mursi wurde verhaftet. Erst seit Freitag sitzt er formell in Untersuchungshaft. Ein Richter verhängte über den islamistischen Politiker 15 Tage Arrest, um ihn zu Verschwörungsvorwürfen zu befragen, berichtete das staatsnahe Nachrichtenportal "al-Ahram". Seit seiner Absetzung am 3. Juli wurde Mursi vom Militär an einem unbekannten Ort festgehalten.

Mit den Verschwörungsvorwürfen haben die Behörden des Landes nun erstmals eine Anklage gegen ihn formuliert. Der Ex-Präsident wird beschuldigt, sich mit der palästinensischen Hamas-Bewegung zur "Ausführung feindlicher Akte" in Ägypten abgesprochen zu haben. Die islamistische Hamas herrscht seit 2006 im benachbarten Gazastreifen.

Sisi will mit seiner neuen Regierung weitermachen, die Verfassung neu schreiben und vorzeitige Neuwahlen ausrufen lassen. Doch dagegen sperren sich die Muslimbrüder.

Sie halten daran fest, dass Mursi ins Präsidentenamt zurückkehren muss. Seit Wochen campieren sie in Nasr City, einem Stadtteil Kairos. Trotz des Fastenmonats Ramadan haben ihre täglichen Protestveranstaltungen Zulauf.

General Sisi hat mit seinem brutalen Vorgehen gegen die Mursi-Anhänger dafür gesorgt, dass auch solche Ägypter sich mit Mursi solidarisieren, die mit der Muslimbruderschaft nicht mehr viel anfangen konnten.

Für die Muslimbruderschaft geht es um die Existenz

Beide Seiten wollen mit Massenprotesten in den Straßen zeigen, dass sie den wahren Volkswillen repräsentieren. Statt auf Verhandlungen setzen sie auf Kompromisslosigkeit. Ihre Logik: Wer mehr Menschen für sich auf die Straße bringt, hat gewonnen. Die eine Seite hält die Plakate von General Sisi in die Luft, die andere hält das Bild von Mursi dagegen.

Es ist ein gewagtes Spiel. Die Rücksichtslosigkeit beider Seiten polarisiert das ohnehin schon gespaltene Land noch mehr. Vor allem für die Muslimbruderschaft ist das Risiko groß. Denn sie sitzt dabei erst einmal am kürzeren Hebel. Beschließt Militärchef Sisi tatsächlich mit den Islamisten aufzuräumen, könnten diese dem wenig entgegensetzen.

Nachdenkliche Stimmen gehen in der aufgeheizten Stimmung in Ägypten bisher unter. Die Jugendbewegung "6. April" stand hinter den Protesten gegen Mursi am 30. Juni. Doch die Demonstrationen am Freitag lehnt sie ab . "Die Armee braucht kein Volksmandat, um uns gegen Gewalt zu schützen. Das ist laut Gesetz die Pflicht der Armee", hieß es auf ihrer Facebook-Seite.

Die Tamarod-Jugendbewegung, die die Demonstrationen Ende Juni initiierte, hält dagegen. Am Donnerstag drohte Mohammed Abdul Aziz, einer ihrer Sprecher: "Morgen werden wir Ägypten säubern."

mit Material von dpa
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