Ägypten-Minutenprotokoll Tag der Straßenschlachten

3. Teil: Kampf mit Molotow-Cocktails


+++ Bericht über Feuer im Nationalmuseum +++

[17.20] Die Proteste sollen erneut das Nationalmuseum in Kairo in Mitleidenschaft gezogen haben. Unter Berufung auf einen Journalisten vor Ort meldet der Sender al-Dschasira, dass im Ägyptischen Museum ein Feuer ausgebrochen sei. Demnach unternimmt das Militär Löschversuche. Bereits vor Tagen waren Plünderer in das Museum eingedrungen.

+++ Kampf mit Molotow-Cocktails +++

[17.13] Kurz nach Einbruch der Dunkelheit fliegen erste Molotow-Cocktails nahe dem ägyptischen Museum, offenbar von beiden Seiten. Zudem werfen Menschen von den Häusern am Rand des Platzes Molotow-Cocktails in die Menge. Die Ausgangssperre ist bereits länger in Kraft, die Lage beruhigt sich nicht. An allen Zufahrtsstraßen am Platz stehen sich die beiden verfeindeten Gruppen gegenüber, jeweils ausgerüstet mit Steinen als Wurfgeschosse und bewaffnet mit Eisenstangen.

+++ Hunderte Regierungsgegner in Kairo verletzt +++

[17.03] Der Sender al-Dschasira hat eine Zwischenbilanz der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kairo gezogen. Demnach seien bei den Straßenschlachten rund 500 Menschen verletzt worden. AFP-Reporter schätzen, Hunderte Mubarak-Gegner seien verletzt worden.

+++ Washington verurteilt Gewalt in Ägypten +++

[16.57] Die USA zeigen sich schockiert über die blutigen Auseinandersetzungen in Kairo. Das Weiße Haus verurteile die Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mubarak, sagte ein Sprecher. Die USA seien "zutiefst besorgt". Aus dem US-Außenministerium hieß es: "Wir fordern alle Seiten auf, sich zurückzuhalten und Gewalt zu vermeiden." Der Weg Ägyptens zu einem demokratischen Wandel müsse friedlich sein.

+++ Westerwelle telefoniert mit ElBaradei +++

[16.55] Außenminister Guido Westerwelle hat mit dem ägyptischen Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei telefoniert, hat das Auswärtige Amt mitgeteilt. Westerwelle verurteile die zunehmende Gewalt in Ägypten. Nach dem Telefonat erklärte er: "Ich fordere die Sicherheitsbehörden in Ägypten auf, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Jede weitere Eskalation der Situation muss unbedingt vermieden, Schlägertrupps muss unverzüglich Einhalt geboten werden."

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Kairo: Regimegegner gegen Regierungstreue
+++ Ägyptisches Militär dementiert Attacken auf Demonstranten +++

[16.49] Dementi im Namen der Armee: Das ägyptische Militär hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht auf Demonstranten in Kairo gefeuert. "Die Armee widerspricht der Darstellung, sie habe auf Demonstranten geschossen", zitiert die Agentur Reuters das Ministerium. Zuvor hatten Reporter Schüsse gehört und vermutet, die Armee habe in die Luft gefeuert.

+++ Rating-Agenturen stufen ägyptische Banken herab +++

[16.47] Angesichts der Unruhen in Ägypten hat die Rating-Agentur Moody's fünf ägyptische Banken herabgestuft, von der Agentur Standard & Poor's wurde ebenfalls die Kreditwürdigkeit zweier Finanzinstitute des Landes abgewertet. Als Grund wurde in beiden Fällen die Befürchtung angegeben, dass die seit Tagen anhaltenden Proteste sich negativ auf den Zufluss direkter Investitionen aus dem Ausland auswirken und zu Unterbrechungen der wirtschaftlichen Aktivitäten führen könnten. Die betroffenen Geldhäuser stünden weiter unter Beobachtung, weitere Herabstufungen seien möglich.

+++ Belgischer Reporter festgenommen +++

[16.21] Laut Berichten von europäischen Zeitungen ist ein belgischer Reporter in Ägypten festgenommen worden. Serge Dumont sei erst geschlagen und dann festgenommen worden, zitiert die Nachrichtenagentur AP aus Berichten. Er werde der Spionage beschuldigt. Dumont sei während der Berichterstattung über eine Demonstration von Männern in Zivilkleidung abgeführt worden. Der Reporter heißt demnach Maurice Sarfatti, schreibt aber unter dem Namen Serge Dumont für Zeitungen in Brüssel, Frankreich und Genf. Er habe den Redaktionen telefonisch von seiner Festnahme berichtet. Laut diesen Angaben wurde der Mann ins Gesicht geschlagen und als Unterstützer von Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei bezeichnet.

