Ägypten-Liveticker Opposition nennt Rücktritte Ablenkungsmanöver

Die Demonstranten in Kairo lassen sich vom Wirbel um den angeblichen Rücktritt ihres Präsidenten nicht beirren. Auch den Abgang der Parteigranden bezeichnen sie als Finte. Sie wollen nicht eher abziehen, bis Husni Mubarak sein Amt aufgibt. Lesen Sie die Ereignisse vom Samstag im Minutenprotokoll.

DPA

+++ ElBaradei warnt USA vor Unterstützung der ägyptischen Regierung +++

[23.58 Uhr] Der ägyptische Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei fürchtet, dass die USA entweder Präsident Husni Mubarak oder Vizepräsident Omar Suleiman unterstützen könnten. Beides wäre laut ElBaradei ein "schwerer Rückschlag", sagte der Friedensnobelpreisträger von Kairo aus in einem Telefoninterview mit Reuters.

+++ Kein Lob für Rücktritte +++

[23.50 Uhr] Die Reaktionen auf die Rücktritte von sechs führenden Parteifunktionären der regierenden ägyptischen Nationaldemokratischen Partei fallen eher verhalten aus: Amr Hamzawy, ein Mitglied des ägyptischen Rates der Weisen, sagte: "Das ist noch keine Reform. Es scheint ein Versuch der Regierung zu sein, die Befürworter eines Wechsels zu verwirren, in der Hoffnung, das Regime am Leben zu halten." Ähnlich sehen es auch die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz.

+++ Israels Präsident fordert wirtschaftliche Reformen statt Demokratie +++

[22.58 Uhr] Der israelische Präsident Schimon Peres hat die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, statt auf politische eher auf ökonomische Reformen in Ägypten hinzuwirken. "Ein Wechsel der Regierung ist keine Garantie, dass die Armut zurückgeht", sagte Peres am Samstagabend. Die Wirtschaft sei ausschlaggebend im Nahen Osten - an einer politischen Neuordnung in seinem Nachbarland Ägypten ist Peres dagegen nicht interessiert. Vor allem eine mögliche Machtbeteiligung der Muslimbrüder betrachtet der israelische Präsident mit Sorge: "Wir sind sehr besorgt über jedweden Wechsel in der Regierung oder im Wahlsystem", sagte er. "Wenn die Muslimbrüder gewählt würden, werden sie keinen Frieden bringen."

+++ Demonstranten in Kairo: "Der Hunger treibt uns an" +++

[22.10 Uhr] Wer hält länger durch - Präsident Mubarak oder seine Gegner auf dem Tahrir-Platz, die dort auf seinen Rücktritt warten? Die Nächte sind kalt auf dem Platz, anhaltender Nieselregen hat ihn zu einem Schlammfeld werden lassen. Die Demonstranten versorgen sich gegenseitig mit dem Nötigsten: Medikamente, Tee und Zigaretten. Und wenn nötig, verarzten sie einander. Viele campieren hier seit Tagen, sie halten durch, indem sie sich gegenseitig anfeuern: "Und wenn wir unser ganzes Leben damit zubringen müssen, Mubarak loszuwerden, wir werden es tun", sagt der 22-jährige Student Ahmed. Ein Mitstreiter sagt: "Vielleicht sind wir danach einen Monat lang müde, aber dafür frei für den Rest unseres Lebens."

+++ USA distanzieren sich von des Aussagen ihres Sondergesandten +++

[21.48 Uhr] Die USA wollen offiziell nicht die Äußerungen ihres Sondergesandten für Ägypten unterstützen, der sich für einen vorläufigen Verbleib von Präsident Husni Mubarak an der Macht ausgesprochen hatte. Die Äußerungen von Frank Wisner "betreffen nur ihn selbst, nicht die US-Regierung", sagte ein ranghoher Vertreter der Obama-Regierung. Ein Mitglied der Delegation von US-Außenministerin Hillary Clinton bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte: "Frank Wisner hat sich als Privatmann geäußert, als Analytiker, nicht als ein Vertreter der amerikanischen Regierung." In einer Videoschaltung zur Sicherheitskonferenz sagte Wisner am Samstag: "Ich glaube, dass die Führerschaft von Mubarak weiter von Bedeutung ist."

+++ Palästinenser kritisieren Nahost-Quartett +++

[21.15 Uhr] Angesichts der Unruhen in Ägypten hat das Nahost-Quartett den Druck auf Israel und die Palästinenser erhöht, zu einer Lösung im Nahost-Konflikt zu kommen. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die Erklärung der vier Mitglieder - Uno, EU, USA und Russland - jetzt als unzureichend zurückgewiesen. Das Quartett hätte es versäumt, der israelischen Siedlungspolitik klar entgegenzutreten, sagte ein Sprecher in Ramallah. Die Palästinenser wollen erst dann wieder über einen Frieden verhandeln, wenn die Israelis ihren Siedlungsbau im Westjordanland und in Ost-Jerusalem stoppen. Dazu ist Israel nicht bereit.

