Ägypten Präsident vereidigt Übergangsregierung

Ägyptens Übergangsregierung ist komplett: Mehr als 30 Minister wurden am Dienstag vereidigt. Die Muslimbrüder sind im neuen Kabinett nicht vertreten - die Rolle des Militärs ist stärker als erwartet.
Ägyptens vereidigte Übergangsregierung: Kommandeur der Streitkräfte wird Vizeministerpräsident

Ägyptens vereidigte Übergangsregierung: Kommandeur der Streitkräfte wird Vizeministerpräsident

Foto: DPA/ Egyptian Presidency

Kairo - Zwei Wochen nach dem Umsturz in Ägypten ist in Kairo eine Übergangsregierung vereidigt worden. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von der Zeremonie am Dienstag, bei der die einzelnen Minister ihren Amtseid vor Übergangspräsident Adli Mansur ablegten.

Der von den Islamisten scharf kritisierte Kommandeur der Streitkräfte, Abd al-Fattah al-Sisi, behält nicht nur das Verteidigungsressort, sondern übernimmt auch den Posten des ersten Stellvertreters von Ministerpräsident Hasim al-Beblawi. Damit wird das Militär eine stärkere politische Rolle einnehmen als allgemein erwartet.

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Militärchef Sisi hatte ursprünglich versprochen, dass die Macht in die Hände ziviler Politiker gelegt werde. An den Spitzen der Wirtschaftsministerien überwiegen indes Fachleute. Finanzminister wurde Ahmed Galal, ein langjähriger Experte der Weltbank.

Außenminister wurde Nabil Fahmi, der von 1999 bis 2008 Botschafter in Washington war. Auch Beblawi ist ein Wirtschaftsfachmann mit langjähriger Erfahrung in Entwicklungsbanken und Uno-Organisationen. Die Übergangsregierung soll bis zu den Neuwahlen im Amt bleiben, die in sechs Monaten vorgesehen sind.

Keiner der mehr als 30 Minister des Übergangskabinetts gehört einer islamistischen Partei an. Beblawi hatte als Geste der Versöhnung auch den Muslimbrüdern Posten in der Interimsregierung angeboren, doch die Islamisten lehnten ab - den "Staatsstreich" werde man dadurch nicht legitimieren.

Die Muslimbruderschaft will ihre Anhänger so lange demonstrieren lassen, bis der gestürzte Präsident wieder im Amt ist. In der Nacht zum Dienstag eskalierten die Proteste erneut, sieben Menschen starben bei Ausschreitungen in Kairo.

sun/dpa/AP
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