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Präsidentenwahl in Ägypten: Sisi vs. Moussa

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Sisi-Gegner vor der Wahl "Für die meisten Ägypter existiere ich gar nicht"

Moussa Moustafa Moussa ist der einzige Mann, der mit einem Erfolg bei den Wahlen ab Montag eine zweite Amtszeit des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi verhindern könnte. Doch will er das überhaupt?

Ägyptens starker Mann Abdel Fattah el-Sisi will sich für vier weitere Jahre im Präsidentenamt bestätigen lassen: Ab Montag sind 60 Millionen Ägypter aufgerufen, ihre Stimme bei der Präsidentenwahl abzugeben. Drei Tage haben sie dafür Zeit - und die Wahl zwischen zwei Kandidaten.

Da ist zum einen Amtsinhaber Sisi. Der ehemalige Armeechef putschte im Sommer 2013 nach Massendemonstrationen gegen den freigewählten, islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Ein Jahr später ließ sich Sisi mit 97 Prozent der Wählerstimmen offiziell zum Staatsoberhaupt wählen. Seither regiert er Ägypten mit harter Hand.

Und da ist zum anderen Moussa Moustafa Moussa. Der Unternehmer und Chef der liberalen Ghad-Partei gilt als langjähriger Unterstützer Sisis. Erst nachdem die Regierung den ehemaligen Premier Ahmad Shafiq von der Wahl ausschloss und den früheren Generalstabschef Sami Anan, der ebenfalls kandidieren wollte, in Gewahrsam nehmen ließ, tauchte plötzlich Moussa als Gegenkandidat auf - quasi in letzter Minute.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verwehrt sich der 65-Jährige gegen den Vorwurf, ein Alibikandidat des Regimes zu sein. Er spricht über seine Pläne eines nationalen Kapitalismus für Ägypten und erklärt, warum er Bedenken gegen ein TV-Duell mit Sisi hat.

Lesen Sie hier das vollständige Interview.

SPIEGEL ONLINE: Herr Moussa, Sie haben ihre Wahlunterlagen erst 15 Minuten vor Abgabeschluss eingereicht. Nicht nur deshalb gelten Sie als Zählkandidat, der nur angetreten ist, damit außer Sisi noch jemand auf dem Wahlzettel steht. Täuscht dieser Eindruck?

Moussa Moustafa Moussa: Allerdings täuscht der. Ich habe meine Kandidatur seit 18 Monaten vorbereitet und in dieser Zeit ein detailliertes Wirtschafts- und Finanzprogramm ausgearbeitet. Ich habe mit der Bekanntgabe meiner Kandidatur nur deshalb gezögert, weil zunächst neben Sisi noch Ex-Premier Ahmed Shafiq, der Rechtsanwalt Khaled Ali und einige andere ihre Kandidatur verkündet hatten. Erst als dann Shafiq einen Rückzieher machte und andere Kandidaten ausgeschlossen wurden, habe ich mir gesagt: Ich muss antreten.

SPIEGEL ONLINE: Aber sie haben doch vor der Bekanntgabe ihrer Kandidatur immer Sisi unterstützt.

Moussa: Das stimmt. Ich bin auch jetzt nicht gegen Sisi, aber dennoch fordere ich ihn hinaus. Eine Präsidentenwahl darf kein Referendum sein, bei der die Wähler nur mit Ja oder Nein über einen Bewerber entscheiden können. Die Ägypter müssen eine echte Wahl zwischen zwei Kandidaten haben.

SPIEGEL ONLINE: Hat die Regierung Druck auf Sie ausgeübt, damit Sie antreten?

Moussa: Nein, überhaupt nicht. Ich kandidiere aus freien Stücken.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie denn besser machen als Sisi?

Moussa: Als Präsident will ich junge Familien stärken. Dafür brauchen wir unkonventionelle Ideen. Ich will in den ersten sechs Monaten meiner Amtszeit ein System des nationalen Kapitalismus einführen. Dafür will ich konkret Staatsbetriebe in Aktiengesellschaften umwandeln und die Anteile an drei Millionen junge Ägypter verteilen. Außerdem will ich die Exportwirtschaft stärken und den afrikanischen Markt erschließen. Das Ägyptische Pfund hat gegenüber dem US-Dollar seit 2016 zwei Drittel an Wert verloren. Dadurch sind unsere Güter auf dem Weltmarkt günstiger geworden. Das müssen wir besser ausnutzen.

SPIEGEL ONLINE: Das Problem ist doch, dass die meisten Ägypter Sie noch nicht einmal kennen.

Moussa: Sie haben recht: Für die meisten Ägypter existiere ich gar nicht. Und ich weiß auch, dass Sisi im Volk sehr beliebt ist. Ich sage aber ganz selbstbewusst: Ich will die Wahl gewinnen.

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SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie das denn schaffen? Sisi hat die staatlichen Institutionen, die Armee und viele Unternehmer hinter sich, die seinen Wahlkampf bezahlen.

Moussa: Ich setze auf die Medien. Ich stelle in Interviews mein Programm vor, und hoffe, dass das die Wähler überzeugt. Ich muss aber auch sagen, dass die staatlichen Medien dabei bislang keine große Hilfe sind. Sie versuchen mir Fallen zu stellen und drehen mir das Wort im Munde um.

SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es eigentlich kein TV-Duell gegen Sisi?

Moussa: Wenn man mit diesem Vorschlag auf mich zukommen würde, wäre ich einverstanden. Es steht mir aber nicht zu, ein TV-Duell zu fordern. Es wäre ohnehin ein unfairer Vergleich: Präsident Sisi kann auf seine Erfolge hinweisen, ich habe nur ein Programm. Würde Sisi auf seine Verdienste verweisen, könnte ich immer nur danebenstehen und sagen: Stimmt, Herr Präsident, das haben Sie gut gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Warum treten Sie dann überhaupt an?

Moussa: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich eine faire Chance habe. Sonst würde ich nicht kandidieren.

SPIEGEL ONLINE: 2014 hat Sisi die Wahl mit 97 Prozent gewonnen. Was ist denn für Sie ein Ergebnis, mit dem Sie zufrieden wären?

Moussa: Mein Ziel sind 51 Prozent, aber das ist nahezu unmöglich. 20 Prozent wären ein würdiges Resultat, aber auch das wird schwierig.