+++ Geistliche Oberhäupter bestärken die Demonstranten +++

[21.05 Uhr] Die beiden Imame sind zwar Angestellte der Regierung, halten aber fest zu den Protestlern und ermuntern sie, weiterzumachen. Alles, was sie jahrelang in ihren Moscheen gesagt hätten, sei zensiert worden, erzählen die beiden Prediger einer BBC-Korrespondentin in Kairo. Jetzt endlich könnten sie offen über Meinungsfreiheit predigen. "Ich fühle mich jetzt noch näher bei Gott, da ich sagen kann, was wirklich in mir ist", so einer der Imame.

+++ "30 Jahre - genug ist genug!" +++

[20.45 Uhr] Die Protestler auf dem Tahrir-Platz in Kairo zeigen sich unbeeindruckt von den Rücktritten der obersten Parteiriege: "Was bringt es, wenn einige Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei zurücktreten, solange er [Mubarak] weitermachen und eine neue Partei gründen kann, die vielleicht sogar schlimmer als die jetzige ist? Wir erleben das seit 30 Jahren, wir haben Kinder bekommen, und wir werden mit ihm sterben - genug ist genug", zitiert Reuters einen Demonstranten.

+++ Griechischer Ministerpräsident sagt Reise nach Kairo ab +++

[20.30 Uhr] Am Sonntag wollte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou nach Ägypten reisen. Noch am Freitag hatte er angekündigt, Ägyptens Präsident Mubarak eine Nachricht übermitteln zu wollen. Jetzt heißt es aus dem Büro des griechischen Regierungschefs: "Nach den heutigen Entwicklungen wurde die Aufschiebung der Reise beschlossen." Der Besuch sollte stattfinden, "sobald sich die geeigneten Bedingungen ergeben". Griechenland pflegt traditionell gute Beziehungen zu allen arabischen Staaten.

+++ "Das ist ein Trick der Regierung" +++

[19.45 Uhr] So einfach lassen sich die Demonstranten nicht zufriedenstellen. Die jüngsten Rücktritte der Führungsriege der Partei seien bloß ein Trick der Regierung: "Das erfüllt nicht unsere Forderungen, das ist ein Ablenkungsmanöver", sagt der 22-jährige Protestler Bilal Fathi. Ein führendes Mitglied der Muslimbrüderschaft, Mohammed Habib, sagte: "Es ist ein Versuch, um das Image der Partei aufzupolieren und Zeit zu gewinnen. Aber das Ziel der Revolution ist, das Regime zu stürzen, angefangen beim Rücktritt Mubaraks."

+++ Demonstranten trotzen Mubarak - und dem Wetter +++

[19.25 Uhr] Doch kein Rücktritt, dafür Regen und für Kairoer Verhältnisse frische 16 Grad: Tausende Protestler halten weiterhin die Stellung auf dem zentralen Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt. Laut einem al-Dschasira-Reporter versucht die Armee mittlerweile auch nicht mehr, die Demonstranten zu überreden, nach Hause zu gehen. Das Militär hält sich weiterhin rund um den Platz auf.

+++ USA begrüßen Rücktritt von Mubaraks Sohn +++

[19.10 Uhr] "Es ist ein positiver Schritt auf dem Weg hin zu dem nötigen Politikwechsel." Mit diesen Worten lobte ein Mitarbeiter der Obama-Regierung den Rücktritt von Gamal Mubarak. Der Präsidentensohn gibt den Posten des Vorsitzenden des politischen Komitees der Nationaldemokratischen Partei (NDP) ab. "Wir freuen uns auf weitere Schritte", so der US-Beamte.

+++ Obama-Gesandter: Mubarak soll noch nicht zurücktreten +++

[19.04 Uhr] Ein Schritt nach dem nächsten: Ägyptens Präsident Husni Mubarak solle vorerst noch im Amt bleiben, um die nötigen Veränderungen für einen geordneten Machtwechsel zu lenken, so lautet der Rat des US-Gesandten in Kairo, Frank Wisner. Per Videobotschaft teilte Wisner den Teilnehmern der Münchner Sicherheitskonferenz mit, es bestehe immer noch die Gefahr eines Gewaltausbruchs, er erkenne jedoch erste Anzeichen, dass sich Ägypten auf eine friedliche Lösung zubewege. Der ehemalige Botschafter mahnte die westlichen Staaten zur Zurückhaltung, was Forderungen an die Regierung in Ägypten angeht: "Unser Einfluss ist letztlich begrenzt", sagte Wisner.

