Ägyptens Ex-Präsident Morsi legt Berufung gegen Todesstrafe ein

Ägyptens Ex-Präsident ficht das Todesurteil gegen ihn an. Die Beweise des Gerichts seien mangelhaft, sagte sein Verteidiger. Jetzt entscheidet das höchste Berufungsgericht des Landes, ob dem Antrag stattgegeben wird.

Ex-Präsident Morsi (Archiv): Ägyptens erster frei gewählter Präsident
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Ex-Präsident Morsi (Archiv): Ägyptens erster frei gewählter Präsident


Der gestürzte ägyptische Präsident Mohamed Morsi hat Berufung gegen zwei Gerichtsurteile eingelegt. Die von einem Gericht verhängte Todesstrafe beruhe auf mangelhaften Beweisen, zitierte die Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" einen Verteidiger des Islamisten. Nun muss Ägyptens höchstes Berufungsgericht entscheiden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Morsi legte ebenso Berufung gegen eine im selben Prozess verhängte lebenslange Haftstrafe gegen ihn ein.

Ein Gericht in Kairo hatte im Juni das bereits im Mai verkündete Todesurteil gegen Ägyptens ersten frei gewählten Präsidenten bestätigt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Islamist Anfang 2011 gemeinsam mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah eine Flucht aus dem Gefängnis organisiert hatte. Menschenrechtsorganisationen und Regierungen hatten das Verfahren sowie das Urteil wiederholt als unfair kritisiert.

Nach den arabischen Aufständen von 2011 hatte Morsi die Präsidentenwahl im Jahr 2012 als Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft gewonnen. Im Juli 2013 wurde er nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär gestürzt.

mka/dpa/AFP



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hotgorn 15.08.2015
1. Unsinnigkeit der todesstrafe
Der Diktator Mursi verhängte massenhaft Todesurteile. Seine Widersacher darunter Diktator sisi, die nicht weniger Dreck am stecken haben verhängen nun gegen den adipösen Mursi die Todesstrafe. Wer bei diesem makabren ich verurteile dich zum Tode Spiel der Gewinner sein soll ist mir schleierhaft. Gerade die Todesstrafe erschwert den Aufbau eines funktionierenden Staates.
westerwäller 15.08.2015
2. Die Beweise seien mangelhaft?
Ich dachte, er würde wenigstens sagen: "Ich bin unschuldig!" Jetzt zweifelt er nur die Qualität der Beweise an und plädiert auf "Mangel an Beweisen" ...
meroswar 15.08.2015
3. Das traurige Schicksal Ägyptens.
Gerade Ägypten war zur Zeit des arabischen Frühlings eine wahre Hochburg. Doch was aus der ganzen Sache geworden ist... Traurig. Da war ein Präsident demokratisch gewählt worden, nämlich Mursi. Das wiederum kam bei großen Teilen des Volkes nicht gut an. Ein General, al-Sisi wittert die Chance, gibt sich als Wohltäter, setzt den Präsidenten ab und schafft sich seine eigene Diktatur. Zu dem Zeitpunkt hätte man ihn schon längst nicht mehr unterstützen dürfen. Aber wir haben ja unseren tollen Wirtschaftsminister Siggi. Und der ist sich auch nicht zu Schade, bei Diktatoren herumzuschleimen. Und so etwas nennt sich dann SPD-Politiker...
Karbonator 15.08.2015
4.
Zitat von westerwällerIch dachte, er würde wenigstens sagen: "Ich bin unschuldig!" Jetzt zweifelt er nur die Qualität der Beweise an und plädiert auf "Mangel an Beweisen" ...
Vor Gericht einfach nur zu sagen "Ich bin unschuldig", bringt in den seltensten Fällen etwas. Aufzuzeigen, daß die Beweise, auf Basis derer man verurteilt wurde, nicht aufzuzeigen sind, ist hingegen ein adäquates Mittel, die Strafe abzuwehren oder zumindest zu mildern.
geando 15.08.2015
5. Ein grosser Fehler
Es mag sein, das der Putsch notwendig wurde um eine Machtübernahme der Muslim-Brüder zu verhindern, aber das Todesurteil ist ein Offenbarungseid des jungen Staates, ausgesprochen von den ehemaligen Mubarak-Kadern. Darüberhinaus wird es Mursi, der immerhin legitim gewählt wurde, zum willkommenen Märtyrer der zahlreichen radikalen Muslime in Ägypten und dem ganzen arabischen Raum machen. Diese werden eine Steilvorlage für ihre Diskriminierungs-Legenden bekommen.
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