+++ Britischer Regierungschef fordert schnelle Reformen +++

[16.33] Der britische Premierminister David Cameron verurteilt die Gewalt in Kairo - und kritisiert die ägyptische Regierung scharf. "Sollte sich herausstellen, dass das Regime die Gewalt vorangetrieben oder toleriert hat, ist das vollkommen inakzeptabel", so Cameron. Die Auseinandersetzungen zeigten einmal mehr, dass politische Reformen sehr dringlich seien.

+++ Notdürftige Klinik versorgt Dutzende Verletzte +++

[16.25] In einer kleinen Moschee in einer Seitenstraße haben die Oppositionellen eine provisorische Klinik eingerichtet, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer. Auf dem Boden liegen Dutzende Verletzte, die meisten mit Platzwunden am Kopf, die notdürftig versorgt werden. Ein Arzt vor Ort schätzt die Zahl der Verletzten allein in dieser Moschee bisher auf mehrere hundert. "Ich bin mir sicher, dass es auch Tote gab", sagt der Mediziner, dessen Kleidung mit Blutflecken übersäht ist. In der Straße, die zu der Moschee führt, liegen Dutzende Verletzte mit Verbänden am Kopf, unter ihnen auch westliche Reporter, die Steine abbekommen haben.

+++ USA besorgt über Attacken auf Reporter +++

[16.21] Die US-Regierung hat sich angesichts von Angriffen auf Journalisten in Ägypten besorgt gezeigt. "Wir sind besorgt über Festnahmen von Reportern und über Attacken auf Berichterstatter", erklärte das US-Außenministerium. "Die Zivilgesellschaft, die in Ägypten aufgebaut werden soll, braucht Pressefreiheit."

+++ ElBaradei ruft Armee zu Hilfe +++

[16.17] Der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradi hat offenbar die Armee aufgerufen, auf dem Tahrir-Platz zu intervenieren und die blutigen Auseinandersetzungen zu beenden. "Ich appelliere an die Armee einzugreifen, um die Leben von Ägyptern zu schützen", wird er zitiert. Zugleich zeigte sich ElBaradei zuversichtlich, dass Präsident Mubarak noch vor Freitag das Land verlassen könnte. Für diesen Tag haben Regierungsgegner Proteste unter dem Motto "Freitag der Ausreise" angekündigt.

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blob123y 02.02.2011
1. Die Aegypter duerfen nicht nachgeben,
hier gehts um jetzt oder nie. Wenn die dem Muba und Konsorten eine Verschnaufpause goennen war alles umsonst und eine zweite Chance kommt nicht mehr.
notty 02.02.2011
2. Pro-Mubarak Demonstranten??
Zitat von sysopNun machen auch die Verteidiger des alten Regimes mobil: In Kairo ist es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des umstrittenen Präsidenten Mubarak und der Opposition gekommen. Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743133,00.html
Hoffentlich sind das nicht von der Regierung organisierte Pro-Mubarak "Aktivisten", die anfangen, mit den Anti-Mubarak Demonstranten zu kaempfen und damit die gewollte Steilvorlage fuer die Armee und das System geben, einzuschreiten, Es passt irgendwie alles zusammen....die Armee hat zur Ruhe aufgerufen...und wenn die nicht kommt....dann....
frubi 02.02.2011
3. .
Zitat von sysopNun machen auch die Verteidiger des alten Regimes mobil: In Kairo ist es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des umstrittenen Präsidenten Mubarak und der Opposition gekommen. Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743133,00.html
Jetzt kommt die kritische Phase. Das Ausland muss nun Druck auf Mubarak ausüben. Auch wenn Europa und Amerika damit einen radikalen Kurswechsel, den Kurs aus der Vergangenheit darf man durchaus mal hinterfragen, eingehen würden muss es nach den letzten Ereignissen eine Rückendeckung für die friedlichen Demonstranten geben.
outdoor 02.02.2011
4. paramilitärische Kräfte
Zitat von sysopNun machen auch die Verteidiger des alten Regimes mobil: In Kairo ist es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des umstrittenen Präsidenten Mubarak und der Opposition gekommen. Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743133,00.html
War abzusehen, alle die sich bisher so gefreut haben war wohl nichts mit dem Militär. Abgesehen davon, leider berichtet der Spiegel auch nicht darüber, verfügt Mubarak noch über 250 000 paramilitärische Kräfte die dem Innenministerium unterstehen und die bis jetzt nicht, zumindest habe ich keinen Medien davon gelesen, in Erscheinung getreten sind. Mubarak ist kein dummer Mensch und kein Mensch kann ewig demonstrieren, wenn das Militär sagt es ist Schluß dann ist Schluß ein Vergleich mit Tunesien hinkt extrem. Das Militär steht hinter Mubarak genauso wie es seine paramilitärischen Kräfte tun.
Pinarello, 02.02.2011
5. Kleiner Schreibfehler!
Tschuldigung, kleiner Schreibfehler, muß natürlich Iran heißen.
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