+++ Der Rücktritt, der offenbar keiner war +++

[18.44 Uhr] Eine Falschmeldung des Fernsehsenders al-Arabija über einen Rückzug Mubaraks als Vorsitzender der Regierungspartei NDP hat für Verwirrung gesorgt. Al-Arabija berichtete zunächst, dass neben zahlreichen Spitzenfunktionären der Nationaldemokratischen Partei (NDP) auch Staatschef Mubarak selbst sein Parteiamt als Vorsitzender abgegeben habe. Kurze Zeit später berichtigte der Nachrichtensender seine Meldung.

+++ Rätselraten: Ist Mubarak doch nicht zurückgetreten? +++

[18.28 Uhr] Der Nachrichtensender al-Arabija hat die Nachricht zurückgezogen, dass Husni Mubarak als Vorsitzender der Nationaldemokratischen Partei (NDP) zurückgetreten sei. Die Führungsriege der Partei sei zwar zurückgetreten, darunter auch Mubaraks Sohn Gamal. Mubarak selbst habe seinen Posten als Parteivorsitzender aber nicht aufgegeben, teilte al-Arabija jetzt mit. Zuvor hieß es, Mubarak habe sein Amt als Parteichef niedergelegt.

+++ Bombe explodiert in ägyptischer Kirche +++

[17.45 Uhr] Unbekannte haben im Norden Ägyptens in einer leeren Kirche einen Sprengsatz gezündet. Verletzt wurde offenbar niemand. Der Anschlag habe sich in der Stadt Rafa an der Grenze zum Gaza-Streifen ereignet, erklärt die Polizei. Die Angreifer hätten außerdem ein Kreuz von einer Außenwand der Kirche entfernt. Augenzeugen berichteten der Agentur AFP, dass Flammen und Rauch aus der Kirche aufstiegen. Er habe in der Nähe des Gotteshauses bewaffneten Männer auf Motorrädern gesehen, berichtete demnach ein anderer Zeuge. Bislang bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der Gouverneur der Region hat inzwischen Berichten über eine Explosion in dem Gotteshaus dementiert. An Neujahr wurden bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria 21 Christen getötet.

insgesamt 243 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 05.02.2011
1. hmmm
Zitat von sysopDie Demonstranten in Ägypten wollen ausharren, bis Präsident Husni Mubarak aus dem Land gejagt ist. Die US-Regierung entwirft laut "New York Times" Pläne dafür und erwägt, den Despoten nach Deutschland auszufliegen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743730,00.html
- Ben Ali in Saudi Arabien - Mubarak in Deutschland irgendwie müssen die beiden Länder doch was gemeinsam haben... Hoffentlich bringt Mubarak auch viel Gold mit.
rkinfo 05.02.2011
2. Hurra Deutschland ! ... Nix Neuschwanstein Castle ?
Zitat von sysopDie Demonstranten in Ägypten wollen ausharren, bis Präsident Husni Mubarak aus dem Land gejagt ist. Die US-Regierung entwirft laut "New York Times" Pläne dafür und erwägt, den Despoten nach Deutschland auszufliegen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743730,00.html
Gibts gleich als Begrüßungsgeschenk einen Daimler MAYBACH ... oder ? Aber das Asyl Deutschland wäre ein guter Kompromiss und würde auch die Situation des deutschen Ägypten-Tourismus stabil halten. Denn auch die Mubarak-Fan wüßten dass ihr Ideol eben wg. Deutschland einen Ruhestand in Wohlstand ableiten könnte. Es muß ja nicht gerade Neuschwanstein als Asyl werden ...
Kranken-pfleger 05.02.2011
3. Na
klar hier hat er das Recht seine Milliarden aus der Schweiz ein zu klagen. Außerdem werden die jungen Ägypter gebraucht für die Pflege der alten Deutschen.
gambio 05.02.2011
4. So so...
Zitat von sysopDie Demonstranten in Ägypten wollen ausharren, bis Präsident Husni Mubarak aus dem Land gejagt ist. Die US-Regierung entwirft laut "New York Times" Pläne dafür und erwägt, den Despoten nach Deutschland auszufliegen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743730,00.html
..Washington erwägt. Was geht die das denn an ? Herrje, ich warte sehnsüchtig auf den Tag an dem den USA endgültig das Maul gestopft wird. Von mir aus auch von den Chinesen.
trackerdog 05.02.2011
5. Ausreise Mubaraks
Auf einen Diktator mehr oder weniger kommt es hier doch nicht mehr an. Schließlich haben wir ja schon unsere Blockparteien und die EU. Nur wohin gehen die Alle, wenn wir sie auch noch wegjagen?
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