Engagement für Folteropfer Ägyptische Klinik mit Menschenrechtspreis ausgezeichnet

Das El-Nadeem Center in Ägypten bietet psychologische Betreuung für Opfer von Folter und Gewalt. Die vier Gründerinnen wurden nun in der deutschen Botschaft in Kairo geehrt.

Eine Spezialklinik, die sich in Ägypten für die Opfer von Folter und Gewalt einsetzt, ist mit dem deutsch-französischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Die vier Gründerinnen nahmen den Preis, der seit 2016 verliehen wird, in der deutschen Botschaft in Kairo entgegen.

Das El-Nadeem Center zeige, "dass die Menschheit selbst unter den unmenschlichsten Umständen bestehen kann", sagte Deutschlands Botschafter Cyrill Nunn. "Sie arbeiten nicht allein", sagte sein französischer Amtskollege Stéphane Romatet.

Seit der Gründung im Jahr 1993 hat das El-Nadeem Center for the Rehabilitation of Victims of Violence and Torture rund 5500 Folteropfer psychologisch betreut oder sie bei der Rückkehr in einen geregelten Alltag unterstützt. Das El-Nadeem Center ist die einzige Einrichtung ihrer Art in dem nordafrikanischen Land. Ägyptische Behörden hatten die Klinik 2017 mit der Begründung geschlossen, dass sie ohne Lizenz arbeite. Zwei der Gründerinnen wurden mit Reiseverboten belegt.

Ägypten streitet Folter ab

In 26 Jahren Arbeit hätten die Mitarbeiter des Zentrums in Ägypten vor vielen Herausforderungen gestanden, sagte Mitgründerin Magda Adly, "aber keine so schwierig wie die der vergangenen Jahre". Menschenrechtsorganisationen machten in Ägypten ihre schwerste Zeiten überhaupt durch. Am frustrierendsten sei der Tod vieler Gefangener wegen mangelnder Gesundheitsversorgung oder weil Anwälte diese nicht ausreichend unterstützen könnten.

Die ägyptische Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi streitet den Einsatz von Folter ab. Menschenrechtsaktivisten berichten aber immer wieder, dass politische Gefangene etwa geschlagen oder mit Elektroschocks gequält, aber auch vergewaltigt werden.

Der deutsch-französische Menschenrechtspreis wird seit 2016 jedes Jahr an 15 Verteidiger der Menschenrechte weltweit verliehen. Die weiteren 14 Preisträger sollten am Dienstag verkündet werden. Im Jahr 2016 hatte die Preisvergabe an die chinesische Aktivistin Wang Qiaoling für diplomatische Verstimmungen zwischen China und Deutschland gesorgt.

hba/dpa